X-Perience – 555 (CD-Kritik)

X-PerienceMit ihrem neuen Album „555“ wagt die deutsche Synthpop-Band X-Perience um die Geschwister Claudia und Matthias Uhle sowie Alexander Kaiser die ersten Schritte in Richtung Comeback. Zum fünfundzwanzigsten Bandjubiläum gibt es auf diesem Album tatsächlich eher wenig gänzlich Neues zu hören – das liegt nicht an der Qualität der Musik, sondern eher an der Zusammenstellung.

15 Titel umfasst der erste Longplayer der Truppe seit 2006. So weit, so gut. Davon besteht ein Drittel aus Coverversionen – allesamt handwerklich gut umgesetzt und von Claudia wunderbar gesungen. So nehmen X-Perience sich primär Popsongs von gestern an. „Smalltown Boy“, ursprünglich von Bronski Beat, kommt mit einer kleinen Variation der weltbekannten Synth-Melodie daher, klingt ansonsten relativ erwartbar, natürlich moderner produziert, etwas glatter als das Original – was jedoch nicht zwangsläufig „schlecht“ heißt. Ebenfalls erwähnenswert: die Version des Markita-Hits „Toy Soldiers“. Selbst Britney Spears trägt auf diesem Album schwarz, doch von der „Everytime“-Interpretation hätte ich mir hier etwas mehr Mut zur Abweichung gewünscht. Interessant ist das hier und da fast schon an AWOLNATION erinnernde Cover von Alison Moyets „Only You“, das hier mit einigen riesigen Synthwänden daherbrettert.

Ein weiteres Drittel besteht aus Neuaufnahmen von bereits bekannten Hits der Band. Von der letzten Single vor dem zeitweisen Ausstieg von Claudia „I Feel Like You“ bis zurück zur ersten Single und ihrem wohl größten Hit: „Circles Of Love“ aus dem Jahre 1995. Der Aufguss des Letzteren kommt mit einigem Bums daher, der fast schon ein wenig Chris-Pohl-Charme besitzt. Damit könnte sich der Song wohl noch einmal auf den Tanzflächen der Nation behaupten. Auch Songs wie „A Neverending Dream“ oder „Magic Fields“ bekommen respektive neue Gewänder verpasst. Einerseits freut sich natürlich der Fan immer über alte Hits, und auch für neue Hörer ist das ein Einblick in die Historie der Truppe aus heutiger Perspektive. Alle anderen finden es mal interessant, zu hören, wie diese Songs im Jahr 2020 klingen.

Bis hierhin sind es jedoch primär Fingerübungen, die wir zu hören bekommen. Zum eigenen fünfundzwanzigsten Geburtstag, vor allem aber zur Rückkehr möchten uns X-Perience noch einmal daran erinnern, wer sie sind. Spannend wird es bei den fünf neuen Songs, die ihren Weg auf diese Platte finden. „Don’t You Forget“ eröffnet diese Platte mit einigem Drive und der einen oder anderen 80er-Remineszenz. „Cruisin‘ Wild“ wurde bereits 2013 in einer Demoversion angeteast und erscheint auf „555“ endlich in einer finalen Version – midtempo, definitiv tanzbar, bewegt es sich jedoch keinen Millimeter außerhalb der Komfortzone von X-Perience. Die Single „Dream A Dream“ kommt etwas sphärischer und ruhiger daher, das Vocal-Layering erzeugt ein paar schöne Background-Chöre.

Auch „Never Look Back“, eine Nummer gespickt mit Durchhalteparolen, weiß zu über- zeugen und ist klassischstes X-Perience-Material. Musikalisch sehr cool, wenn es auch lyrisch hier nur so Phrasen hagelt, ist der Beat trotzdem schwer in Ordnung. „Here Comes The Sun“ klingt ein bisschen mehr vom Future-Pop beeinflusst und kommt mit lieblichen Klängen daher. Definitiv ein schönes Nümmerchen mit ein paar netten Spielereien, und Easy Listening der angenehmsten Sorte.

Fazit: „555“ – 5x neue Songs, 5x Cover, 5x alte Hits. Die Formel für das neue X-Perience-Album zeigt, dass dieses Album zumindest teilweise eine Anwesenheitsbekundung ist. Hier wird festgesteckt, wie diese Gruppe im Jahr 2020 klingt, anhand von Neuaufnahmen alter Hits und Coverversionen, die den Originalen mal mehr, mal weniger einen eigenen Stempel aufdrücken. Die Neukompositionen sind allesamt überzeugend, wenn auch wenig spektakulär. Doch das ist gar nicht das Ziel des Albums. „555“ ist ein Best-Of, das sich mehr Mühe gibt, eine Profildefinition. Da ist es auch nicht schlimm, wenn die Nummern etwas typisch klingen. X-Perience sagen: „Wir können es noch!“ Und das stimmt: Sie können es noch. So entsteht eine Platte, die vielleicht nach der Wartezeit nicht den Wow-Effekt hat, den Beborn Beton seinerzeit mit ihrem Comeback-Album „A Worthy Compensation“ erzielten. Dennoch ist dieses Album ein unterhaltsamer, gelungener Appetithappen, der vor allem Hoffnung auf die nächsten Schritte macht, die diese Band musikalisch zu gehen gedenkt.

Tracklist:

01 Don’t You Forget
02 I Feel Like You 555
03 Everytime
04 Dream A Dream
05 Magic Fields (555 Version)
06 Toy Soldiers
07 Never Look Back
08 A Neverending Dream (555 Version)
09 When Do I Get To Sing ‘My Way‘
10 Here Comes The Sun
11 Island Of Dreams (555 Version)
12 Smalltown Boy
13 Cruisin Wild
14 Circles Of Love
15 Only You (2020 xp Radio Edit)

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VÖ: 21. August 2020
Genre: Synthpop
Label: Valicon Records

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