Tearful Moon – Evocation (CD-Review)

Tearful Moon

Heute geht es um das Dark Synthwave Duo Tearful Moon, die ursprünglich 2015 in Zusammenarbeit von Sky Lesco (Vocals) und der Dark Ambientmusik von Manuel Lozano (Vocals, Keyboard, Programming) als „Spoken Word Project“ ins Leben gerufen wurde. War der Sound der ersten Tracks noch in eindringlicher Ambientmusik, begleitet von dunkler und sinnlicher Poesie, entwickelte sich das Projekt nach dem Vor- schlag von Manuel, das Sky die Worte auch singen könne allmählich zu einer Band. Und so dauerte es nicht lange, bis auch Synthesizer hinzukamen. Nach der ersten Singleauskopplung „Lust Spell“ (Jan 2016) folgte im September letzen Jahres ihr Debüt-Album „In The Dark Morning“. Nur zwölf Monate später veröffentlichte nun das aus Houston/Texas stammende Duo ihren neuen Longplayer, der ab 30.12.2017 erstmals auch auf Vinyl über InClub Records erhältlich sein wird.

Jetzt liegt uns also Album Nummero 2 namens „Evocation“ vor. Wie die 12 enthaltenen Songs klingen, erfahrt Ihr jetzt: „The Prayer“ fängt schon mal sehr gut an. Sehr düster-epische Sounds quillen da aus den Boxen und schleichen mystisch in die Gehörgange. Betörender Gesang kommt dazu. Man fühlt sich direkt in die blühende Anfangszeit der Szene zurück versetzt. Wenn das nicht ein toller Auftakt ist! Direkt danach zieht es uns auf die Tanzfläche. Passt ja sehr gut, treffenderweise nennt sich der Track „House Of Joy“. Zu der Zeit waren es unsere Clubs auf jeden Fall noch. Hier geht es aber natürlich nicht um Clubs. Welches Euer House of joy ist, müsst Ihr rausfinden. Auf jeden Fall wird Euch spätestens diese Perle in pures Vergnügen leiten! Und bei solch interessanter Frauenstimme gleich noch mal so gut! „Impatient Patient“ singen Beide (so klingt es für mich zumindest) und feinste Wave Sounds, etwas auf Modern poliert, lassen uns hier glücklich zuhören. Das Thema ist weniger be- glückend. Aber hört selbst. Etwas düsterer, mystischer, berauschender ist da doch „Ecstasy In Black“. In black trifft es hier ganz besonders gut und in Extase fällt man durch die betörenden Klänge sowie Skys Gesang sowieso. Einfach nur fallen lassen, genießen, rhyth- misch bewegen und den old school Goth-Schritt rauskramen! Die „Cold And Burning Truth“ hingegen macht ihrem Ärger Luft. Düstere Stampfer, anklagender Gesang, anklagende Sounds. Genauso unangenehm wie die Wahrheit wird es hier für die, die sie nicht vertreten und / oder vertragen. Ganz starker Track! Leicht im old school Goth-Wave-Rock angesiedelt ist „Run Away, Simon“. Zum Wegrennen ist das Lied glücklicherweise nicht, eher zwingt es zum Bleiben und Genießen. Warum Simon weg rennen soll, findet Ihr durch Anhören raus. „The Confusion“ ist ein sehr passender Name, da cold wave und gewisse elektronische Elemente hier verworren werden. Einfach nur herrlich und sauber vorgetragen. Das „House Of Murder“ habe ich mir zwar anders vorgestellt, aber gefallen tut es dennoch. Vielleicht ist es einfach mal eine andere Sicht. Es muss ja nicht immer brutal zugehen. Findet doch mal selber heraus, welche Art Mörder da wohnt. Mord geschieht ja auf vielen Ebenen und kann vielseitig begangen werden. Ihr müsst es Euch musikalisch auf jeden Fall zu Gemüte ziehen! Ganz besonders auffällig finde ich „Parasite“. Die Sounds, der Gesang, die Atmosphäre, die Emotionen – alles sehr eigenständig und pure Eigenmarke! Das nenne ich Alleinstellungs- merkmal! Einfach nur großartig und die Thematik wurde wunderbar wiedergegeben! Auch „Animal Inside“ passt gut in diese Kategorie. Es geht tief zu den Wurzeln des Gothic. Creepy, tief düster, betörend, berauschend. Man spürt richtig, wie sich das innere Tier rührt und ausbrechen will. Lassen wir es doch einfach mal von der Kette! „The Perfect Devil“ erwartet Euch auch schon sehnsüchtig und zieht Euch langsam, aber sicher in die betörende Hitze der eigenen Hölle. Es gibt zwar eine grobe Vorstellung des Teufels, der Hölle und eine grobe Geschichte. Aber definieren und kreieren tut das jeder einzelne selbst. Denkt mal drüber nach. Tearful Moon haben es getan und präsentieren ihre wunderschöne Version davon! Da sind wir auch leider mit „Conviction“ am viel zu frühen Ende angelangt. Bei solchen Werken bedaure ich das immer zutiefst. Aber wie es sich für eben jene Werke gehört, mündet es in einem wunderschönen Finale! Hier kann noch mal gelebt, getanzt, genossen, hingegeben werden! Auf dass es nachhaltig wird!

Fazit: Fakt ist, dass es hier eine Band gibt, die den Goth-Stempel wirklich noch verdient! Klar, nicht alle mögen jede Goth-Musikrichtung. Aber hier lebt die Wurzel unserer Farbe! Hier fing alles an! Nicht mit Tearful Moon, bitte nicht falsch verstehen. Aber Tearful Moon kehren zurück zum Ursprung, zur Quelle. Gerade deswegen und weil alles passt – Gesang, Thematik, Umsetzung, Glaubwürdigkeit, musikalische Untermalung – ist dies eines meiner Favoriten dieses Jahr! Viele der Bands, die jetzt aus dem Boden sprießen und sich selbst diesen Stempel aufdrücken, sollten sich definitiv hier ein Beispiel nehmen! Das ist meine Meinung! Deshalb geht meine Empfehlung heute an die, die wirklich noch die Kleidung machen. Denn bei den wirklich schwarz Angehauchten gilt und galt: Wir machen die Kleider, nicht andersrum. Bei uns machen die Menschen die Kleider. In diesem Sinne, schwelgt mit mir und der Band im düsteren Glanz längst vergessener Tage!

Tracklist:

01. The Prayer
02. House of Joy
03. Impatient Patient
04. Ecstasy in Black
05. Cold and Burning Truth
06. Run Away, Simon
07. The Confusion
08. House of Murder
09. Parasite
10. Animal Inside
11. The Perfect Devil
12. Conviction

Bestellen: Bandcamp

VÖ: September 2017
Genre: Dark Wave, Synth Wave, Electronic
Label: InClub Records

Tearful Moon im Web:

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