Seelennacht – Gedankenrelikt (CD-Kritik)

SEELENNACHT

Seit 2008 ist Marc Ziegler, der Kopf von SEELENNACHT, mit seiner Version von dunkel-romantischer Musik schon unterwegs, einige Hits sind nicht nur bei den Fans, sondern auch in einigen Clubs zu Dauerbrennern geworden. Marc ist aber nicht nur Sänger und Songtexter, sondern er komponiert, produziert und mischt jeden Seelennacht-Song selbst. Zwei Jahre nach dem letzten Album „Lebenslinien“ (2016) meldet sich der Musiker mit der außergewöhnlich tiefen und markanten Stimme mit einem neuen Studio- album zurück! „Gedankenrelikt“ – so lautet das neue Werk, das am 07. Dezember via Future Fame das Licht der Welt erblickte. Abermals ist der Silberling mit 15 abwechslungsreichen Tracks prall gefüllt und wartet mit einer gut abgestimmten Mischung von teils melancholischem sowie teils impulsivem Electropop, über härtere Nummern bis hin zu den mitfühlenden, gefühlvollen Tönen auf.

Das instrumentelle „Relikt“ (Prolog) als Opener des Albums startet ganz zart und wird zum Ende weich sinfonisch. „Vorwärts“ geht mit rockig verzerrten Gitarren und treibende Beats los. Damit legt „Seelennacht“ gleich ein gutes Tempo vor. Der nächste Track ist die Single „The Pages In Between“, die im Oktober veröffentlicht wurde. Ein absoluter Ohrwurm-Kandidat und Dancefloor Kracher, der durch eine dunkle Note und mit einer hervorragenden Dynamik besticht. Hier beweist „Marc Ziegler“ wieder ein treffsicheres Gespür für tolle Harmonien. Der „Schorn- steinfeger“ ist ein ungewöhnlicher Songtitel bzw. Metapher für diejenigen, die helfen, den schwarzen Staub als Synonym für Leid zu beseitigen. „Schall und Rauch“ — kürzlich im Dezember als Single veröffentlicht — packt einen von der ersten Note und schließt sich schön an die Atmosphäre des Vorgängertitels „Schornsteinfeger“ an und verfügt über herausragende Ohrwurmqualitäten. „Aftermath“ serviert wavigen Synthiepop. Die Textzeilen „… starting for something new … the times are ready for changing …“ könnten programmatisch für das fünfte Album von „Seelennacht“ stehen, wobei vorab gesagt, kein Stilwechsel vollzogen wurde. Eine freundliche Melodie im Futurepop-Ambiente darf mit „Mann im Mond“ eine positive Stimmung verbreiten trotz der typischen melancholischen Poesie des Textes. Inhaltlich könnte das Thema eine Selbstbeschreibung von Marc Ziegler sein „… ich bin ein vergessener Poet, der hier im Schummerlicht alleine steht, der sich gemeinsam mit Dir sehnt.“. Für mich der perfekte Dark Romantic-Titel! Weiter geht es mit dem knackigen Synthiepop Track „Pathfinder“, der ordentlich Druck macht und sich zum Ende noch steigert. Der Gesangsstil passt sich in „A New Century“ dem lasziven Rhythmus an und geht sogleich unter die Haut. Der leichte Effekt auf der Stimme im Refrain klingt rockig über den sanften, sphärischen Synthieklängen. Der flotte Titel „Frühjahr“ fließt locker leicht wie besungene Jahreszeit dahin voller Romantik und Sehnsucht — ein Liebeslied für zarte Seelen. „Mental Run“ klingt richtig böse. Die Stimme ist bedrohlich tiefer als sonst. Der Song verliert aber im Refrain ein wenig an Biss, dafür sind die Strophen um so knurriger. „Just Don´t Know“ verströmt eine verträumte Atmosphäre über einen gut tanzbaren Beat und warmen, organischen Synthklängen. Die verspielte, innigliche Melodie von „Ozean“ versprüht verklärte Seefahrer-Romantik und passt musikalisch zum Element Wasser. Ein richtiger Klopfer ist „Lost“ — hart und schnell im Beat und auch in der Melodie. Die Synthklänge sind dagegen recht weich gehalten. „Lost“ ist in seiner Dynamik dem zweiten Titel „Vorwärts“ ähnlich. „Remain In My Heart“ als nachdenklicher Abschluss des Albums dürfen die Streicher nochmals breit ihren weichen Teppich ausbreiten.

Fazit: Dunkle Poesie trifft auf elegante Melancholie des Dark Electropop. Allein entsprungen aus der Hand von „Marc Ziegler“, dessen tiefe Bassstimme nur von wenigen in dieser Stimmlage Konkurrenz bekommt. Das Album „Gedankenrelikt“ mag wegen seines Titels andeuten, dass es nachdenklicher und ruhiger sein könnte — ist es nicht. Im Gegenteil wirkt es härter, kompro- missloser und teils sogar (Goth-)rockiger als die Vorgängeralben, ohne allzu weit vom Konzept abzuweichen. Es sind etliche wunderschön zu hörende Titel dabei, die genau ins Herz eines von Dark Romantic geprägten Stils treffen.

Tracklist:

01. Relikt (Prolog)
02. Vorwärts
03. The Pages In Between
04. Schornsteinfeger
05. Schall und Rauch
06. Aftermath
07. Mann im Mond
08. Pathfinder
09. A New Century
10. Frühjahr
11. Mental Run
12. Just Don’t Know
13. Ozean
14. Lost
15. Remain In My Heart

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VÖ: 07.12.2018
Genre: Dark Romantic Electropop, Gothic, Alternative Pop
Label: Future Fame

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