EISREGEN – Fleischfilm (CD-Review)

EISREGEN

Es gibt Neuigkeiten von der thüring´schen Todesfront: Eisregen sind wieder da! Vor gar nicht all zu langer Zeit hörte man schon von ihnen. Die EP „Brummbär“ und das Folgealbum „Marschmusik“ machten 2015 lautstark auf sich aufmerksam. Erwähnenswert ist auch, dass wir uns im 22. Eisregen-Jahr bewegen. Seit 1995 lärmen sich Michael „Blutkehle“ Roth und seine Mannen durch die Lande und wälzen alles nieder, was da kreucht und fleucht. Wer die Thüringer kennt, der weiß auch, wie sehr sie auffallen. Ihre Texte sprechen für sich und werden immer wieder ange- feindet. Geschadet hat es nicht, im Dark Metal sind sie die absolute deutsche Speerspitze!

Nur 2 Jahre später erscheint jetzt das brandneue 12. Meisterwerk „Fleischfilm“ am 05.05.2017. 11 brandneue Stücke haben es auf die Platte geschafft. Laut Band ist es das erste Konzeptalbum der Bandgeschichte und behandelt italienische Filmgeschichte. Eine Verbeugung vor dem wilden italienischen Kino der 70er und 80er. Laut Meister Roth wäre Eisregen ohne diese Filme wohl undenkbar. Wenn das mal nicht vielversprechend und verführerisch ist! Wie alles klingt, erfahrt Ihr jetzt. Zuallererst erklingt ein gewaltiger Synthie-Teppich, dem schnell das typische Eisregen-Gedröhn folgt. Roth giftet wie gewohnt seine morbide Lyrik in die Menge und berichtet über die „Drei Mütter“. Suspiria ist ein italienischer Horrorfilm von Dario Argento aus dem Jahre 1977. Er ist der erste Teil von Argentos „Muttertrilogie“ (Teil zwei ist Horror Infernal, Teil drei The Mother of Tears). Die Trilogie handelt von drei mächtigen Hexen, deren langfristiges Ziel es ist, die Herrschaft über die Erde zu übernehmen. Auf diesem Film basiert der Text. Ein düsterer Sakral-Chor unterstützt im Refrain. Starker Anfang für Eisregen 2017! „Hauch des Todes“ hingegen wirkt sehr großspurig, gewaltig und laut. Im Grunde also Eisregen wie man sie kennt und liebt. Vom Film-Genre her und musikalisch definitiv nix für schwache Gemüter! Erinnert Ihr euch an Anna? Die Frau, die in „Hinein in´s Tränenmeer“ auf dem „Wundwasser“ 2004 besungen wurde? 2017 wird sie in „Jenseits der Dunkelheit“ erneut erwähnt. Ob es eine Fortsetzung ist? Wer weiß das schon außer Eisregen selbst. Theatralisch, verdammt creepy und extrem düster geht es hier zu. Das zumindest ist gewiss. Für mich eines der düstersten Werke der Band. Musikalisch intonierter Wahnsinn, der fast schon eine Oper-Aufführung verdient. Eine höchst morbide versteht sich. „Die letzte Reise des Alan Yates (Metamorphose 2)“ baut auf „Luftschlag (Metamorphose 1)“ auf der „Brummbär“ EP auf. Düster, theatralisch, wunderschöne Klavier-Sounds, zuhöchst morbide, direkt unter die Haut, in´s Gehirn fräsend. Durchaus eine klasse Fortsetzung. Das Lied hätte natürlich auch klasse auf die EP und / oder „Marschmusik“ gepasst. „Auf den Spuren der Särge“ führt ein wenig durch die Geschichte der Band. Was hier besungen wird, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Alben. Die Hintergründe der vielen besungenen Morde. Hier sprudelt deren Quelle. Hier wird alles aufgeklärt. „Tiefrot“ erklärt sich ja schon von alleine. Fast schon eine „Ballade“. Natürlich ganz nach Eisregen. Irgendwer stirbt immer. Neben dem vielen Blut fließt hier auch genug Herzblut und ich bin wirklich verliebt in diese Inszenierung! Richtig geil gemacht! „Nahe der Friedhofsmauer“. Es gibt ja durchaus Friedhöfe, die direkt in der Nähe von Häusern sind. Muss sehr interessant sein, was man da alles sieht. Friedhöfe haben etwas sehr magisches. Wenn man wie hier erzählt wird auch noch genau dort stirbt ist das sehr irgendwie sehr bitter. Welch Ironie. Beziehungsweise gegenüber. Wie im Falle des Textes. Die musikalische Umsetzung ist genial. Fast schon zirkusmäßig, theatralisch, klassisch, opernhaft, abwechslungsreich. „Menschenfresser“ ist musikalisch gesehen mit das spannendste Lied der CD. Da es um die hohe See geht, orientiert sich die Musik auch daran. Schifferklavier, Piraten Metal, kehliges Gekeife, hymnische Gesänge. Richtig genial einfach! Das „Syndikat des Schreckens“ ist ein perfekter Name für diesen Track. Cool gemacht, neue Seiten bei Eisregen, prima umgesetzt. Müsst Ihr Euch anhören! „Im Blutrausch“. Das ist nix Neues im Eisregen-Universum. Aber man hört es immer gerne, besonders wenn es so spannend gemacht ist wie hier. Und es wird ja nicht langweilig. Man hört das Italienische durchaus raus. Wir kommen zum Finale: „Satan der Rache“. Der Name alleine ist Gold wert. Die Inszenierung dazu setzt dem Ganzen die Krone auf. Für dieses Album ist es der beste Abschluss. Abwechslungsreich. Schleichend. Kriechend. Italienisch. Gangstermäßig. Ganover der 70er und 80er. All das fließt hier zusammen. „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf 2017 getrimmt von Eisregen. Wahnsinn! Da mir das Digipak vorliegt, erzähle ich euch noch was über den Bonus „Nachts kommt das Delirium“. Ich finde das sau witzig! Ich sage Euch: kauft Euch das Digipak, Ihr dürft den Bonus nicht verpassen! Das ist echt so witzig! Ich liebe Gegensätze und gerade mit diesem Bonus bekommt man eine Vorstellung davon, was Gegensätze ausmacht. Auf´s Album passt es einwandfrei.

Fazit: Was soll man noch sagen. Es ist einfach ein geiles Album! „Brummbär“ und „Marsch- musik“ waren nicht bei jedem Fan beliebt. „Fleischfilm“ werden die Fans feiern. Das ist Eisregen wie Ihr sie liebt. Dennoch scheuen sie sich nicht vor neuen Elementen. Fantastische Inszenierungen, kleine Theaterstücke, eine wahre Verbeugung vor den Filmen. Gleichzeitig ist es vermutlich mit das wichtigste Album der Bandgeschichte, da Meister Roth ja berichtet, dass es die Band ohne die Filme nicht gäbe. Dann sind wir doch sehr dankbar dafür! Ich muss da noch was los werden. Natürlich sind Eisregen-Texte eine Nummer für sich. Aber überlegt doch mal so: Wo kommen die her? Worauf basieren die? Auf alltäglichen Sachen. Auf menschlichen Bestien. Auf widerlichen Fantasien. Auf Epidemien. Auf Krieg. Sämtliche Gräueltaten von Bestie Mensch werden hier verarbeitet. Natürlich, Herr Roth weiß das super umzusetzen. Aber es muss doch authentisch sein. Das bedeutet nicht, dass die Bandmit- glieder schlachten gehen. Will man solche Texte nicht, so schafft diese Gräueltaten ab. Da diese wohl nicht abreißen werden, haben wir noch lange genug etwas von Eisregen. Ich bewundere gerade an ihrer Musik, wie beeindruckend sie intoniert wird. Ein musikalischer Horror Film quasi. Hut ab vor solchem Talent! Damit ende ich, bedanke mich herzlichst bei Eisregen und Euch, sage bis bald und stay tuned! Euer Krähenkönig

Tracklist:

01 Drei Mütter
02 Hauch des Todes
03 Jenseits der Dunkelheit
04 Die letzte Reise des Alan Yates (Metamorphose 2)
05 Auf den Spuren der Säge
06 Tiefrot
07 Nahe der Friedhofsmauer
08 Menschenfresser
09 Syndikat des Schreckens
10 Im Blutrausch
11 Satan der Rache
12 Nachts kommt das Delirium (Bonus Track)

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VÖ: 05.05.2017
Genre: Metal
Label: Massacre (Soulfood)

Eisregen im Web:

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