Darkher – Realms (CD-Review)

darkherrealmsHeute geht es um eine ganz besondere Band: Darkher! Dies ist ein Projekt, welches eine faszinierende, eindringliche Reise durch die Gedanken und den künstlerischen Geist von Jayn H. Wissenberg (Vocals, Guitars, Production, Sorcery) darstellt. Die in West Yorkshire lebende Künstlerin bot ihre Debüt-EP „The Kingdom Field“ gegen Ende 2014 dem Label Prophecy Productions an und es war eine große Leistung, gerade die- jenigen zu begeistern, die sich auf ihr gutes Ohr für Talente verlassen. Von sämtlichen Metal- und Gothic-Magazinen wurde sie in den höchsten Tönen gelobt. Die düstere, sehr spirituell und mystisch wirkende Musik pendelt stilistisch zwischen Folk, Doom, Gothic, Post Rock und Singer/Songwriter und hat einen ruhigen, verträumten Charakter. So bezeichneten es zum Beispiel die Kollegen von „metal.de“. Vor der erfolgreichen EP veröffentlichte die Formation 2013 über Faun Records noch die 3 Track EP „Darkher“, jedoch waren alle Tracks darauf dann auch auf der eigentlichen Debüt-EP. Begleitet wird Jayn übrigens von Martin T. Wissenberg (atmospheric and lead guitars, Bass) und Shaun „Winter“ Taylor-Steels (Drums).

Jetzt erschien am 19.08.2016 endlich das Debüt-Album Realms, natürlich auch über Prophecy Productions. 9 brandneue Tracks sind drauf. Düster, verworren, mystisch, kaum greifbar eröffnet das atmosphärische „Spirit Waker“, das einen sofort gefangen nimmt. So richtig los geht es dann mit „Hollow Veil“, das über atmosphärische Gitarren und sehr düstere Klänge eingeleitet wird. Darüber wabert geisterhaft und elfengleich Jayns betörende Stimme. Das ganze steigert sich zu tonnenschwerem, schepperndem Doom Metal. Bedrohlich, ergreifend, entführend, schleppend, depressiv. So könnte man beschreiben, was hier passiert. Faszinierend! Findet sich übrigens auch mit Video auf Youtube. Etwas balladesker und tieftraurig fängt „Moths“ an. Eine trauerschwangere Gitarre schwebt da durch den Raum und Jayns Stimme entfaltet ihre ganze Schönheit. Eine traumhaft schöne, getragene, unter die Haut gehende, dennoch sehr gewaltige, tonnenschwere Ballade und während des Hörens kriechen alptraumhaft schwarz-weiße Motten durch den Kopf. Einfach krass, was das Trio erreicht! Ab der Mitte kommt starker Gothic Doom Metal Rock dazu, was dem ganzen einen sehr dramatischen Anstrich verpasst. Das drittlängste Lied mit einer Laufzeit von 6:23 genannt „Wars“ kündigt sich an. Genau so heroisch klingt es auch. Schwere Klänge, dumpfe Hörner, Kriegsgetrommel, scheppernde Gitarren, elfengleicher dramatischer Gesang. Faszinierend, wie Darkher die Thematiken verpacken können! Davor ziehe ich meinen Hut! Das ganze Kriegsdrama wird hier musikalisch verarbeitet und es gelingt meisterhaft! „The Dawn brings a Saviour“ ist die himmlische Folk Gothic Post Rock Antwort auf das Drama vorher. Der strahlende Ritter, der die Dunkelheit zurück schlägt. Orchestral, theatralisch, tief treffend, mystisch, naturell. Sehr leise schleicht sich „Buried Pt. 1“ in unsere Ohren. Bedächtig, leise, flüsternd, vorsichtiger zebrechlicher Gesang, Folk. Wie auf einer Beerdigung. Gespenstisch und wunderschön zugleich! Nahtlos über geht es in „Buried Pt. 2“. Hier wird das ganze noch düsterer und schwerer, es drückt direkt auf Stimmung und Herz. Das ist Gothic Doom Metal at its best und die absolute Todeshymne. Besser beschreiben kann man das nicht. Ein bedrückendes Klavier ist auch dabei, was alles noch bitterer macht. Perfekt! Richtig fette Gänsehaut dabei aus Ehrfurcht und Horror! Zu einem richtig deftigen Splatter wäre das der ultimative Soundtrack! „Foregone“ ist ein Liedlein, das man bereits durch die beiden EP´s kennen dürfte. Post-apokalypischer Folk-Gothic-Rock ließe sich das nennen, was hier zelebriert wird. Ein richtig uralter Friedhof-Touch gibt dem ganzen den Rest. Mit 7:26 auch das längste Stück. Post-apokalyptisch ist in dem Fall übrigens ernst zu nehmen! „Lament“ hingegen ist getragen und traumhaft schön und entführt in feinste Traumwelten. Sanfter Gothic Folk lässt sich hier vernehmen mit netter Lagerfeuer-Atmosphäre in den Tiefen der nordischen Wälder, deren Natur am geistigen Auge vorbei zieht. Absoluter Favorit der Scheibe und der perfekte Ausklang!

Fazit: Was für ein Spektakel! Was für eine Gewalt! Welch faszinierende Klänge! Das hier ist nicht nur Musik – das ist Weltenklang, eine Doku, ein Film, etwas viel größeres und unbeschreibliches! Perfekt definieren kann man es auch nicht – Darkher muss man erleben und ich wäre absolut gespannt auf eine Live-Show! Das ist bestimmt wie ein düsteres Hippie-Treffen. Man wäre absolut berauscht nach so einem Konzert! Empfehlen kann ich das Album keiner direkten Gruppe – jeder sollte das mal gehört haben. Ob es gefällt, entscheidet dann jeder selbst. Mich hat es aus den Schuhen gehauen und ich bin gespannt, was da noch kommt. In der Zwischenzeit versuche ich, wieder in der Realität anzukommen. Gutes Schlusswort! Danke für die Aufmerkamkeit, riskiert mal ein Ohr, geht spazieren, bis bald und stay tuned!

Tracklist:

01. Spirit Waker
02. Hollow Veil
03. Moths
04. Wars
05. The Dawn Brings A Saviour
06. Buried [Part 1]
07. Buried [Part 2]
08. Foregone
09. Lament

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VÖ: 19.08.2016
Genre: Folk, Doom, Gothic Rock
Label: Prophecy Productions

Darkher im Web:

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