X-Vivo – Petrichor (CD-Review)

X-Vivo

‘What doesn’t kill us, makes us stronger’ könnte das Leitmotiv der Berliner Post Industrial / Alternative Metal Combo sein, wenn man sich näher mit der Bandgeschichte befasst. 2005 gegründet, hat sich die Band 2011 nach diversen Rückschlägen und Besetzungswechseln neu formiert und das Band- konzept gleichermaßen auf den Kopf gestellt. Seit 2014 nun zu viert, haben sich X-Vivo seitdem vollständig auf die Kreation ihres neuen Albums Petrichor konzentriert. Musikalisch greifen die Berliner verschiedene Stilelemente aus dem Metal, Industrial und Post Rock auf und erinnern stellenweise an eine Mischung aus Nine Inch Nails, Slipknot, Evanescence und Bring Me The Horizon. Dabei vereinen sich harte Riffs mit synthetischen Klängen, die den Kontrast zwischen dem organischen und industriellen Soundbild von X-Vivo prägen. So gehören tiefe Gitarren und finstere Synthesizer ebenso zum Repertoire der Band wie melancholische Klaviere und filmische Elemente. Auch die vier Gesangsstimmen, die von derben Shouts über Sprechparts bis hin zu cleanem Gesang reichen, sind Stilmittel der Band (Quelle: www.x-vivo.de/band/).

Seit dem 01.09.2017 liegt „Petrichor“ nun mit 12 brandneuen Stücken vor. Wie die klingen, erfahrt Ihr jetzt. „Echo of the Unseen“ beginnt noch recht ruhig und leitet gemächlich in die neue Platte ein. Alina lässt von sich hören und verzaubert sofort. Wunderschöner Opener, der mit beeindruckender Elektronik ausgestattet wurde. Mit einem Mal knallt es, Gitarre und Schlagzeug stoßen dazu und Fronter Kai wütet im Vordergrund. Richtig stark! Übrigens auch die erste Auskopplung, die mit einem tollen Video versehen wurde. „Hail the King“ hingegen ist ein tollwütiges Monster, das sich wie ein Berserker seinen Weg bahnt. Und der wird blutig! „Ruhigere“ Sequenzen treffen auf derbsten Metal, der seinesgleichen sucht. Was für ein Monster! „Legion“ punktet durch interessante Sequenzen und extrem schnellen Gesang, der schon fast rap-mäßig klingt. Die Hintergrundmusik erinnert im Aufbau sehr an die Anfangs- tage von Slipknot. Durchaus interessante Nummer. Auf einmal schlägt die Stimmung um, man fühlt sich in einen lichtgefluteten Wald versetzt, aus dessen Tiefen Alinas wunderschöne Stimme schwebt. Dann schlägt es wieder um und derbster Metal dröhnt los. Diese Wechsel sind richtig genial und perfekt aufeinander abgestimmt! Und schon sind wir bei „Aphelion“. Auch hier treffen recht verträumte Sequenzen auf derbsten rotzigen Metal. Durchaus sehr faszinierende Mischungen, die in der Form einmalig sind und X-Vivo so einzigartig machen. Auch Alina lässt sich hier stellenweise elfengleich im Hintergrund vernehmen. Eine sehr starke Perle, die fast schon galaktisch anmutet. „At the Guillotine Gate“ beginnt sehr ruhig, melan- cholisch, traurig, tief berührend durch ein wundervolles Klavierspiel mit düsteren Sequenzen im Hintergrund. Ein Schlagzeug kommt dazu. Definitiv ein Anhörtipp! Wunderschönes Instrumental! „I walk in the Flames“ deutet ja schon darauf hin, dass es derbe wird. Wird es auch. Post-apokalyptisch wüten sich X-Vivo hier durch eine zerstörte Welt und berichten von düsteren Zukunftsversionen. Oder sind sie schon aktuell? Findet es heraus. „Written in Stains“ mischt Marilyn Manson mit Slipknot, wenn man es so betiteln mag. Industrial Metal trifft auf derben Core. „The Waves of the Ocean“ hingegen ist wieder das komplette Ge- genteil. Melancholisch, traurig, nachdenklich stimmend, tief treffend, tief berührend, von Alina vorgetragen am Klavier. Auch hier kommt ein gutes Schlagwerk zum Einsatz. Das Meer, die Wellen – man fühlt sich sofort dorthin versetzt! Industrial, Industrial Metal, Core, Dark atmospheric Rock – was es auch immer alles zusammen ist, es ist eigenständig und „The Eyes of the Wolves awake“ wird thematisch sowie musikalisch perfekt umgesetzt. „The Dust I breathe“ fällt auch in die Kategorie schwer einordnungsbar. Es ist einfach eigenständig, freaky, punkig rotzig, derbe und atmosphärisch. Einfach X-Vivo! Selbiges auch bei „Reviving the Ground“. Das Wechselspiel zwischen Alina und Kai ist ziemlich genial und wie sich die Musik dementsprechend mit wandelt. „Perihelion“ scheint so was wie die sanfte Seite von „Aphelion“ zu sein. Atmosphärisch, tiefgründig, interessanter Flüster-Sprech-Gesang, berau- schende Hintergrundmusik, Alina, weltraumartig. Und auch hier kommt gegen Ende zum grande de final noch fetter Metal und Kais Gekeife dazu. Einfach nur schwerelos, interga- laktisch, überirdisch und traumhaft schön! Sehr feines, getragenes Finale!

Fazit: X-Vivo sind schon etwas ganz besonderes. Man kann gar nicht genau sagen, was sie machen. Industrial Metal, Core, Triphop, egal was es ist. Alles, was ihnen in die Hände fällt, wird in die Musik eingewoben. Man KÖNNTE es grob mit anderen Bands vergleichen. Aber das würde ihnen erstens null gerecht werden und zweitens mischen die Jungs und ihr Mädel so gekonnt in allen Songs so viele Stile und schaffen so geniale Übergänge, dass hier einfach nur etwas Eigenständiges, Einzigartiges, Neues entsteht. Wer es abwechslungsreich mag, ist hier genau richtig!

Tracklist:

01 Echo of the Unseen
02 Hail the King [Explicit]
03 Legion
04 Aphelion
05 At the Guillotine Gate
06 I Walk in the Flames
07 Written in Stains [Explicit]
08 The Waves of the Ocean Are Gone
09 The Eyes of the Wolves Awake [Explicit]
10 The Dust I Breathe
11 Reviving the Ground
12 Perihelion

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VÖ: 01.09.2017
Genre: Industrial, Alternative Metal , Post Rock
Label: Recordjet (Soulfood)

X-Vivo im Web:

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