Welle: Erdball – Gaudeamus Igitur (CD-Review)

Welle: Erdball

„Hallo, hier spricht Welle: Erdball“ – Mit diesem Zitat beginnt seit 1993 jede Sendung des imaginären Radiosenders um Sänger Hannes Malecki („Honey“) und Synthesizer Alf Behnsen („A.L.F.“), die die beiden Elektronik-Musiker in den Äther strahlen. Anfänglich noch unter den Namen Honigmond (1990) gegründet, folgte jedoch später der Name Feindsender 64.3, bis schließlich 1993 der Name Welle: Erdball gefunden wurde. Die Hannoveraner Minimal-Elektro-Formation beweist nicht nur seit fast 25 Jahren, dass Retroschick optisch manches zu bieten hat, sondern auch nostal- gische Gegenstände wie zum Beispiel der Commodore 64 akustisch wahre Wunder erzeugen können. Nach der letzten Veröffentlichung ihrer EP „1000 Engel“ (Limited Box inkl. rotem 7″ Vinyl) im November 2015, welche durchaus als ein vollwertiges Album anzusehen und die unerwartet schnell ausverkauft war, legen Welle: Erdball auf Wunsch ihrer treuen Hörerschaft im März 2016 mit dem der EP „1000 Engel“ als CD-Release nach.

Jetzt ist es endlich wieder soweit: Unter dem Motto „Der Sommer kommt und Welle: Erdball schrieb den Soundtrack dazu“ kündigte der imaginäre Radiosender nun eine brandneue Sendung, die den Titel „Gaudeamus Igitur“ trägt und pünklich zum Vespa 50n Special Tourstart am 28. April 2017 erscheint, an. Mit „Gaudeamus Igitur“ sendet Welle: Erdball neben dem Sommer-Hit von 1965 „Die letzte Chance zu leben“ noch weitere 10 neue Lieder, alles auf einem Tonträger, in den Äther! Wie die neue Platte klingt, erfahrt Ihr jetzt. Eröffnet wird durch den Titel, der auch Namensgeber für die neue Tour ist: „Vespa 50N Special“. Sau coole Melodien, attackiert sofort das Tanzbein, geht direkt in´s Herz, bringt allerfeinste Lyrik mit. Einfach mal allem Unfug entfliehen. Genau das kann man mit W:E hier super machen. Auch ein super Lied für feine Sommerabende. Dann erklingt das Herz- und Titelstück „Gaudeamus Igitur“. Hymnisch, klassisch, Chorgesänge, Marschmusik. Ungewohnte neue Klänge beim Radiosender, die durchaus zu verzücken wissen. Sehr spannender Track. „20.000 Meilen unter dem Meer“ hingegen ist richtig typisch Welle: Erdball. Das wird definitiv ein neuer Hit in ihrem eh schon riesigen Repertoire. Im Refrain lassen die Mädels sich auch mal hören. Perfekt erzählt, musikalisch prima Welle: Erdballumgesetzt, tanzbar sowieso. Als nächstes folgt ihre Version des 1965er Sommer-Hits „Die letzte Chance zu leben“. Alles, was in die Richtung geht, haben die Damen und Herren ja sowieso drauf. Mitreißend, zuckersüß, altmodisch, tolle Melodien. So klingt die Welle: Erdball. „L’inconnue de la Seine“ ist eine kleine feine Ballade vorgetragen von Fräulein Venus. Ich meine der Roger von Rummelsnuff ist da kurz zu hören. Ebenso zuckersüß und bezaubernd ist auch „Nur mit mir allein“, welches von den Damen vorgetragen wird. Altbekanntes Thema bei W:E. Mit sich alleine, der Computer kommt in´s Spiel. Ich finde das ja auch sehr sozialkritisch. Gut, dass es so Texte gibt! „Polyamorie“ ist noch ein Lied von den Damen. Musikalisch ist es das dunkelste der CD. Polyamorie (Kunst- wort aus griechisch πολύς polýs „viel, mehrere“ und lateinisch amor „Liebe“, englisch auch: Polyamory) ist ein Oberbegriff für eine, gegenüber anderen offenen Beziehungsformen, klar definierte Praxis, mehr als einen Menschen zur selben Zeit zu lieben. Das Wertegerüst der Polyamorie setzt hierbei das volle Wissen und das Einverständnis aller beteiligten Partner voraus und legt das angenommene Bestreben zugrunde, dass die ge- wünschten Beziehungen langfristig und vertrauensvoll angelegt sind. Dies schließt normalerweise (aber nicht notwendigerweise) Verliebtheit, Zärtlichkeit und Sexualität mit ein. Somit grenzt sich die Polyamorie zum Teil deutlich von der Freien Liebe und der Beziehungsanarchie ab, die sich weit- aus offener für rein körperliche oder nicht näher definierte Beziehungen verstehen. In diesem Zusammenhang will die Polyamorie folglich auch nicht als „Oberbegriff“ für beliebige offene Beziehungsformen gelten. Dies liegt zum Teil begründet in der historischen Abgrenzung der Polyamorie von den eher bindungskritischen Beziehungsvorstellungen der frühen „Freien-Liebe-Bewegung“. (Quelle der Erklärung: Wikipedia) Jetzt wisst Ihr Bescheid. Erklärt auch den Stil des Liedes. „Stirb mir nicht weg“ C-64 ist eine Hymne auf die vielen großen Idole, die in letzter Zeit gestorben sind. Lasst uns ihrer hierbei noch einmal gedenken. Honey und die Mädels machen das klasse, Alf liefert die perfekte Musik dazu. Es folgt ein TAX5 Remix zu „1000 Engel“. Wunderbar, verzaubernd, tief treffend, toll gemacht. Guter Remix, etwas anders als das Original, aber nahe dran. Einen weiteren TAX5 Remix gibt es für „20.000 Meilen unter dem Meer“. Durch den Remix wird es noch tanzbarer und clubtauglicher. Sehr cool gemacht! Nach dieser Perle gibt es eine ellenlange Pause, die locker 23 Minuten lang geht. Eigentlich könnte es ja auch hier zu Ende sein. Blöd geregelt ist es so schon. Aber es gibt noch einen kleinen niedlichen Bonus: einen 30 Sekunden „langen“ Auszug aus „Die letzte Chance zu leben“, genannt „Die allerletzte Chance“. Wenn das mal nicht Sinn, Verstand und Hintergrund hat lieber Zuhörer / Leser!

Fazit: Jede neue Veröffentlichung vom Radiosender ist eine Wucht. So auch die neue Platte. Sommer, Sonne, Laune, laue Abende – und dennoch auch andere große Themen wie Polyamorie und Abschied. All das wird hier vereint. Natürlich mit gewohnt herrlichen Melodien, sehr tanzbaren Beats, mit allen drei Stimmen und gewohnt genialer Lyrik. Einziger Minuspunkt: mir fehlt „Hallo, hier spricht Welle: Erdball“. Das darf nicht fehlen! Das ist Kult und muss mit! Ansonsten nur zu empfehlen. Weiteres Top-Album des Jahres 2017! Damit ende ich, bedanke mich allerherzlichst bei Welle: Erdball und Euch, sage bis bald und stay tuned! Euer Krähenkönig

Tracklist:

01 Vespa 50N Special
02 Gaudeamus Igitur
03 20.000 Meilen unter dem Meer
04 Die letzte Chance zu leben
05 L’inconnue de la Seine
06 Nur mit mir allein
07 Polyarmorie
08 Stirb mir nicht weg (C=64)
09 1000 Engel (Tax-5 Remix)
10 20.000 Meilen unter dem Meer (Tax-5 Remix)
11 Die allerletzte Chance

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VÖ: 28.04.2017
Genre: Minimal Electro
Label: Oblivion (SPV)

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