MOONSPELL – 1755 (CD-Review)

MOONSPELL

Moonspell haben neues Material am Start! Seit 1989 lärmen die Portugiesen um Fernando Ribeiro mit einer Mixtur aus Black Metal (früher noch zu ihren Anfängen), Goth Metal und Dark Metal nun schon rund um den Weltball. 12 Alben, ein Demo, eine EP und eine Best of haben sie bisher veröffentlicht und es dürfte nur Wenige in der Goth- und Metal Szene geben, die Moonspell nicht kennen. Zuletzt erschien 2015 das letzte Werk „Extinct“, seit- dem war es ruhig. Jetzt bricht am 03.11.2017 mit „1755“ endlich wieder die Hölle auf Erden aus. Diesmal gibt es ein Konzeptalbum und der Name ist schnell erklärt. Das große Erdbeben in Lissabon im Jahre 1755 wird hier in rein portugiesischen Texten thematisiert. “1755 ist eine poetische, musikalische und philoso- phische Reflektion der tragischen Geschehnisse vom 01. November 1755 in Lissabon, welche die komplette Stadt in Schutt und Asche legten”, so die Band. Das verrät natürlich schon viel und verheißt viel Dunkelheit und derben Metal. Und das verteilt über 10 brandneue Tracks.

Wie das alles letztendlich klingt, erfahrt Ihr jetzt. „Em Nome Do Medo“ eröffnet das Ganze. Schleichend, orchestral, flüsternd. Eine bittere Klaviernote und Flüstergesang leiten das Ganze ein, dann ein riesen Orchester und Fernandos typisches Gekeife. Richtig monumentaler Megaeinstieg! „1755“ hingegen legt dann richtig los. Monumental dramatischer Speed Gothic Opera Metal, derbes Gekeife, Chöre wie aus der Hölle. Angesichts der Thematik nur nachvollziehbar. Das geht unter die Haut. Das Herz- und Titelstück alleine zeigt, wie düster und derbe es hier zur Sache geht. Im Mittelteil hört man sogar Auszüge der Herkunft der Mannen. Portugiesische Folklore mit derbem Metal und Höllenchöre. „In Tremor Dei“ zeigt ein anderes Metal Gesicht. Trashig, knarrzig, rotzig, irgendwie rebellierend in Zusammenarbeit mit den Chören. Fast schon revolutionär. Natürlich keift Fernando auch hier. Stellenweise unterstützt ihn extrem verzweifelt klingender Frauengesang, der fast wie ein Gebetsgesang klingt. Das ist harter Tobak. „Desastre“ hingegen spricht eindeutig schon vom Namen her für sich. Streicher, Drums, schneller Sprechgesang, derbes Gekeife, Orchester, Metal. All das führt uns erneut das Unglück vor Augen. Natürlich dürfen auch hier die klagenden Chöre nicht fehlen. „Abanao“ dröhnt, ächzt, wirkt bedrohlich und fast schon wie eine dramatische Inszenierung. Ist es ja letztendlich auch, da die Katastrophe musikalisch umgesetzt wird. „Evento“ ist das brandneue Lyrik Video, das Moonspell extra für das Album „ausgekoppelt“ haben. Man kann sich ungefähr vorstellen, dass dieses Monster von dem Tag berichtet, an dem es geschah. Dementsprechend derbe, düster, diabolisch klingt es auch. Oder die Trauerfaier am folgenden Tag. Das weiß man eben leider nicht so genau. Ich kann mir beides vorstellen. „1 de Novembro“, wahrscheinlich der 01. November, stellt dann wohl eher den Tag da, als es geschah. Abwechslungsreich, geht unter die Haut, gab es so vorher noch nie von Moonspell. Das sticht definitiv heraus. „Ruinas“ macht auch ohne Portugiesisch-Kenntnisse klar, dass hier das zerstörte Lissabon thematisiert wird. Eine wahre Geister-Trümmer-Stadt. Moonspell nehmen uns hier mit auf einen Spaziergang durch Ruinen ihrer Heimat. Sehr bewegend und berührend. „Todos Os Santos“ wird durch eine riesen Orchester-Inszenierung eingeleitet und begleitet. Anklagender Metal und punkig-rotziger Keifgesang machen da ihrer Wut direkt Luft. Die Chöre sind die Kirsche auf der Sahne. Der Übersetzer spricht von „alle Heiligen“. Auch das hört und spürt man definitiv. Übrigens das erste veröffentlichte Lyrik Video zum Album. „Lanterna Dos Afogados“ ist ein richtig episch trauriges Finale, das noch einmal Revue passieren lässt und noch einmal Abschied von den Opfern nimmt, derer gedenkt. 6:45 Schweigeminute quasi. Andächtig hören wr zu und lassen unsererseits Revue passieren. Das muss man erst mal verarbeiten. Wunder- schönes, elegisches Finale! Übersetzt heißt das übrigens „ertrunkene Laterne“. Erklärt alles… .

Fazit: Orchester, Chöre, dazu abwechslungsreicher Metal, Fernandos typisches Gekeife – eine wahre musikalische Wiederauflebung des 01.11.1755! Man spürt und hört förmlich, was da passiert ist und was Moonspell sagen wollen. Auch wenn es leider auf Portugiesisch ist. Was auf „Extinct“ noch leicht durchklang, wird hier mehr als perfektioniert. Das ist Opera Gothic Classic Metal alleroberster Güte! Fernando und seine Mannen nehmen uns hier mit auf eine Zeitreise und lassen uns wirklich teilhaben an dieser bis heute unfassbaren Katastrophe. Dazu ein richtig starkes Cover Artwork und die Inszenierung ist perfekt! Moonspell ist es gelungen, jede einzelne Stimmung jedes einzelnen Moments hier einzufangen und katapultieren Einen direkt ins Jahr „1755“ zurück. Schnallt Euch an für eine derbe, düstere, epochale, epische Zeitreise!

Tracklist:

01 Em Nome Do Medo
02 1755
03 In Tremor Dei
04 Desastre
05 Abanão
06 Evento
07 1 De Novembro
08 Ruínas
09 Todos Os Santos
10 Lanterna Dos Afogados

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VÖ: 03.11.2017
Genre: Dark Metal, Gothic Metal
Label: Napalm Records

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