Rockharz Open Air 2019 – Feiern im Schatten der Teufelsmauer (Festivalbericht) Teil.2

Rockharz Open Air 2019

Auch die letzten zwei Festivaltage der 26. Ausgabe des Rockharz Open Airs versprach nur Gutes. Schließlich standen noch weitere 34 Bands auf den Plan, die sich auf den beiden gleichwertigen Bühnen die Klinke in die Hand geben wollten, um die Festivalbesucher so richtig einzuheizen.

Freitag: (3. Festivaltag)

Nach stolzen drei Jahren Abstinenz, gaben sich am Nachmittag Kissin´ Dynamite die Ehre. Die jungen Hardrocker, die im Stil der 80er/90er unterwegs sind, zeigten mit viel Spielfreude, wie man Hardrock abfeiern kann. Sänger Hannes Braun bewegte sich durchgehend wie ein junger „Hardrock-Gott“ über die Bühne. Seine Posen und der Sound Kissin´ Dynamites erinnern an Größen a la Bon Jovi, Poison & Co und das Publikum nahm es sehr wohlwollend an. Ob Fahnenschwingend oder im Königskostüm, er ließ sich jede Sekunde feiern. Die Band hatte definitiv Spaß und zog ihre Show souverän durch.

Bevor Hypocrisy auf die Bühne durften, zerlegten die Engländer Dragonforce, mit ihrem schnellen Powermetal die Darkstage. Die ausgewogene Partystimmung im Publikum, wurde immer wieder von den Ausnahmegitarristen Herrman Li und Sam Totman mit pfeilschnellen Riffs und Melodien befeuert. Showtechnisch war das richtig spitze anzusehen und anzuhören. Das kurzweilige Set, wurde dann mit der Speednummer „Through The Fire And Flames“ beendet. Wahrlich beeindruckend, was hier Li und Totman spielen!

Nur wenige Minuten nach Dragonforce, wurde es Zeit für etwas oldschooligen Death Metal von Mastermind Peter Tägtgren (auch bekannt durch PAIN und dem Projekt LINDEMANN). Die großen Hypocrisy starteten gleich kompromisslos durch. Mit den Nackenbrechern „Fractured Millenium“, „Valley Of The Damned“ und „End Of Disclosure“, vom noch aktuellen, gleichnamigen Album, wurde die Rockstage regelrecht zerpflügt. Fans von harten Klängen kamen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Im Mittelteil gab es auch noch ein Medley aus früheren Tagen und man spielte vom 93er Album „Pleasure Of Molestation / Osculum Obscenum“. Immer wieder Gänsehaut! Nach einer Stunde Spielzeit, wurde mit ihrem wohl bekanntesten Lied, „Rosewell 47“, ihr diesjähriger Auftritt beendet. Am Ende konnte man auf viele, zufriedene Gesichter im Publikum blicken.

Gebannt warteten danach die Fans auf Saltatio Mortis, die zu den großen Mittelalter-Rockbands Deutschlands gehören. Zum mittlerweile fünften Mal beehren sie das Rockharz-Festival, wie immer, mit viel Freude und Spaß, was sie an diesem Abend wieder zur Genüge zeigen. Eine fantastische Feuershow, immer volles Tempo, die Liebe zu ihrer Musik und das anfeuern des Publikums von Alea und seinen Mannen, erfreut sich immer großer Beliebtheit. Die 60 Minuten Spaß vergingen wie im Flug. Der Schwerpunkt ihre Titelauswahl lag überwiegend auf neuerem Material. Der krönende Abschluss war am Ende das Zünden all ihrer Feuerfontänen, mit den Klängen zu Deichkinds „Krawall und Remmi Demmi“. Welch ein Spaß!

Danach wurde es auf der anderen Stage Zeit für den Headliner. Die Fans waren auf den ersten Rockharz-Auftritt Dimmu Borgir sehr gespannt. Demzufolge voll war es auch vor der Bühne, die im mystischen blau ausgeleuchtet wurde. Es folgten die ersten Töne von „The Unveiling“ als sich nach und nach die Band zu erkennen gab. Die Show der Norweger war düster und sehr atmosphärisch, perfekt abgestimmt, mit Licht und ihren Outfits. Sehr professionell gaben sie ihr Bestes, mit einer fantastischen Setlist, die überwiegend auf aktuellere Songs ausgelegt ist. Shagrath, der, wie der Rest seiner Kollegen, sehr dämonisch daher kam, forderte den Fans immer wieder alles ab. Als zum Schluss ihr Überhit „Mourning Palace“ ertönte, ist niemand mehr zu halten. Die Band und das Publikum verabschiedeten sich ehrfürchtig und begeistert. Gelungen!

Weitere Acts an diesem Tag waren: Elvellon, Milking the Goatmachine, Nailed to Obscurity, Warkings, Elvenking, Mr. Irish Bastard, The Night Flight Orchestra, Omnium Gatherum, Caliban, Soilwork, Russkaja, Heidevolk

Samstag: (4. Festivaltag)

Hell Boulevard durften zur Mittagsstunde die Darkstage eröffnen. Eine ungewohnte Zeit für die vier Jungs, aber sie machten das Beste daraus und starteten mit „As Above So Below“ sofort voll durch. Vor der Bühne war es für die Mittagszeit angenehm gut gefüllt, das Publikum war fordernd und einige sehr textsicher. Sänger Matteo vDiva und Gitarrist Von Marengo heizten immer wieder an und spätestens bei der etwas ungewöhnlichen Coverversion von Britney Spears´s „Baby on more time“, konnte man einige grinsende Gesichter erblicken. Als Letztes wurde „In Black We Trust“ gespielt, welcher ein würdiger „Rausschmeisser“ der halbstündigen Show war, die viel zu schnell umging.

Gleich im Anschluss, traten auf der Nachbarbühne Visions Of Atlantis ins Geschehen. Passend zum Symphonic Metal, ertönt ein klassisches Intro, was jäh mit dem Einsetzen der Instrumente übertönt wurde und somit gleich den Funken aufs Publikum überspringen ließ. Sängerin Clémentine und Sänger Michele stürmten auf die Bühne und legten sofort im Duett los. Dabei wurde immer wieder die Masse zum Klatschen angefeuert. Es wurde eine genre- typische Show abgeliefert, inkl. Ballade, wobei Balladen auf Festivals immer recht schwierig zu händeln sind. Zwei neue Songs vom kommenden Album „Wanderer“, wurden ebenfalls vorgestellt und schließlich endete der Auftritt mit „Return To Lemuria“, was die Leute noch mal zum bangen animierte.

Nach weiteren großartigen Bands, gaben sich Kärbholz die Ehre. Die Deutschrockband trat von Anfang an aufs Gaspedal, was sich während ihrer Show auch nicht mehr änderte. Hier war nicht nur mitgröhlen angesagt, was die vielen Crowdsurfer und die Mosphits zeigten. Neben ihrem Klassiker „Kind aus Hinterwald“ (eine Hommage an ihre Heimat, die aber auch im Harz gut funktioniert) gab es auch einen neuen Titel namens „Herztier“ vom aktuellen Album. Bis zum Schluss wurde Druck gemacht und schließlich wurde mit „Tiefflieger“ die Rock´n Roll Party beendet.

Von den Fans sehnsüchtig erwartet, betraten Mono Inc. bei einer langsam untergehenden Sonne die Bühne. Es ist bereits ihr 4. Gig beim Rockharz. Der weiße Rabe bewegt sich durch den aufkommenden Wind sanft im Hintergrund. Kata Mia stimmt mit ihren Drums zum Eröff- nungstitel „Welcome To Hell“ ein und die Show geht los. Nach dem zweiten Song wird die Masse von Martin Engler huldvoll begrüßt. Mono Inc. sind gern zu Gast beim Rockharz, das spürt man sofort. Es ist laut Martin ihr „Lieblingsfestival“. Bei klassischen Titeln, wie u.a. „Arabia“ und „Symphony Of Pain“ tobte, klatschte, tanzte und sang die Menge wild mit. Sie wurden von Martins Stimme in die Dämmerung gezogen. Ungefähr zur Hälfte der Show leerte sich die Bühne und der Titelsong von „Das Boot“ ist zu hören. Alle schauten gebannt was passiert. Kata kam zurück und spielte, mit kleineren Technikproblemen, die aber schnell behoben wurden, ein kurzes Drumsolo. Bei „Voices Of Doom“ nutzte der Sänger beide Bühnen, um auch die hintere Masse anzufeuern. Mit „Children Of The Dark“, erreicht das Konzert seinen Höhepunkt bei den Künstlern und den Fans. Es wurde noch einmal alles gegeben. Zum Schluss blieben glückliche Menschen auf und vor der Bühne zurück.

Die sympathischen Holländer um Frontfrau Simone Simons, haben sich in den letzten Jahren in die oberste Riege des Symphonic Metals gespielt, was man auch an der Fülle an Leuten vor der Rockstage sieht. Man merkt, wie viel Spielfreude Epica an diesem Abend haben und legten einen fulminanten Auftritt hin. Jeder Bühnen- zentimeter wurde von den Gitarristen und v.a. vom Keyboarder Coen Jansen ausgenutzt, der mit seinem beweglichen Keyboard immer wieder über die Bühne jagte. Der während des Konzerts einsetzende Regen, ließ die Stimmung nicht abreißen und Epica beendeten ihren grandiosen Auftritt mit „Consign To Oblivion“. Es blieb weiterhin richtig voll auf dem Platz und die Folk-Metaller von Korpiklaani legten pünktlich los, um nochmal mit den Fans abzufeiern und dem Regen zu trotzen. Spielfreudig wie eh und je und mit einem richtig guten Sound verpackt, dankte es das Publikum mit vielen Crowdsurfern und einem fast durchgehenden Moshpit vor der Bühne und so gab es zum Schluß noch die Partyhits, „Vodka“, „Beer Beer“ und „Happy Little Boozer“ auf die Ohren.

Bevor der Abschluss Headliner Children Of Bodom die Bühne betreten durfte, kam die gesamte Rockharz-Crew traditionell auf die Bühne und Chefveranstalter Thorsten Kohlrausch richtete dankende Worte, für ein erfolgreiches Festival, an Crew und Publikum. Nun war es Zeit für die finnische Hatecrew, um nochmal alles zu geben. Mit neuem Album („Hexed“) im Gepäck, begann die Show gleich im Vollgas mit „Are You Dead Yet“. Mehrere Moshpits und die vielen Crowdsurfer zeigten, dass das Publikum noch Energie hatte. Neben alt bekannten Perlen („Hate Me!“, „Downfall“), gab es auch neues Material zu hören („Under Grass And Clover“, „This Road“). Leider war der Sound stellenweise matschig (wohl windbedingt), so dass nicht immer alles optimal zu hören war. Die Stimmung trübte das zum Glück nicht und nach 70 Minuten blieb ein zufriedenes Publikum zurück.

Weitere Acts an diesem Tag waren: Follow The Cipher, Freedom Call, Burning Witches, Grand Magus, Anvil, Hardline, Grave, Legion of the Damned, The O`Reillys & The Paddyhats, Apocalypse Orchestra

Abschließend kann ich nur sagen, dass das Rockharz jedes Jahr eine Reise wert ist. Es zeichnet sich aus durch viel Freundlichkeit der Crew, der „Grabenschlampen“, der Ordner, der Putzkolone. Das Angebot an Speisen und Getränken ist sehr umfangreich. Auch die Stände von Klamotten, Tonträgern und verschieden Accessoires sind einen Besuch wert, viele Händler sind auch zu Späßen und kurzen Schwätzchen bereit. Desweiteren muss erwähnt werden, dass es ein sehr sauberes Festival ist, wo sich steht’s Mühe gegeben wird, dass sich wenig Müll anhäuft und auch die sanitären Anlagen sehr sauber sind. Mit „GLÜCK IN DOSEN“ findet auch immer eine jahrelang, gutlaufende Spendenaktion statt. Hierbei wird der Pfand von gesammelten Dosen/Plasteflaschen an regionale Vereine/Einrichtungen gespendet. Für das alles gibt es ein großes DANKESCHÖN, da kommt man immer wieder gern zum Ballenstedter Flugplatz. Denn Rockharz ist, laut ihrem Leitspruch:

„ MADE OF METAL, BEER AND FRIENDS!“

Unsere Bilder findet ihr unter folgenden Link:

https://www.darkmusicworld.de/rockharz-festival-2019-fotogalerie/

Rockharz Open Air im Web:

Homepage

Facebook