M.I.N.E – Unexpected Truth Within (CD-Kritik)

M.I.N.E

Das Debüt-Album „Unexpected Truth Within“ des Camouflage-Nebenprojekts M.I.N.E rund um den Sänger Marcus Meyn, erscheint am 25. Mai 2018 über das Label Oblivion. Gegründet wurde das Projekt etwa im Januar 2016, zwei Jahre später soll nun auf zwölf Tracks bewiesen werden, was M.I.N.E so drauf hat. Der Album- titel „Unexpected Truth Within“ scheint ziemlich passend. Der Hype ist groß, die Fans freuen sich, aber die unerwartete Wahrheit, die inner- halb all der Vorfreude stattfindet, ist: Eigentlich ist dieses Album ziemlich lahm. Der Opener „The One“ beginnt noch mit einer ziemlich schnellen, dramatischen Gitarre, die einen hoffen lässt, dass es jetzt so richtig losgeht. Geht es aber nicht. Es bleibt danach ziemlich flach, drucklos, und vor allem abwechslungslos. Dasselbe gilt auch für den Song „Same But Different“, dessen Titel auch ironischerweise genau auf den Song passt: Er klingt genauso wie der Vorgänger, nur anders. Und hier befinden wir uns schon auf einer Reise durch ein Album, das vollständig aus Füllersongs besteht. Mir gelingt es nicht, einzelne Lieder herauszupicken, die dieses Album auszeichnen. Es gibt nicht wirklich Abwechslung, es gibt keine Atmosphäre, die Musik macht nicht einmal gute Laune. Die Songs schaffen es, immer so zu klingen, als würden sie gleich richtig interessant werden, verhauen es dann aber immer irgendwie. Vor allem „Things We’ve Done“ klingt so, als würde das Album endlich Fahrt aufnehmen, doch der antiklimatische Refrain lässt das Ganze im üblichen, erstaunlich unspektakulären Brei dieser Platte verschwinden. Auf 52 Minuten gelingt es M.I.N.E, keinen einzigen Kracher zu liefern. Inhaltslose Texte, blutloser Gesang, dahintröpfelnde Melodien. Gelegentlich mal ein paar Rocksounds, die klingen wie bestellt und nicht abgeholt. Es klingt, als wäre Marcus Meyn durch Zufall auf einen Ordner mit im frühen Stadium aussortierten Depeche Mode-Demos gestoßen und hätte diese dann einfach ausproduziert und selbst eingesungen. Der Refrain von „White Trash“ bewegt sich schon hart an der Grenze zum Textklau (Ich sage nur „World In My Eyes“). Spätestens beim Intro von „Dangerous“ ist der Punkt erreicht, bei dem mir Meyns eigentlich wirklich angenehme Stimme ein bisschen auf die Nerven geht. Auch der Titel „Dangerous“ ist für so einen handzahmen und zahnlosen Song völlig unpassend. Im Musikvideo zum Lied wird dann auch noch ein wenig bei „Where’s The Revolution“ von den offensichtlichen britischen Vorbildern abgeguckt und das Ganze dann als Single verkauft. „Wonder“ klingt – oh Wunder – wie jeder andere Song auf dieser Platte, „Undone“ klingt wie eine B-Seite aus den „Nordhausen“-Zeiten von And One, und „Reach Out“ klingt, als hätten Mesh ihr biologisches Tief. „A World Without A Smile“ ist eine Akustikballade ohne jegliche Variation und mit höchstens drei Instrumenten und klingt entsprechend. Ich habe nach zwei Minuten durch den Rest des Songs durchgespult, in der Hoffnung, dass sich irgendwie noch was tut. Aber das passiert nicht. Nicht ein Song auf diesem Album nimmt irgendeine Wendung. Nachdem man den ersten Refrain gehört hat, kennt man das ganze Lied. Nicht ein C-Teil, nicht eine Modifikation, nicht ein Höhepunkt. Der letzte Song des Albums heißt „Leave And Let Go“, was ebenfalls den Sarkasten in mir anspricht. Da hilft es auch nichts, dass dieser Song so klingt, als hätte man Marilyn Mansons „The Fall Of Adam“ in Weichspüler ertränkt. Dieser Song schließt ein ziemlich enttäuschendes und unbefriedigendes Album ab, das viel Schall und Rauch beinhaltet, ohne je wirklich Feuer aufkommen zu lassen. Schon das letzte Camouflage-Album zeichnete sich nicht durch Club-Kracher aus, hier hat die Musik jedoch wenigstens mit Charme, Atmosphäre und Abwechslung punkten können. Das alles fehlt auf „Unexpected Truth Within“. Einzig und allein „MeOrMy“ sticht als etwas besser als die anderen Lieder heraus. Als einziger Song des Albums klingt dieser Song hier so, als hätte Marcus Meyn beim Aufnehmen der Vocals wirklich Spaß gehabt, und auch die Melodie erzeugt als einzige eine mehr oder wenige interessante Klangwelt mit leichtem Tanzcharakter und einer winzigen Prise Attitüde.

Fazit: Müsste ich den Sound dieses Albums in einem Satz beschreiben, lautete dieser Satz: „Martin Gore hat keine Lust.“ Es ist so schade, dass so gute Musiker so etwas Halbgares und Stimmungsloses veröffentlichen, wobei es doch so gut hätte werden können. Sucht euch aus der Tracklist der Platte drei oder vier Songs heraus, hört die Previews auf iTunes, und ihr kennt das meiste, was es auf diesem Album zu hören gibt. Nur einer der zwölf Songs schafft es, über dem Mittelmaß zu schweben. Ansonsten ist dieses Album aber frei von Magie, Atmosphäre oder einfach Spaß. Es ist nicht gut, es ist nicht grauenvoll. Es ist leider einfach nur weiche, flache Beschallung voll mit inhaltslosen Textzeilen, anstelle welcher man auch einfach hätte „Lalala“ singen können. Ich mag es selbst nicht, diese Dinge so zu beschreiben, aber leider ist diese Platte in meinen Augen ein Rohrkrepierer, wie er im Buche steht.

Tracklist:

01 The One
02 Same But Different
03 MeOrMy
04 Undone
05 Things We’ve Done
06 Lean On
07 Wonder
08 Dangerous
09 White Trash
10 Reach Out
11 A World Without A Smile
12 Leave And Let Go

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VÖ: 25. Mai 2018
Genre: Electro
Label: Oblivion

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