Im Interview mit Gitarrist SAD SIR von End Of Green!

End Of Green
Foto by Heiko Herrmann

Entgegen jeglichem Schubladendenken folgten die Stuttgarter Dark Rocker von End Of Green in den vergangenen Jahren stets ihren ganz eigenen Pfaden, ohne dabei zwanghaft irgendwelche Klischees er- füllen zu müssen. Von Goth über Metal bis hin zum Doom – die Vielseitigkeit der Combo scheint keine Grenzen zu kennen und so verhält es sich auch passend zu ihrem 25. Bandjubiläum, zu dem ein neues Album veröffentlicht wurde. Am 18. August 2017 erschien unter dem Titel „Void Estate“, das nunmehr neunte Studioalbum der Band um Sänger Michelle Darkness, der sich zum Release wie folgt äußert: „Wozu sollen wir eine Platte machen, die wir bereits gemacht haben? Wir sind da in erster Linie uns selbst verpflichtet – das ist hart genug. Wir machen uns da lieber nicht zu viele Gedanken darüber, was man von uns erwarten könnte. Alles andere wäre grob fahrlässig.“

Gitarrist SAD SIR stand uns nun in einem Interview Rede und Antwort. Doch lest selbst:

01. Erst einmal Danke das ihr euch die Zeit für ein Interview nehmt. Wie gehts euch so?

Gerne! Den Umständen entsprechend geht’s uns eigentlich ganz gut. Momentan sind nur zwei Leute in der Band krank oder verletzt. Ich sag mal: Läuft bei uns.

02. Mittlerweile seid ihr über 20 Jahre im Musikgeschäft. Vor kurzem erschien eure neue Platte. Was sind eure Gedanken, wenn diese endlich auf den Markt ist? Gibt es gewisse Sorgen, die ein Release mit sich bringen?

Ach, die Sorgen sind immer die gleichen, zumindest seit ich das erste Mal eine CD von uns eingelegt hatte, auf der zwar unser Name stand, beim Kopieren aber wohl ein Fehler unterlief und eine BRAVO Superhits Compilation, statt unserer Musik enthalten war. Wenn die richtige Musik auf der Platte ist, dann ist das schon mal ganz gut. (Lacht). Ansonsten ist das auch immer eine Form von guter Spannung, ob nur uns die Lieder gefallen oder auch andere Menschen ihre Freude damit haben. Ab dem Moment, wenn andere Leute die Lieder hören, gehören sie sowieso nicht mehr uns … Ich bin dann eher gespannt, wie die Stücke ankommen. Klar ist aber auch, dass es meist keine zwei Minuten dauert, bis man von irgendeinem Youtuber im Internet beleidigt wird. Auch irgendwie geil. Zumindest darauf ist Verlass.

03. „Void Estate“ heißt euer neues Album. Wenn ihr es in einem Satz zusammenfassen müsstest, wie würde dieser lauten?

Ich versuche es noch kürzer: „verdammt intensiv“

04. „Depressed Subcore“ lautet die Definition eurer Musik. Ist es nicht schwer stets Songs zu schreiben mit depressiven Unterton? Habt ihr euch nicht mal gewünscht was anderes zu machen?

Nee, überhaupt nicht. Wir wollen das ja so, beziehungsweise können das kaum anders. Ganz doof gesagt: Wenn ich beste Laune habe und die Welt umarmen möchte, dann mache ich das auch – bin dann meistens aber nicht zu Hause und spiele Gitarre, sondern treffe mich mit Menschen oder Hunden, die mir gut tun. Die meisten unserer Stücke, zumindest die Grundideen, entstehen eher in den Momenten, in denen man mit sich selbst alleine ist. Das hört sich jetzt übrigens verzweifelter an, als es ist. Ich finde das auch überhaupt nicht depressiv – es eher eine Form von Melancholie. Und das ist ein gutes Gefühl.

05. Wie entsteht ein „typischer“ End Of Green-Song bzw. woher nehmt ihr die Inspiration?

Die Inspiration lauert an allen Ecken und Enden. Mal erlebst du etwas merkwürdiges, mal erzählt jemand was oder Du siehst einen seltsamen Film, der etwas auslöst … irgendwas ist immer. Musikalisch gestaltet sich das bei uns so, dass irgendeiner von uns eine Idee hat, und die anderen dann darauf einsteigen und damit rumspielen. Für VOID ESTATE hatte Michelle unglaublich viele Ideen.

06. Welche Bands sind für euch auf der Welt nicht wegzudenken?

Das ändert sich bei mir andauernd, je nach Laune. Nachdem Tom Petty gestorben war, dachte ich, wie verdammt schade das ist, weil es ab jetzt keine neuen Stücke mehr von ihm gibt. Unglaublich wichtig für mich waren aber zum Beispiel die Ramones oder Motörhead – ich mag das Einfache in ihrer Musik. Neulich habe ich wieder Fliehende Stürme ausgepackt und mir gedacht, wie saustark das ist, dass es diese Band gibt.

07. Im Herbst geht es für euch auf Tour. Wie sieht eine Tourplanung aus? Was ist euch besonders wichtig?

Instrumente und uns alle bei bester Gesundheit einpacken ist das Wichtigste. Ansonsten streiten wir gerade, welche Lieder wir spielen werden. Je mehr Platten wir machen, desto größer ist da das Konfliktpotential. Ansonsten sind wir aber eine pflegeleichte Band auf Tour, ohne sonderlich wahnwitzige Sonderwünsche oder Befindlichkeiten.

08. Was ist für euch das schönste am Musikmachen und was nervt besonders, muss aber erledigt werden?

Eigentlich nervt nichts so richtig. Mir geht der Social Media Kram manchmal etwas auf die Nerven aber anderseits: es gibt nun wirklich Schlimmeres. Ich glaube im Prinzip ist nur wichtig, dass man bei all dem Quatsch außenrum nicht vergisst, wofür man eigentlich gekommen ist: Lieder, Platten, Konterte. Das sollte die Kernkompetenz bleiben.

09. Was würdet ihr eigentlich jetzt beruflich machen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?

(Lacht) Da wir alle tatsächlich berufstätig sind, gehe ich jetzt mal davon aus, dass wir versagt haben. Ich arbeite als Journalist und Autor, und ganz doof: selbst wenn ich von der Musik leben könnte, würde ich auch schreiben, weil ich es gerne tue.

10. Rückblickend: Was waren eure Highlights und was wollt ihr nicht nochmal erleben?

Nach 25 Jahren Bandgeschichte sammelt sich einiges an – und natürlich auch ziemlich viele Situationen, die man so nicht nochmal braucht. Wir haben recht heftige Schläge eingesteckt, aber ganz ehrlich erfreue ich mich daran, dass sie uns nicht umgeworfen haben. Und ich bin wirklich dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, das alles hier zu machen. Was ich zum Beispiel immer wirklich zum Kotzen fand: kurzfristig Konzerte absagen. Wahrscheinlich ist das vielleicht zehn Mal passiert oder so, aber es war jedes Mal so eine Hilflosigkeit. Wir sagen Konzerte nur ab, wenn es wirklich nicht geht.

11. Wie sehen die Pläne für 2018 aus?

Ganz viel atmen und hoffen, dass nichts Schlimmes passiert. Im Ernst: je älter man wird, desto mehr rückt sowas ins Zentrum des Interesses. Also, äh, zumindest bei mir. An- sonsten sind wir aber offen für alles.

End Of Green – Tour 2017

20.10. 2017 Berlin, Columbia Theater
21.10. 2017 Leipzig, Werk 2
03.11.2017 Aschaffenburg, Colos Saal
04.11.2017 München, Backstage
09.11.2017 Nürnberg, Hirsch
10.11.2017 Bochum, Matrix
11.11.2017 Hamburg, Knust
18.11.2017 Stuttgart, LKA Longhorn

End Of Green im Web:

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