GrooVenom – Wir Müssen Reden (CD-Kritik)

GrooVenom

„Für den Sound von „Wir Müssen Reden“ hatten wir von Beginn an eine klare Vision: Die Produktion sollte, im Gegensatz zu früher, bewusst roh und kantig aber ebenso zeitgemäß und modern sein. Die elektronischen Elemente wurden in der Zahl weniger, dafür aber im Songwriting umso wichtiger. Das Album sollte wütender, düsterer und brachialer aber auch filigraner und atmosphärischer klingen als seine Vorgänger.“

So kündigten GrooVenom ihr Album auf Facebook an und gaben gleichzeitig einen Shoutout an Nils Lesser. Der Gitarrist und Produzent von Cypercore arbeitete eng mit den Jungs zusammen um die gesteckten Ziele zu erreichen. Wir müssen reden ist bereits einige Zeit auf dem Markt erhältlich und erschien via Out of Line. Jeder kann sich nun sein eigenes Bild machen, ob die Jungs aus Dresden ihrer Ankündigung auch Taten folgen ließen. Die ersten beiden erschienenen Alben Pink Lion und Modern Death Pop ließen sich eher dem Elektrocore zuordnen, nun soll also Synth-Metal folgen.

„Alter Freund“ eröffnet das Album und beginnt mit einem langen elektronischen Intro, in welches nach und nach Schlagzeug und Gitarre einsetzen. Erst nach beinahe eineinhalb Minuten setzt der Gesang ein. Klar und stilvoll ohne große Überraschungen. Im Refrain sind einige Passagen gescreamt, ansonsten ist der Song eher ruhig. Filigraner und atmosphärischer sind schon einmal abgehakt, wütend, düster und brachial aber noch nicht wirklich. Das wird dafür aber gleich zu Beginn vom folgenden Song „Medizin“ erledigt. Ein direkter, kraftvoller Einstieg, ordentlich Power für 30 Sekunden und dann wird es wieder ruhiger. Zwar steigt das Tempo wieder an, allerdings vermiss ich das durchgedrückte Gaspedal so ein bisschen. Mehr Power hätte es schon noch sein dürfen. Ein bisschen mutiger, kraftvoller und lauter werden GrooVenom in „Unter deiner Haut“. Der Text obszön, gleichzeitig nachdenklich und mit dem Kopf durch die Wand, werden die Bässe endlich mal von der Leine gelassen. Wenn man grade schön in Stimmung ist, kommt mit „Grau“ leider wieder das krasse Gegenteil. Fast schon eine Ballade, sehr ruhig, der Gesang bis auf wenige Ausnahmen wieder vollkommen klar. Ein schöner Song, aber leider an dieser Position ein Stimmungskiller. Ganz anders kommt „Faust“ daher. Kratzende Gitarren, ein schnelles Schlagzeug und kehliger Gesang. Das Tempo steigt passagenweise immer mehr an, der Refrain schnell und melodisch, was will man mehr? Einen tiefgründigeren Text vielleicht, aber das ist jetzt nicht wirklich zwingend notwendig, denn musikalisch wird hier ein großes Feuerwerk abgefackelt. Mit „Du und Ich“ kommt ein neues Feuerwerk. Dieses Mal tiefgründiger, gefühlvoller und mit stimmungsvollem Gitarrensolo. Elektronisch anmutend, sehr rhythmisch und flott geht es mit „Lass mich los“ weiter. Mit Einsetzen des Gesangs wird alles wieder eine Spur düsterer und kraftvoller. Einzelne klare Passagen bringen zusätzlich noch ein bisschen Abwechslung in den Song. Nach purer Disco klingt “Nimm mich“. Zumindest zu Beginn. Schon nach einigen Sekunden kippt die Stimmung und der Song wird ziemlich brachial. Also doch alles so wie angekündigt. „Mein Herz ist frei“ könnte auch ein Schlagertitel sein, aber das mag ja noch nichts heißen. Gleich zu beginn merkt man, dass der Titel zum Glück die einzige Parallele ist. Allerdings hab ich bestimmt drei Mal meine Kopfhörerkabel überprüft. Der Beginn, die ersten Sekunden klingen gedämpft, als würde man den Song durch eine geschlossene Tür hören, oder eben die Kopfhörer nicht richtig eingesteckt wären. Nach einigen Sekunden am Kabel wackeln erkennt man aber, dass das nur ein von der Band gewähltes Stilmittel ist, denn steigend setzt der Sound in voller Kraft ein. Der Track hält mehrere Überraschungen bereit. Nach einem sehr schlagzeuglastigen Beginn ist auf einmal pure Partystimmung. Viel elektronischer als alle bisherigen Songs, tanzbarer und rhythmischer. Die Elemente wechseln sich regelmäßig ab, mal dominiert das Schlagzeug, mal die Synthesizer. Nach der Partystimmung werden wir leider wieder voll aus dem Fluss gerissen. „Nach Hause“ ist das krasse Gegenteil. Sehr ruhig, der Gesang ein bisschen schief und die Instrumente verstecken sich fast schon hinter der Elektronik. Der Song steigert sich zwar im Verlauf einige Male, aber der Beginn hat das Lied für mich schon fast ein bisschen kaputt gemacht. Weniger als zwei Minuten dauert „Taub“. Die Zeit vergeht fast komplett ohne Gesang, nur einmal kurz hört man hintergründlich ein geschrienes „Taub“. Der namensgebende Track „Wir müssen reden“ folgt darauf und schließt das Album mit Krach und Krawall ab. Zum krönenden Abschluss wird noch mal ordentlich Gas gegeben, um dann überraschend zum elektronischen Discosound zu schwenken.

Fazit: Ganz, ganz schwierig hier ein Fazit zu ziehen. Die Songs einzeln betrachtet sind alle klasse und stehen für sich. Im Ganzen als Album betrachtet finde ich hier keinen roten Faden. Vielleicht hätte es geholfen die Songs in einer anderen Reihenfolge zu hören, oder mit mehr Pause dazwischen. Das ist aber zum Glück das einzige „Problem“. Wie gesagt, die Songs stehen wunderbar für sich und Wir Müssen Reden hat tatsächlich das eine oder andere Highlight zu bieten.

Tracklist:

01. Alter Freund
02. Medizin
03. Unter deiner Haut
04. Grau
05. Faust
06. Du und ich
07. Lass mich los
08. Nimm mich
09. Mein Herz ist frei
10. Nach Hause
11. Taub
12. Wir müssen reden

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VÖ: 29. März 2019
Genre: Metal, Industrial, Synthwave / Hardcore
Label: Out of Line Music

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