AnnA Lux – Wunderland (CD-Kritik)

AnnA Lux

Nach einer ersten Tour, mit hervorragenden Rückmeldungen von Publikum und Journalisten, veröffentlichen AnnA Lux am 24. August 2018 ihr Debütalbum WUNDERLAND. Mit ihrem unverkennbaren Sound gelingt AnnA Lux der Spagat zwischen Dark Rock und radiotauglichem deutschen Pop-Rock wie noch keiner anderen Band zuvor. Für die sympathische Frontfrau Anna ist Multitasking kein Fremdwort. Mit Klavier, Gesang und Gitarre schreibt sie die meisten ihrer Songs selbst. Eingängige Melodien, singbare Chöre und kumulierte Energie machen Lust auf mehr. Die Musik von Anna Lux hat keine Angst vor harten Riffs, breiten Gitarren und elektronischen Elementen. Die deutschen Texte sind direkt und ohne Tabus. Die beiden wichtigsten Sparringspartner sind Rico H (Schlagzeug) & Lara Lumière (Gitarre). Anna und Rico sind übrigens nicht nur ein etabliertes Team in der Band. Die beiden Schweizer leben mit ihrer Tochter auf Mallorca und betreiben dort ein eigenes Musikstudio. Dort wurde auch das Album WUN- DERLAND aufgenommen. (Quelle: Pressetext)

AnnA Lux überzeugen durch sehr versierte Rock-Pop-Musik, die sich nicht für ihre Radio- tauglichkeit und Eingängigkeit schämen muss. Der Sound des Albums ist durchgängig solide, einprägsam, homogen und dank Chris Harms an den Reglern, der schon aus so manchem Künstler dieses Jahr das Beste rausholte (z. B. Erdling, Joachim Witt) auch sehr gut produziert. Dank vorheriger Erfahrung im Musikgeschäft gelingt es der Band, ander- weitige Irrungen und Wirrungen, die andere Gruppen auf ihren Debüts durchschreiten, auszublenden und sich direkt in einem glasklaren Soundgewand zu zeigen und nach vorne zu marschieren. Annas Gesang, der hin und wieder ein wenig an Frida Gold erinnert, hält die schönen, mit E-Gitarren-Melodien garnierten Elektromelodien wunderbar zusammen. Auf „Zuhause“ sind die Strophen in einem phonetisch fantastischen Versmaß verarbeitet, das klingt fast nach Poetry Slam, während der Refrain recht düster daherkommt. „Eifersucht“ wartet ebenfalls mit einem wunderbaren Refrain auf, der in der aktuellen Pop-Landschaft durchaus seine Anhänger finden könnte. Anna Lux sind pop-affin, auch ohne die Peinlichkeiten und die Überdosis Pathos, mit der sich zuletzt Unheilig in den musikalischen Ruin beförderten. Besonders „Spiel der Gier“ zeigt ernste, erwachsene und bombastische Klänge, und Anna beweist sich auch hier wieder als wunderbare Sängerin. Auch der Text befindet sich weit jenseits von den sich selbst Pop-Poeten schimpfenden Max Giesingern dieses Landes. Die beliebte Single „Mädchen im Koma“ avancierte sich bereits zu einem Mini-Hit der Band, und das mit Recht, denn das wunderbar langsame Instrumental kommt mit schönen Melodien, Streichern und tollen Riffs, die dem emotionalen Text sehr gut zu Angesicht stehen. Zwischen kraftvollen Melancholie-Hymnen wie „Verbrannt“, den Singles und ähnlichen Songs (zum Beispiel das ganz gute, aber weniger spektakuläre „Festung“) oder treibenden, coolen Club-Kandidaten wie „Tanz durch die Nacht“ gibt es dann auch so Perlen wie das sehr akustisch angehauchte „Weiße Lichter“, der mit seiner liebenswert leisen und entspannenden Art auch ein guter Albumcloser gewesen wäre. Diese Ehre wird hingegen dem etwas zügigeren und rockigeren „Applaus“ zuteil, welches sich durch seine lupenreine, schlicht cool klingende Hook gut beweisen kann. Die siebte Anlaufstelle des Albums hingegen, der Song „7 Fragen“, hat wohl einen der offensichtlich poppigsten Beats der Platte, textlich aber schwächelt das Lied ein wenig im Vergleich zu den anderen Nummern des Albums und rutscht textlich ein wenig in besagte Pop-Poeten aus, der treibende Rhythmus und das gut ausgereifte Instrumental lassen aber ein wenig darüber hinwegblicken. Anders ist das bei „Kleiner Mann“, dem wohl düstersten Song des Albums. Annas Stimme in der Bridge ist so verzerrt, dass sie sich fast schon in das dröhnende Instrumental einwebt, während die Gitarren der Nummer mit dem bedrohlichen Text noch ein wenig mehr Biss verleiht. Besonders der C-Teil ist hier ziemlich geil. Der Titeltrack des Albums, „Wunderland“, kommt fast daher wie ein Song aus einem Disney-Film, und ja, für mich ist das eindeutig ein Lob. Ein wenig kitschig ist das zwar, aber es klingt erwachsen, emotional und ein wenig märchenhaft. Dadurch wird dieses Lied eine gute Zusammenfassung des Albums: Musik, die eindeutig über die Szene hinaus Anklang finden kann, guter Pop ist, ohne sich anzubiedern, und die vor allem gewachsen und ausgereift klingt.

Fazit: Der Hype um AnnA Lux wächst sehr zurecht – „Wunderland“ ist ein qualitativ wirklich hochwertiges Album mit versierten, talentierten Musikern am Werk und einer ebenfalls sehr begabten und charismatischen Frau am Mikrofon, die sich mit ihrer einprägsamen Stimmfarbe nicht verstecken will. Die Musik nistet sich irgendwo zwischen klassischen Pop-Melodien, düsteren Themen und gelegentlich harten Gitarren ein und fühlt sich in diesem Nest auch offenbar sehr wohl. Der Sound ist stabil, die Richtung klar und die Umsetzung wunderbar. Hier sind Profis am Werk, die uns das bieten, was sie am besten können: Schöne, vielschichtige Elektronikmelodien mit passenden Riffs und einprägsamen Ohr- wurm-Hooks. AnnA Lux finden genau die richtige Balance zwischen alledem, somit ist „Wunderland“ ein fabelhaftes Erstlingswerk und ein breites Statement über die Position der Band. Während andere Gruppierungen ihre zwei, drei Platten brauchen, um sich voll- ständig zu finden, wissen AnnA Lux genau, wo sie stehen, und bieten von dort aus knackig produzierte Songs auf hohem Niveau. Meine Highlights sind sowohl die ersten drei Singles als auch „Kleiner Mann“, „Spiel der Gier“ und „Eifersucht“.

Tracklist:

01 Zuhause
02 Eifersucht
03 Spiel der Gier
04 Mädchen im Koma
05 Weiße Lichter
06 Verbrannt
07 7 Fragen
08 Tanz durch die Nacht
09 Festung
10 Kleiner Mann
11 Wunderland
12 Applaus

Kauden: Amazon

VÖ: 24. August 2018
Genre: Rock
Label: NoCut / Profimedia

AnnA Lux live on Tour 2018
Unterwegs mit: MEGAHERZ * ERDLING **

21.09.2018 Aschaffenburg, Colos – Saal *
22.09.2018 Coppengrave, Check Point *
29.09.2018 Prag (CZ), Praguecon *
05.10.2018 Glauchau, Alte Spinnerei *
06.10.2018 Dresden, beatpol (ehem. Starclub) *
11.10.2018 Aarburg (CH), Musigburg *
12.10.2018 Karlsruhe, Substage *
13.10.2018 Kaiserslautern, Kammgarn *
19.10.2018 Köln, Essigfabrik *
20.10.2018 Coesfeld, Fabrik Coesfeld *
26.10.2018 Cham, L.A. Live-Style-Cafe *
27.10.2018 Herford, X *
26.12.2018 Zofingen – OXIL (CH) **
27.12.2018 Frankfurt, Elfer Music Club **
28.12.2018 Nürnberg, Der Cult **
29.12.2018 Müncheb, Backstage **

Tickets können bei allen bekannten VVK-Stellen sowie über eventim.de geordert werden. Wer allerdings noch auf der Suche nach Merch-Artikeln von AnnA Lux ist, wird im Devils (at) Work Shop fündig.

AnnA Lux im Web:

Homepage

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