Amnistia – Black Halo (CD-Kritik)

Amnistia

Der Name Amnistia ist sowohl Programm als auch Philosophie, bedeutet er doch in vielen Sprachen Begnadigung/Freispruch. Amnistia ist der Freispruch von der eigenen Trägheit und Untätigkeit, der Freiraum für Kreativität, Ventil und Werk und letztlich das Klang gewordene Urteil seiner Köpfe. Seit die Welt düsterer zu werden scheint, übertrug die Band ihre Beobachtungen in ihr sechstes Studio-Album „ʙŁ₳Ϛҟ ᾞΛḺȱ“. Im Ergebnis ist das Album sowohl eine unheilvolle Züchtung voller vielgeschichteter düsterer Elektronik, die mit komplexen Rhythmen und kritischen Texten gepaart ist, das aber auch zurück zu den Wurzeln der Band geht. (Quelle: Pressetext)

Das neue Amnistia-Werk stimmt mit einem typischen kurzen Intro („Ini7“) auf die albtraumhafte düstere Scheibe ein. Das biestige „Package Of Regrets“ wird durch den verzerrten Voice Effekt über der Stimme Sängers Tino Claus, den das Album kennzeichnet, noch böser. Doch im Refrain entfaltet sich eine schöne Melodie, die die düstere Stimmung glättet. Ebenso bissig legt „The Itch“ mit seinem trockenen Beat schnelleres Tempo vor. Der recht leichtfüßige Beat von „Through The Night“ hat eine synthpoppige Note. Der dem Album seinen Namen gebende Titel „Black Halo“ lässt witzige akustische Einspreng- sel hören, die ungeahnt House Atmosphäre verbreiten. Cool gemacht! „The Haunted“ würde wahrhaftig jeden Gruselfilm als Soundtrack veredeln. Ruhiger und zurückgenom- mener, aber nichtsdestoweniger tief grollend ist „Crowds Cheer Verdict“. Versehen wurde es mit Sprachsamples des amerikanischen Präsidenten Trump aus dessen Amtsantritts- rede mit dem markanten sowie den sich weit selbst überschätzenden Ausspruch „… make America great again!“. „Last Words Purify“ geht nochmals richtig krass zur Sache mit dicken Trompetensounds. Das wirk aber niemals überkandidelt bei dem coolen Beat. Bei „Misery“ darf man in schönen Kontrasten schwelgen: Zarte Frauenstimmen werden abgelöst durch betont hingerotzten Sprechgesang von Sänger Tino Claus. Plötzlich löst sich die anfängliche Grobheit in eine wunderschöne Melodie auf. Dem Titel entsprechend verkörpert der Sound von „Suffer“ tiefste Depression und Leid. Dahinter versteckt sich ungebrochene Wut. Der nächste Track „In Between“ ist weniger schroff, weiche Soundteppiche betonen die Mitten. Der Titel entwickelt im Slow Motion immer mehr Tiefe und Dramatik — immer tiefer zieht es einen in die sich langsam entfaltende Dramatik hinein. Schöne Steigerung! „We Do Not Disturb Our Dead“ ist fast ein Instrumental, wenn die Voice-Samples nicht wären. Das ist heftig düster mit einem schönen Spannungsbogen.

Fazit: Auf ihrem sechsten Album betätigen sich die Leipziger Stefan Schötz und Sänger Tino Claus nur noch als Duo nach Ausstieg von Jan Moritz. Des Weiteren streben „Amnistia“ nach mehr Unabhängigkeit und veröffentlichen dieses Album auf ihrem eigenen Label. Diese für die Musiker sicher umfangreichen Änderungen schlagen sich nicht (negativ) auf dem Album nieder. Ihren selbst gewählten Stil des Body Wave bleiben sie treu. Sie entwickeln ihn weiter und probieren Neues aus, ohne das große Ganze zu zerstören. Auf „Black Halo“ wird die Welt noch düsterer, jede Zukunftsvision versinkt in tiefem Schwarz. Das Album klingt modern und doch zugleich ‚old School‘. Durch die eingesetzten Sprachsamples und den harschen Effekt über der Stimme wird die Atmosphäre rauer und entpersönlichter. Der Silberling ist trotz der aggressiven Gesellschaftskritik eine harte und sehr coole Tanzscheibe mit ausgefuchsten Beats.

Tracklist:

01. Ini7
02. Package Of Regrets
03. The Itch
04. Through The Night
05. Black Halo
06. The Haunted
07. Crowds Cheer Verdict
08. Last Words Purify
09. Misery
10. Suffer
11. In Between
12. We Do Not Disturb Our Dead

Kaufen:

VÖ: 29.03.2019
Genre: Bodywave (Electro, EBM, Aggrotech, Wave, Darkwave)
Label: 9XO Media

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