Wort-Ton – Nach dem Herbst (CD-Kritik)

Wort-Ton

„Nach dem Herbst“ – so heißt das neue Album des Musik-Lyrik-Projektes „Wort-Ton“, welches am 5. Oktober beim Label „Future-Fame“ das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Und das fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem letzten Long-Player „Lichtsuche“. „Ich brauchte diese lange Zeit einfach um mich zu sammeln, um über vieles nachzudenken, Erfahrungen zu verarbeiten. So konnten in einem ruhigen, kreativen Prozess neue Songs und neue Texte entstehen und langsam wachsen. Ganz frei von irgendeinem Druck“, sagt „Wort-Ton“, alias Sven Wendelmuth aus Wittenberge. Und wie man es von „Wort-Ton“ nicht anders kennt, entführt er die Hörer in seine musikalische Lyrikwelt: Mal melancholisch-ruhig, dann wieder kraftvoll und tanzbar. Textlich mal düster-traurig, mal wütend-laut, dann wieder auch leise-hoffnungsvoll. (Quelle: PR-Text / Sven Wendelmuth)

„Regen in Moll“ ist wahrlich eine treffende Einstimmung auf dieses Album: Regen prasselt herab, Melancholie greift um sich und die Seele weint schon bereits beim Intro des ersten Titels. Der schnelle Beat nach dem langen Intro ist gut tanzbar. Die Poesie entsteht bei „Wort-Ton“ durch die poetischen Wortbilder. Der zweite Track „Königskinder“ frönt zusammen mit Sänger Casi von RROYCE dem Synthiepop vom Feinsten. Die äußerst eingängige Melodie unterfüttert die märchenhafte Geschichte der Königskinder. Die Ballade „Schlafend Kind“ erweckt mit ihrer starken Bildersprache sehr persönliche Empfindungen und fängt die Intimität inniger Momente ein. Der nächste Titel. „Wir sind startet mit einem recht akustisches Gitarren-Intro, steigert sich aber zum Ende hin ins Hymnische. „Dunkelheit (ins Licht)“ klingt leicht nach „Blutengel“, auch was den den emotionale Gastgesang von Melanie Zaake angeht. In diesem Track liegt auf der Stimme von Sänger und Kopf der Band Sven Wendelmuth ein leicht verzerrter Effekt. Das ist hübscher dunkler Elektropop mit leichten Future-Pop Anleihen. Im nächsten Track „Schutzlos“ werden verzerrte Shouts eingesetzt und auch der Grundton des Liedes ist mit einem Hauch Aggression ausgestattet. „Scherben“ prägt untergründig ein gradliniges EBM-Thema. Die Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Elektropop-Band „Noyce™“ gestaltet sich sehr belebend auf das Tempo des Titels, der eine feine Tanznummer geworden ist. Eine weitere Zusammenarbeit und ein perfekter Tanzbodenkiller gibt es mit „Sara Noxx“ im Track „Zerfall“ auf die Ohren. Die beiden Stimmen erklingen unterschiedlich, weil die von Sara Noxx mit Effekten verfremdet wurde, was der textlichen Bedeutung die richtige „Stimme“ gibt. „Mondmeer (2018)“ lässt sowohl sehr technische als auch sanfte Klänge hören, was sich zu einem Dark Wave-Ambiente verbindet. Wie es der Titel andeutet, geht es um „Abschied“. Entsprechend reich gesättigt sind die melodiös-melancholischen Aspekte passend zur Thematik. Donnereffekte im Hintergrund setzen der sentimentalen Theatralik noch eines drauf. Das ist schon recht dick aufgetragen. Das Instrumentalstück „Nach dem Herbst“ bietet eine schöne Klangkulisse zum Tanzen und Träumen. Es bleibt nur wenig Raum für Melancholie, denn die Herbstsonne scheint durch die Bäume. Es folgen drei Remixe. „Königskinder feat. RROYCE“ wählt einen sanften Einstieg mit plüschig weichem Soundteppich. Der Remix wurde von „Seelennacht“ erstellt. Dessen Kopf ist Marc Ziegler, unter dessen Label „Future-Fame“ das Album das Licht der Welt erblickte. Da liegt es nahe, sich mit einem Remix auf dem Album einzubringen. Dieser Remix wirkt emotional schwerer als das Original. Es folgt ein Remix zu „Zerfall feat. Sara Noxx“ von der Electro-Formation „The Eternal Afflict“, die diesem Stück ein rasanter Dark Electro Touch und mehr rhythmischer Drive verliehen haben. Das steht diesem Lied gut zu Gesicht. Der letzte Remix „Königskinder feat. RROYCE“ stammt von „Silverwavemusic“. Der Sound erhält eine Nuance ins Poppige, aber mit einem surrealen Touch durch die Verfremdungen der Stimme und der locker dahin wippenden Melodie.

Fazit: Nachdenkliches und Kritisches verbinden sich mit romantischen Momenten der Herbstzeit und werden auf synthiepoppige Elektromelodien gegossen. Der Gesang ist mehr dem gesprochenen Wort und seinem Ausdruck verpflichtet als der Melodie. Die Musik scheint der Hintergrund zu sein, auf dem sich die Texte ausbreiten. Die Texte bedienen sich einer schier ausufernden Metaphorik: Regen, Sand, Wasser, Licht, Dunkelheit und vor allem der Mond sind Sinnbilder in den poetischen Sprechgesängen von „Wort-Ton“. Die Musik ist Träger der textlichen Botschaften und fast durchweg tanzbar, eingängig, aber niemals im Vordergrund stehend. Dafür gibt es ja das Instrumentalstück. Dieses Album ist für melan- cholische Nachtschwärmer, Herbstromantiker und Menschen gemacht, die in Musik noch den Sinn entdecken, den Wörtern nachzuspüren.

Tracklist:

01 Regen in Moll
02 Königskinder feat. RROYCE
03 Schlafend Kind
04 Wir sind
05 Dunkelheit (ins Licht)
06 Schutzlos
07 Scherben feat. Noyce TM
08 Zerfall feat. Sara Noxx
09 Mondmeer (2018)
10 Abschied
11 Nach Dem Herbst

Bonus:

12 Königskinder feat. RROYCE (Seelennacht Remix)
13 Zerfall feat. Sara Noxx (The Eternal Afflict Remix)
14 Königskinder feat. RROYCE (Silverwavemusic Remix)

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VÖ: 05.10.2018
Genre: Elektronisch / Musik-Lyrik
Label: Future Fame

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