Within Temptation – Resist (CD-Kritik)

Within Temptation

Da ist es nun also: Album Nummer sieben der niederländischen Symphonic Metaller Within Temptation, mittlerweile Stammkunden in den Deutschen Top-10 und in der holländischen Heimat auch mehrfach Gipfelstürmer, unter anderem auch mit dem Vorgänger „Hydra“. Das neue Werk trägt den Titel „Resist“, umfasst 10 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 47 Minuten und hat ein ziemlich geiles Artwork. Doch die Hülle kann noch so schön sein, wichtig ist, dass es knallt, wenn man die Platte auflegt.

Und das tut es. Mit der Single „The Reckoning“ schmettert ein ziemlich praller Opener daher, der in Zusammenarbeit mit Jacoby von Papa Roach aufgenommen wurde. Ziemlich geile Melodie, ein Text, der die Albumthematik des Widerstands mit aufgreift, und eine gewisse Massentauglichkeit, die dem Album jedoch nicht unbedingt schadet. Die Platte wurde, nach Aussagen der Band, auch durch moderne Popmusik inspiriert. Within Temptation pressen jedoch nicht ihren Sound in Richtung Pop, sie pressen den Pop-Sound in ihre Richtung. Das wird auch deutlich auf „Endless War“, das ziemlich episch ist. Sharon den Adel ist eine hammermäßige Sängerin, und dieser Song hat mindestens genauso großen musikalischen Appeal wie Evanescences größter Hit, wenn nicht sogar mehr. Ziemlich geiler Song, der nicht daran scheitert, den Hörer mitzureißen. Das Ganze noch mit ein wenig Kritik an den momentan auf der Welt stattfindenden Kriege – ich denke besonders an die Auseinandersetzungen, in die sich die USA mit großer Regelmäßigkeit einweben – und schon hat man einen tollen Song, der frisch, unverbraucht und einnehmend klingt.

Mystisches Hauchen leitet „Raise Your Banner“ ein, ehe ein chorgetragenes und metalliges Gewitter über uns einbricht. Die Vocals klingen ziemlich gut, die Screams von Anders Fridén tragen einiges zu der Atmosphäre dieses Stücks bei, das das unterstreicht, was ich an Symphonic Metal ziemlich geil finde. Orchestrale Klänge können genauso wirken wie die härtesten Gitarren, man steht da mit offenem Mund und kann die Größe des Klangs einfach nicht fassen. Wie bei einem richtig guten Film-Soundtrack. Hier wird beides gut vereint, mit knackigem Gesang garniert, und es klappt besser als bei vielen anderen Bands derselben Richtung. Auch „Supernova“ ist ein weiteres Beispiel für einen Song, bei dem die Pop-Elemente, die sich darin erkennen lassen, hauptsächlich zum Hörgenuss beitragen, als dem Song irgendwas von seiner Stärke zu nehmen. Es ist sehr melodiös, den Adel macht sich wunderbar als starke Frontfrau, die Produktion klingt ziemlich famos (teilweise werden Metal-Songs von den Regeldrehern im Nachhinein eher zu einem Klangbrei zusammenproduziert, hier klingt alles schon ziemlich fett und dreidimensional) und diesen Song können nicht nur Leute mitgrölen, die gerne Nightwish hören, sondern vielleicht auch ein paar Fans von Sängerinnen wie Adele oder K.Flay.

„Holy Ground“ klingt zwischenzeitlich fast nach Lady Gaga. In den Strophen lässt sich die ein oder andere Parallele zu Rap/Nu-Metal finden, allerdings ohne die Cheesiness. Sehr würdevoll und trotzdem fantastisch abgehend werden hier Chöre, Streicher und anderes Orchestrales mit prallen Gitarren, dem einen oder anderen Synthie, schönen Melodien, harten Drums und einer krassen Stimme, die selbst zum Instrument erhoben wird, gemischt, und das, ohne nur etwas für jene zu bieten, die den analytischen Gedanken am Metal lieben. Within Temptation wissen, zu gefallen, und gute Songs zu produzieren, die jedem klarmachen, worum es geht. Und es macht Spaß, zu hören.

Hier wird nicht nur alter Wein in neuen Schläuchen serviert, hier wird das schon Dagewesene nicht verachtet oder hintergangen, sondern aufgepeppt, modernisiert, und mit enormer Eingän- gigkeit und Emotion verfeinert, sodass es einfach funktioniert. Ja, man merkt, dass hier mit Techniken gearbeitet wurden, die dem Album zu größerer Zugänglichkeit verhelfen. Und es gefällt mir ziemlich gut, denn diese Elemente werden sehr gut und stilvoll eingewoben, ohne die Bandmitglieder, die an den Instrumenten alles geben, als geldgeile Fanverräter dastehen zu lassen.

„In Vain“ ist eine Nummer mit einigen futuristischen Synthesizer-Sounds, hier und da sogar Trap-Drums und positiven Rock-Vibes, garniert mit einer Hook, bei der ich die Augen schließen möchte, um in Gedanken die Gesangslinie mitzufliegen. „Firelight“ ist eine fantastische Powerballade mit Jasper Steverlinck als Duettpartner, dessen warme Stimme sich mit dem fast schon hypnotischen Instrumental ins Hirn des Hörers bohrt und ihn vier Minuten und 47 Sekunden nicht loslässt. „Mad World“ ist ein Mitwipper, sehr elektronisch angereichert. Die Electro-Sounds in Verbindung mit Gitarren und Streichern verleihen dem Song eine gewisse Dreidimensionalität. Und wenn ihm Refrain auf den Adels „We’re living in a mad world“ ein Männerchor „Mad world!!“ zurückbrüllt, gehe ich heimlich im Kopf mit ab.

Zum Abschluss wird es aber nochmal besonders geil: Wem „Mercy Mirror“ ein wenig zu kompromissbereit und zu wenig Lärm war, der wird in „Trophy Hunter“ von einigen sehr mörderischen Gitarrenriffs begrüßt, die definitiv nichts Gutes im Schilde führen. Das Album endet mit sechs Minuten ziemlicher Epicness und Breitseite, Within Temptation bauen ihr musikalisches Monument „Resist“ zu voller Größe auf, und es knallt. Es knallt gewaltig. Was für ein phänomenaler Abschluss!

Fazit: Ein wirklich gutes Album, das sich den Staub, der sich allmählich auf der Symphonic Metal-Domäne abgesetzt hat, lässig von der Schulter klopft, modern, am Puls der Zeit und mit viel Musikalität direkt beim Hörer durchsteigt und ziemlich episch, groß, und eingängig klingt. Gut gemacht, Within Temptation! Ihr habt vielleicht nicht das trveste oder brutalste Album aller Zeiten gemacht, aber danach hat auch niemand gefragt, denn dies ist eine beeindruckende Platte geworden, die absoluten Hörgenuss bietet. Ein ziemlich geiles Statement, das zurecht von dem ein oder anderen Kritiker als bisher bestes Werk der Band bezeichnet wird. Beste Tracks gibt es nicht, das Soundkonzept zieht sich durch die gesamte Platte und funktioniert durchgängig. Hervorzuheben sind jedoch für mich noch einmal „The Reckoning“, „Endless War“ und „Trophy Hunter“.

Tracklist:

01 The Reckoning (feat. Jacoby Shaddix)
02 Endless War
03 Raise Your Banner (feat. Anders Fridén)
04 Supernova
05 Holy Ground
06 In Vain
07 Firelight (feat. Jasper Steverlinck)
08 Mad World
09 Mercy Mirror
10 Trophy Hunter

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VÖ: 01.02.2019
Genre: Symphonic Metal
Label: Vertigo Berlin (Universal Music)

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