Versengold – Nordlicht (CD-Kritik)

VERSENGOLD

VERSENGOLD geht immer. Immer wenn man tanzen möchte. Immer wenn man lachen möchte und immer wenn einem der Sinn nach guter Laune steht. Kaum eine Band hat es so sehr perfektioniert mit ihren Klängen Schwung ins Tanzbein und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das letzte Album Funkenflug war schon ein Kracher für alle Fans des Irish Folk und nun legen die Nordmänner eine Schippe drauf. Passend zu ihrer Heimat haben sie den neuen Langspieler mit Nordlicht betitelt und auch den einen oder anderen Song dieser gewidmet. Aber VERSENGOLD geht auch immer, wenn es darum geht den Finger in die Wunde zu legen und Missstände aufzuzeigen. Nordlicht bietet also eine Stimmungsflut, die einen binnen Sekunden ganz hoch steigen, aber auch ganz tief fallen lässt.

„Durch den Sturm“ startet genau so wie man es von VERSENGOLD erwartet und gehofft hat. Melodisch-poppig mit ordentlich Gefiedel ziehen bereits die ersten Klänge den Hörer tief in das Geschehen. Mein persönliches Highlight folgt direkt als zweiter Track. „Thekenmädchen“ erzählt von der altbekannten Weisheit sich nie nie nie, niemals nie in das Mädchen hinter der Bar zu verlieben. Die Geschichte wird humorvoll erzählt und untermalt von mitreißenden Klängen. Alleine der Refrain verbreitet binnen Sekunde so gute Laune, dass man sofort aufspringen und tanzen möchte. Als Thekenmädchen kann ich übrigens aus erster Quelle bestätigen, dass man diesem Rat unbedingt folgen sollte. „Thekenmädchen“ war die erste Singleauskopplung von Nordlicht (vollkommen zurecht) und wurde mit einem absolut passendem Musikvideo abgerundet, dass dem Song noch die Krone aufsetzt. Die Geschichte vom Schmugglerkönig „De rode Gerd“ hat auch eine wunderschöne musikalische Untermalung bekommen. Der rothaarige Hühne mit dem schwarzen Handschuh war Mitte des neunzehnten Jahrhunderts berühmt und berüchtigt, und konnte bis zu seinem dramatischen Tod Angst und Schrecken auf dem Teufelsmoor verbreiten. Mit schwungvollen Klängen wird die Legende wieder auferweckt und verbreitet. „Küstenkind“ ist eine gesungene Liebeserklärung an den Norden und das Meer. Fast schon melancholisch gehört dieser Song zu den ruhigeren Songs des Albums, verbreitet nichts desto trotz eine unfassbar angenehme Stimmung, was natürlich auch an der unfassbar „vielsaitigen“ Melodie liegt, die einen wie auf Wolken trägt. Ihre ganz eigene Interpretation der Entstehung der Welt liefern Versengold mit „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“. Ein flotter Rhythmus, klare Geigenklänge und ein humorvoller Text tun ihr übriges, dass man sofort zum Krug greifen möchte und im Anschluss bereit ist die Tanzfläche zu stürmen. Wer hier still sitzen kann hat absolut kein Rhythmusgefühl, den der steckt hier ganz tief drinnen. Die traurige Geschichte vom Tod mehr als 10.000 Menschen wird in „Winterflut 1717“ erzählt. Die auch Weihnachtsflut genannte Sturmflut wurde von einem plötzlich einsetzenden Nordweststurm verursacht und kostetet sowohl an der deutschen als auch an der niederländischen und dänischen Küste zahlreiche Leben. Diese dramatische Geschichte bekommt einen mehr als würdigen Song gewidmet, Treiben und druckvoll geht die Melodie voran, schafft es aber trotzdem eine dramatische Stimmung zu verbreiten, die den Hörer etwas beklommen zurücklässt.

Nachdem die Stimmung eh schon etwas gedrückt ist, passt „Erinnere dich (Ein Lied das nicht vergisst)“. Dieser Song geht unter die Haut und lässt wohl jeden mit einem Tränchen im Auge zurück. Besungen wird hier das Thema Demenz, welches wohl jeden mal betreffen kann. Auf unfassbar ehrliche, aber respektvolle Weiße, widmet sich die Band einem Thema das in unserer heutigen Gesellschaft immer noch viel zu wenig thematisiert wird. Wieder fröhlich und auch ziemlich flott wird es bei „Butter bei die Fische“. Ein Song der es einem unfassbar leicht macht mitten im Moment zu Leben und jeden dieser zu genießen. Bei „Teufelstanz“ leiht Laura Fella von Faun den Männern ihre Stimme und man muss sagen, dass funktioniert verdammt gut. Die eh schon markante Stimme von Malte Hoyer harmoniert ganz hervorragend mit den hohen Klängen von Fella. Ganz, ganz anders, viel bedrohlicher und ziemlich bedrückend startet „Meer aus Tränen“. Tiefe Klänge, langge- zogene Geigenpassagen und ein eingehender Text bieten fast fünf Minuten Raum für das brisante Thema Flüchtlingskriese. Ein mutiger, provokanter Text, der ziemlich deutlich zeigt, in was für einer Überflussgesellschaft wir leben, während andere ihr Leben riskieren um überhaupt Leben zu können. Auch bei „Die Blätter, die im Frühling fallen“ ist die Stimmung eher drückend. Ein wunderschönes, sanftes Gitarrenriff führt in den Song und trägt diesen auch über seine gesamte Dauer. Alle anderen Instrumente werden eher hintergründlich gehalten und bieten Raum für den einnehmenden Text. „Weit, weit weg“ ist vom Text zu Beginn zwar traurig, die Melodie aber zieht den Hörer langsam, aber sicher wieder in eine positive Stimmung hinein. Endgültig positiv und wieder flott wird es in „Braune Pfeifen“. Ein Lied des sich auf unfassbar positive Weiße gegen den Rechtsruck der Gesellschaft stellt. Die Geige steht hier oft im Vordergrund und sorgt immer wieder für Raum der im Anschluss klangvoll eingenommen wird. Den krönenden Abschluss bildet „Wohin wir auch gehen“. Ein Song über Zusammenhalt und Freundschaft der ganz tief ins Herz trifft und einen mit einem unfassbar positiven Gefühl zurücklässt.

Fazit: VERSENGOLD sind erwachsen geworden. So kann man dieses Album denke ich ziemlich gut betiteln. Der Mut brisante Themen anzusprechen, ihnen mit dem nötigen Respekt zu begegnen und sie auf hervorragende Weiße zu vertonen zieht sich durch das gesamte Werk. Natürlich fehlen auch echte Kracher und stimmungsvolle Partysongs nicht. Im Großen und Ganzen ist Nordlicht aber deutlich ernster als man es von VERSENGOLD erwarten könnte. Die schmale Gratwanderung zwischen Freude und Trauer ist hier aber definitiv gelungen und so hat sich Nordlicht vom ersten bis zum letzten Takt in mein Herz gespielt. Wer sich übrigens für alle Hintergründe und Geschichten hinter den einzelnen Songs interessiert, dem ist die „Torfkahn-Talk“ Videoreihe auf dem VERSENGOLD YouTube Kanal zu empfehlen. Hier erfährt man noch so manches interessantes Detail zu allen Songs und deren Entstehungsgeschichte.

Tracklist:

01. Durch den Sturm
02. Thekenmädchen
03. De rode Gerd
04. Küstenkind
05. Der Tag, an dem die Götter sich betranken
06. Winterflut 1717
07. Erinnere dich (Ein Lied, das nicht vergisst)
08. Butter bei die Fische
09. Teufelstanz (+ Laura Fella)
10. Meer aus Tränen
11. Die Blätter, die im Frühling fallen
12. Weit, weit, weg
13. Braune Pfeifen
14. Wohin wir auch gehen

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VÖ: 28.06.2019
Genre: Folk-Rock
Label: Rca Deutschland (Sony Music)

VERSENGOLD „Nordlicht“-Clubtour 2019

03.10.2019 Frankfurt, Batschkapp
04.10.2019 Erfut, HsD
05.10.2019 Dresden, Alter Schlachthof
10.10.2019 Aurich, Stadthalle
11.10.2019 Osnabrück, Hyde Park
12.10.2019 Köln, Live Music Hall
18.10.2019 Bremen, Aladin
19.10.2019 Berlin, Huxleys
23.10.2019 Salzburg (AT), Rockhouse
24.10.2019 Wien (AT), WUK
25.10.2019 Nürnberg, Löwensaal
26.10.2019 München, Backstage
30.10.2019 Pratteln (CH), Z7
31.10.2019 Karlsruhe, Substage
01.11.2019 Hannover, Capitol
02.11.2019 Oberhausen, Turbinenhalle
08.11.2019 Hamburg, Große Freiheit 36

VERSENGOLD im Web:

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