Stomper 98 – Althergebracht (CD-Kritik)

Stomper 98

Happy Birthday Stomper 98! 20 Jahre haben die Herren jetzt schon auf dem Buckel und zu ihrem Runden beschenken sie sich selbst! Sechs Jahre ist das letzte Album der Rocker nun schon her. „… Bis Hierher!“ erschien 2012 und seitdem mussten Fans lange warten, endlich wieder einen Langspieler in den Händen zu halten. Zeit für ein neues Werk. Pünktlich zum Geburtstag am 30.03.2018 erscheint das 13 Song umfassende Album „Althergebracht“. Produziert wurde ganz deutschpunk-untypisch mit Michael Rosen, der schon für viele Klassiker verant- wortlich zeichnet, in Berkeley/Kalifornien . „Althergebracht“ ist nicht nur seit langer Zeit wieder ein neues Album, sondern auch die erste Platte mit dem neuen Gitarristen Lars Frederiksen (Rancid).

„Skinhead“ heißt der erste Song und geht gleich richtig ins Blut. Schrammende Gitarre und schriller Gesang leiten in den Song. Das dominante Schlagzeug trägt durch den Song und führt durch die geschickt eingebauten Rhythmuswechsel. Ein Bekenntnis an alle Skinheads und gleichzeitig irgendwie auch ein Liebesbekenntnis und ein Schwur zum Zusammenhalt. Balsam auf der Seele von allen Fans. Etwas rhythmischer und weniger kratzig ist der zweite Song „Wir folgen den Rufen“. Hintergründliche Chöre machen den Song zu einen Ohrwurm-Garant und die Gitarrensolos sind absolut klasse. Der Song hat das perfekte Tempo, ganz und gar nicht langsam, aber auch nicht zu schnell. Absolut hervorragend um sich treiben zu lassen und in Erinnerungen zu schwelgen. Ähnlich läuft es auch in „Keine Helden“ ab. Ein langes Intro leitet in den Song und verführt zum Füße wippen. Der Gesang wieder schriller und kratziger. Der Titel ´Keine Helden´ wird geschickt in den Songtext außerhalb des Refrains integriert und macht richtig Spaß. Die Strophen reißen etwas aus dem Fluss des Songs, aber erzeugen dennoch keinen harten Bruch. Mit einer überaus dominanten Gitarre und flottem Schlagzeug geht es in „Gesetz der Straße“ los. Ein überaus hektischer und kritischer Song. Textlich ein Paradebeispiel und ein Aufruf gegen Vorurteile, musikalisch wegen des hohen Tempos und der Hektik schwer zu hören und zu folgen. „Nichts ist für immer“ ist das genaue Gegenteil. Die Gitarre gibt einen klaren Rhythmus vor und trägt so durch den gesamten Song. Der Übergang von Refrain zu Strophen ist fast fließend und kurze ruhigere Passagen fügen sich hier gut ein. Klirrende Schlagzeugklänge führen in „Für den Augenblick“. Auch hier gibt es ein langes Intro, das musikalisch sehr dominant gehalten ist und sich erst mit Einsatz des Gesangs in eine melodische Schiene fügt. Textlich ein bisschen Nostalgie und Wehmut, musikalisch ziemlich derbe. Gelungene Kombination. Ruhige Klänge mit vordergründlicher Gitarre schlagen die Männer in „Freiheit“ an. Ein Aufruf zum Kampf für die Freiheit, zum Einstehen für die eigenen Rechte und an sich selbst zu glauben. Untermalt von leisen Gitarrenklängen eine absolut ergreifende und absolut gelungene Nummer. Fettes Kontrastprogramm folgt aber so gleich. „Agenda der Angst“ legt mit ordentlich Tempo los und hält diese auch bis zum Ende durch. Hier ist ein absoluter Ohrenschmaus der markante Refrain, der sicher eine Weile im Kopf bleiben wird. Track Nummer neun trägt den Titel „Diese Nacht“. Eine Mischung aus Trinklied und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Eine Ode an die Freundschaft untermalt von rhythmischen Instrumenten, die dem Song zu leichter Kost machen und ihn dennoch so gut wie unvergesslich machen. Der Titeltrack „Alther- gebracht“ ist das absolute Highlight des Albums. Hier merkt man besonders, dass viel Liebe und Herzblut im Song drin stecken. Ein sehr persönlicher Text, der die Geschichte der Band anreißt und alle Standpunkte bestätigt und wie eine Faust in die Gesichter der Kritiker schallt. Man merkt aber auch ganz deutlich, auch wenn sie althergebracht sind, haben sie noch lange nicht genug. Ähnlich geht es weiter mit „Wir stehen hier“. Allerdings wird der Blick hier mehr in die Zukunft als in die Vergangenheit gerichtet und nochmals mit allen Kritikern abgerechnet. „Die Todgeweihten grüßen euch“ beginnt sehr rhythmisch und wechselt im Laufe des Songs immer zwischen unrhythmischen und rhythmischen Passagen. Sehr gewagt, aber hier absolut gelungen. Vor allem der Refrain ist sehr gelungen und hat wieder Ohrwurmpotential. Der letzte Track „Alter Freund“ wartet wieder mit einem langen, sich immer weiter steigerndem Intro auf. Zum Abschluss zeigen sich Stomper 98 noch einmal von ihrer besten Seite und legen ein klares Statement auf die Scheibe und machen gleichzeitig Hoffnung auf mehr, was hoffentlich bald folgt.

Fazit: Mit „Die Todgeweihten grüßen euch“ ist alles gesagt. Totgeglaubte leben länger wird hier bestätigt. Lange war es still um Stomper 98, aber mit Althergebracht knüpfen sie an alte Erfolge an, erfinden sich neu, ohne aber sich dabei zu verraten. Man merkt den Herren ihr Alter definitiv nicht an und hoffentlich schaffen wir alle zusammen noch einmal 20 Jahre Stomper 98!

Tracklist:

01 Skinhead
02 Wir folgen den Rufen
03 Keine Helden
04 Gesetz der Straße
05 Nichts ist für immer
06 Für den Augenblick
07 Freiheit
08 Agenda der Angst
09 Diese Nacht
10 Althergebracht
11 Wir stehen hier
12 Die Todgeweihten grüßen euch
13 Alter Freund

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VÖ: 30.03.2018
Genre: Street Rock’n’Roll
Label: Contra Records

Stomper 98 im Web:

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