SITD – Stunde X (CD-Kritik)

SITD

Über 20 Jahre ist es nun schon her als zwei Bochumer beschlossen haben ein neues Musikprojekt ins Leben zu rufen. Unter dem Namen SHADOWS IN THE DARK wollten Carsten Jacek und Thorsten Lau in der Szene durchstarten. Von diesen beiden ist nur Carsten am Ball geblieben und ist mit seinen Mitmusikanten nun eher unter dem Namen SITD bekannt. Dumpfe Melodien gepaart mit düsteren Vocals und tanzbaren Beats. So kennen und lieben die Fans ihr Trio aus dem Ruhrgebiet. Die Erfolgsformation, die seit 2003 unverändert in der Besetzung Carsten Jacek (Vocals, Lyrics), Thomas ‘Tom’ Lesczenski (Music, Programming, Backing Vocals) Francesco ‘Frank’ D’ Angelo (Keyboards, Backing Vocals) an einem Strang ziehen, machen mit jeder Veröffentlichung einmal mehr deutlich, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. “STUNDE X“ – so lautet der Name des mittlerweile achten Studioalbums, das am 10.05.2019 via Infacted Recordings erschien.

Der Opener „Greater Heights“ ist ein typischer, sphärischer SITD-Titel mit einem schön getragenen Rhythmus, der gut auf der Tanzfläche geht. Wunderschön ist der klare Glockenklang am Ende. Technisch kratzig beginnt „God’s Blessing“, ein weiterer Kracher mit Industrial-Härte und Rauheit — vor allem in Carsten Jaceks Stimme. „Revelation“ startet langsam, sphärische Nebelschwaden steigen auf und formen sich zu einer ganz emotional ergreifenden Hymne. „Sturmlicht“ ist die Ende April veröffentlichte Single, die mit industriell geprägtem Hammerschlägen unterlegt mit weichen Soundteppichen und Weckerticken beginnt. Es ist das erste Stück des Albums in deutscher Sprache. Der Track klingt im Vergleich recht poppig, aber wird wie vom Trio bereits bekannt, mit charmanter Schroffheit angeschliffen. „Drowning In The Flame“ erinnert ziemlich an VNV-Nation. Der Sound der Stimme ist anders als sonst von den Soundtüftlern gewohnt, nämlich weicher mit mehr Chorus. Mit überraschend anderen Klängen wartet „Symptom“ auch mit mächtig viel Rumms auf, lasziv als Instrumental in Szene gesetzt. Der nächste Track „Olymp“ knallt einem den trockenen Bass um die Ohren, der aber SITD-typisch auf weichen Sound- teppichen gebettet wird. Aufhören lässt die Roboterstimme am Anfang und Ende. Ganz weiche Soundteppiche eröffnen „Miscreed“, die fies fiepsenden metallischen Soundein- sprengsel setzen den Kontrast in dem betont langsamen Titel. Der Break bei exakt 3:33 ist fantastisch, überraschend und klingt japanisch angehaucht. Toll, wie danach die Dynamik wieder aufgebaut wird und an das nächste Stück „Benediction“ weitergegeben wird. Der einem (Elektro-) Cembalo ähnlich klingende Sound ist klasse. Die letzten beiden Titel sind wieder ganz die alten SITD, düster, rau und doch voller Emotion und Sehnsucht. „Grenzen- los“ — tanze, was du tanzen kannst, das ist die Devise dieses Titels, der in den Spuren des legendären „Rot“ wandelt. Tatsächlich ist auf sagenhafte 9:35 grenzenloses Tanzen möglich. Man mag gar nicht aufhören. Das mit knapp 3 min kurze „Orbiter“ fällt mit seiner melancholischen Theatralik aus dem Rahmen. Das sinfonisch anmutende Ende schließt das Album würdevoll ab: tief einatmen, ausatmen, wirken lassen.

Fazit: Mehr Gefühl, mehr Herz und etwas mehr rhythmische Raffinesse entwickelt das 8. Album der Elektroband aus dem Ruhrgebiet. Hat der Wechsel zum Label Infacted Recordings, das auf elektronische Musik (EBM, Electro, Synthpop, Futurepop) spezialisiert ist, zu neuem Kreativpotenzial geführt? “STUNDE X“ entfaltet seine Wirkung erst nach mehrmaligem Hören — das geht tiefer und richtig ins Herz. SITD kommen auf der neuen Platte nicht nur verspielter, differenzierter, aber auch etwas geschliffener rüber, sondern sorgen bei einigen Tracks auch für neue Soundeindrücke. Alles in allem ist der Silberling eine runde Sache und steht für eine sorgfältige Arbeit und kreative Weiterentwicklung der Band.

Tracklist:

01 Greater Heights
02 God’s Blessing
03 Revelation
04 Sturmlicht
05 Drowning In The Flame
06 Symptom
07 Olymp
08 Miscreed
09 Benediction
10 Grenzenlos
11 Orbiter

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VÖ: 10.05.2019
Genre: EBM / Industrial / Electro / Future Pop
Label: Infacted Recordings

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