SCHWARZ – White Room (CD-Kritik)

SCHWARZ

Hinter dem Projekt SCHWARZ verbirgt sich das kreative Multitalent Roland Meyer de Voltaire: Weltenbummler, Singer und Songwriter und Produzent für Filmmusik. Den einen oder anderen dürfte er auch als Ex-Frontmann der Indie-Band VOLTAIRE oder durch sein Mitwirken auf SCHILLERs neuestem Album „Morgenstund“ bekannt sein. Entsprechend seiner Biografie gibt sich Meyer de Voltaire auf seinem Soloprojekt kosmopolitisch, dessen negativer Gegenpol dem Sitzen zwischen den Stühlen entspricht. Im Mai erschien nun mit „White Room“ das Debütalbum via Styleheads Music (Rough Trade).

Das Erstlingswerk startet mit der ersten Singleauskopplung „The Others“. Der Track steigt mit fetten, aber sanften Streichern, einem dumpfen, langsamen Beat und moderater, orchestraler Untermalung ein. Das klingt nach einem heißen Sommertag in einer Metropole. Der Sound, der sich wie ein rückwärts gespieltes Keyboard anhört, hat ziemlich hypnotischen Charakter und prägt den Klang des ganzen Albums. Der nächste Titel „I Stand“ geht ebenso lässig zu Werke mit einem gehörigen Schuss elegantem Pop, der sich herrlich dynamisch zu einer geschmeidigen Slowdance Nummer entfaltet. In diesem ruhigen Tempo geht es weiter mit der nächsten Single „Outside Looking In“, einer veritablen Chill-out-Nummer. Schöne analoge Sounds bereichern „Cold Sunlight“ zu einem kräftigen Beat — das ist Deep House vom Feinsten. Irgendwie kommen mir innere Bilder von relaxten Menschen an Strandbars in den Sinn und der Titel „Book of Love“ von Felix Jaehn, der eine recht ähnlich Klangstruktur hat. Eine zarte und feinsinnige Nummer ist „Change“, der melancholische Momente hinterherzuwehen scheinen. Beim Titel „Dream“ bestätigt sich der anfängliche Verdacht, dass Roland Meyer de Voltaire nicht nur hoch singen kann, sondern jede Menge Swing in der Stimme hat. Schwermütige Klavierschläge tragen „Empty Space“ und den Gesang direkt ins Gemüt. Der Titel ist eine eindringliche Ballade. Die schrägen elektronischen Zwischentöne wirken etwas verstörend experimen- tell. Der namengebende Titel „White Room“ ist wohl das radiotauglichste Stück auf dem Album neben „Outside Looking In“. Elegant und poppig rauscht es durch den Äther und keine andere Haltung als relaxt passt dazu. Die perkussiven Beats sind gelungen. Das minimalistische „Beneath The Skin“ kommt cool mit der fast im Flüstermodus arbeitenden Stimme. Ganz leise im Hintergrund ist ab und zu sowas wie das Summen einer (elektronischen) Fliege von links nach rechts zu hören. „Good Time“ imitiert lässig den Disco Stil und man kann sich dem Drang mit dem Fuß oder was auch immer zu wippen nicht entziehen. Der Text spricht aber von etwas anderem als der guten Zeit — da muss es mehr geben als das. Eine ziemlich interessante Interpretation eines Drum’n’Bass Themas enthält „Ghost Of You“, der leicht psychedelisches Flair verbreitet, als ob der besungene Geist hinter dem Sänger her wäre. „Shine“ erinnert an die Zusammenarbeit mit „Schiller“. Da hört man die Schnittmenge der beiden Künstler. Ansonsten dürfen Violinen für den gewissen Schmelz sorgen. „Leftwing Duckling“ ist ein grandioser Song mit zutiefst emotionaler Qualität. Wunderschön passend dazu ist das Video mit seinen Farben und verschwommenen Einstellungen. Einsam nach einer Nacht wie im Rausch aufzuwachen — welch ein Schock. Das Thema Illusion und der (harte) Zusammenstoß mit der Realität zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Album wie ein roter Faden.

Fazit: Die Atmosphäre des Albums changiert zwischen filmreifen Ambiente, elektronischer Eleganz und chilligem House. Darüber gegossen Rolands Ohren schmeichelnde Kopf- stimme, die an manchen Stellen ein Robbie Williams verdächtiges Timbre hören lässt. Aus der Perspektive des „Gothic Universums“ betrachtet, ist SCHWARZ ein Projekt, das über den Tellerrand der Szene rezipiert wird und viel eher in den Sphären des Deep House seine Heimat findet. „White Room“ strotzt nur so vor innerer Coolness, flirrender Sommerhitze und einer geschmeidigen Laxness. Die tiefsinnigen Texte stellen dies in Frage: Es ist nicht alles wahr, was es scheint, und das fragile Spiel der Illusionen kracht auf den Boden der Realität. Der Silberling bereichert als ein etwas „exotischeres“ Album durchaus auch die Playlist eines eingefleischten Goths.

Tracklist:

01. The Others
02. I Stand
03. Outside Looking In
04. Cold Sunlight
05. Change
06. Dream
07. Empty Space
08. White Room
09. Beneath The Skin
10. Good Time
11. Ghost Of You
12. Shine
13. Leftwing Duckling

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VÖ: 24.05.2019
Genre:
Label: Styleheads Music (Rough Trade)

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