Schandmaul – Artus (CD-Kritik)

Schandmaul

Schandmaul gehören seit mehr als einem Jahrzehnt zu den ganz großen Stars der Mittelalter und Folkszene in Deutschland. Jahr für Jahr, Album für Album demonstriert die Münchner Truppe um Sänger Thomas Lindner, dass Sie nicht mehr von der Spitze wegzudenken sind. Ihr letztes Album LeuchtFeuer hielt sich sage und schreibe neun Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Das ist ein großartiger Erfolg, an den die Band anknüpfen möchte. Mir Artus wollen Sie jetzt drei Jahre später beweisen, dass der Zenit noch nicht erreicht ist.

„Der Meisterdieb“ eröffnet den Langspieler auf melodische Art und Weise. Typischer Schandmaul-Sound erzählt die Geschichte von Robin Hood und seinen Raubzügen. Auf den Dieb folgt „Der Totengräber“. Auch wenn der Titel eher traurig und melancholisch klingt, ist der Song überaus freudig und lädt zum Tanzen ein. Fröhlicher Flötenklänge tragen leicht und flockig durch den Song. Etwas rockiger kommt direkt im Anschluss „Vagabunden“ daher. Flott und dominiert von Dudelsackklängen wird der Vergangenheit gefrönt und an alte Zeiten gedacht und das Beste von damals in die heutige Zeit transportiert. Gleichzeitig auch ein Zeichen, dass es noch lange nicht vorbei ist. Heiter und fröhlich startet „Der Froschkönig“. Märchenhaft der Text, klangvoll die Melodie und geschickte Tempowechsel im Gesang geben dem Song alles was er braucht, um nach dem starken Beginn des Albums nicht unterzugehen, obwohl es sicher nicht der stärkste Song ist. Treibend und mit voller Kraft voraus geht es in „Auf und davon“ zur Sache. Auch hier machen Tempowechsel das Gewisse extra, sowohl gesanglich, als auch musikalisch. Der Song ist aber im Allgemeinen so einnehmend und stark, dass das nur die Kirsche auf der Sahne ist. Ruhiger und melancholischer klingt der „Kapitän“. Einzelne druckvolle Passagen setzen Akzente, ohne aber aus dem Fluss des Songs zu reißen. Nach den eher flotten ersten Songs kommt dieser Track genau zur richtigen Zeit. Schandmaul präsentieren die gesamte Bandbreite ihres Könnens jetzt schon auf brillante Art und Weise. „Oboe“ beginnt richtig heavy. Kratzige Gitarren führen in den Song und harmonieren beeindruckend gut mit den altertümlichen Instrumenten. Zwar kennt man diese Kombination von Schandmaul sehr gut und schon öfter hatten sie bewiesen, dass sie verstehen was sie tun, aber hier bekommt man das Paradebeispiel serviert. „Chevaliers“ beginnt dunkler und drückender als die bisherigen Songs. Fast ein wenig bedrohlich klingen die ersten Töne. Im Verlauf der knapp vier – rein Instrumentalen – Minuten schwenkt die Stimmung aber um in positive Klänge. Von keinem Gesang zu rein gesprochenem Text geht es schnell. „Die Tafelrunde“ versetzt uns in die Geschichte von Sir Lancelot, ein Ritter der Tafelrunde von König Artus. So finden wir nun auch endgültig, nach mehreren Anspielungen in vorherigen Songs, den Bezug zum Albumtitel. Lancelot und seine Ritterkollegen haben die meiste Zeit ihres Daseins nach dem Heiligen Gral gesucht, wobei niemand so wirklich wusste, was das eigentlich ist. Eine weitere Geschichte aus dem Königreich von König Artus schließt also direkt an und heiß passenderweise auch „Der Gral“. „Die Insel Ynys Yr Afallon“ verbreitet eine unfassbar positive Stimmung und lädt zum Aufbruch in eine gute Zeit ein. Den Abschluss des Albums liefert „Der weiße Wal“. Wer zum Abschluss einen richtigen Kracher erwartet hat, wird leider enttäuscht. Eher ruhig und besinnlich wird das Ende eingeläutet. Zwar gibt es einen dramatischen Anstieg im Laufe des Songs, allerdings ist die vermittelte Grundstimmung eher ruhig.

Fazit: An sich gibt es an Artus nichts zu meckern. Ein schönes, solides Album auf unfassbar hohem musikalischen Niveau. Jeder Ton sitzt, die Instrumente greifen toll ineinander und die verschiedenen Stile harmonieren hervorragend. Aber irgendwas fehlt. Vielleicht ein bisschen mehr Power? Ein bisschen mehr Intensität und Kraft hinter den Songs? Ein bisschen mehr Emotion oder doch mehr Druck nach vorne? Ich kann nicht genau benennen, was mich stört. Vielleicht auch alles zusammen. Ich würde abschließend das Album aber dennoch als sehr gut bezeichnen.

Tracklist:

01 Der Meisterdieb
02 Der Totengräber
03 Vagabunden
04 Froschkönig
05 Auf und davon
06 Der Kapitän
07 Die Oboe
08 Chevaliers
09 Die Tafelrunde
10 Der Gral
11 Die Insel – Ynys Yr Afallon
12 Der Weiße Wal

Kaufen: Amazon

VÖ: 03.05.2019
Genre: Mittelalter-Folk-Rock
Label: We Love Music (Universal Music)

Artus Tour 2019
Support: Vroudenspil

24.10.2019 Hannover, Capitol
25.10.2019 Schaffhausen, Kammgarn
26.10.2019 Solothurn, Kofmehl
31.10.2019 Magdeburg, Altes Theater
02.11.2019 Berlin, Huxley´s Neue Welt
03.11.2019 München, Circus Krone Bau
07.11.2019 Ulm, Roxy
08.11.2019 Wien, Arena
09.11.2019 Stuttgart, Wagenhallen
14.11.2019 Saarbrücken, Garage
15.11.2019 Bremen, Kulturzentrum Schlachthof
16.11.2019 Oberhausen, Turbinenhalle
20.11.2019 Bielefeld, Lokschuppen
21.11.2019 Wiesbaden, Kulturzentrum Schlachthof
22.11.2019 Dresden, Alter Schlachthof
27.11.2019 Hamburg, Grosse Freiheit 36
28.11.2019 Kassel, 130 bpm
29.11.2019 Nürnberg, Löwensaal

Schandmaul im Web:

Homepage

Facebook