Rabia Sorda – The World Ends Today (CD-Kritik)

Rabia Sorda

Fünf Jahre nach dem grandiosen Erfolg ihres letzten Longplayers „Hotel Suicide“ (2013) meldet sich der mexikanisch-deutsche Inferno-Mob RABIA SORDA, das Nebenprojekt von Hocico-Shouter Erk Aicrag, endlich mit einem neuen Album zurück. Das 4. Album hört auf dem Namen „The World Ends Today“, beinhalten 17 Tracks und wird am 04. Mai 2018 inklusive eines Bonus Mini-Album „Explota!“ (La Bomba En Mi Cabeza) via Out of Line auf den Markt kommen. Die neue Scheibe betiteln Rabia Sorda als das bis dato härtestes Album, was sie je eingespielt haben. Klingt ganz danach als hätte Erk Aicrag seine Klauen dieses Mal doppelt geschärft, um seine ganze Wut wie einen Orkan auf die Hörer loszulassen. Für das großartige Cover-Artwork zeichnet sich hier niemand geringeres als der Fotograf Thomas G Anderson, der u.a. schon für Künstler wie Asking Alexandria, OST + FRONT und Hocico tätig war, verantwortlicht.

CD 1: „The World Ends Today“

„TWET!“ das Abhören der Mailbox kündigt das Ende der Welt an. „Perfect Black“ ist einfach unbeschreiblich. Der Refrain spielt einen sofort an die Wand: Hart, unerbittlich und am obersten Energielevel. Wow! Mit „So Slow it Hurts“ schicken Rabia Sorda gleich noch einen Kracher hinterher. Schön langsam im Rhythmus, wie es der Titel verspricht, aber voller Intensität und Schmerz. Der nächste Track beginnt mit einem weiteren Anruf auf Spanisch. Eine Frau spricht „Estás ahí?“. Eine beklemmende Atmosphäre, sie ist verstört. Eine verzweifelte Liebesgeschichte? Sie geht nicht gut aus in „Violent Love Song“ als mögliche Weiterführung der Geschichte. Die intensive Energie des Titels ist umwerfend. Er wurde bereits als Video veröffentlicht. Mit martialischem Donnerwetter kündigt sich „We’re not Machines“ an und macht als straighter Metalsong ordentlich Tempo. „Estas Conmigo“ ist wieder ein kleiner Einschub des Anrufbeantworters. Das Mailboxthema zieht sich durch das ganze Album. „Shut Up and Dance!“ zeigt Partypunkanleihen und macht Spaß, zu hören. Also, Klappe halten und tanzen! Nach all der Düsternis der letzten Tracks ein fast fröhlicher Titel. Für einen kurzen Moment gehen Rabia Sorda vom Gas, aber nichtsdestoweniger intensiv ist „Nobody“, wo man Streicher, Akustikgitarre und die Screams von Sänger Erk hört. „Dekadenz“ klingt nach modernem Punk und hat auch noch ein schönes Elektro-Thema im Hintergrund. Die Gitarre liefert dazu den rockigen Background. Punkiger Industrial Punk par excellence ist „Rebellion of The Wicked“ — ein konzentrierter „Angry-Young-Man“ Titel. Einen sanfteren Einstieg wählt „The World Ends Today“ mit Synthie-Teppich, der aber gleich in rauen Punkrock über geht. Sänger Eck versprüht die Dynamik einer gefährlichen Raubkatze. Wieder erklingt die Mailbox „Despierta“. Gesungen wird ein kleines Lied auf Spanisch. Ganz sanft mit akustischer Gitarre beginnt „Møther“, wo die Bedrohlichkeit im Hintergrund lauert. Eine mit viel Echo unterlegte Gitarre spielt ein verloren-melancholisches Thema zum schroffen Refrain. Ein eingängig rhythmisches Rockthema unterlegt „Don’t Run! (The Evil Within)“ mit tanzbarem Drive, der sich im Refrain explosiv entfaltet. Sehr punklastig im Refrain ist „Words in Scars“ mit dominantem Gitarrenbrett. Trotzdem wirkt das Stück verglichen mit den anderen etwas zurückgenommener. „Перезвони мне“ heißt „Ruf mich zurück“ — die Mailbox.

CD2: „Explota!“ (La Bomba En Mi Cabeza)

Jetzt folgt die Bonus CD mit acht Remixen, Experimentellem und neuen Songs. Hier geht es mehrsprachig zur Sache z.B. mit drei Titeln auf Spanisch: „Demolición“, „Explota!“ (La Bomba En Mi Cabeza), „Hasta Nunca“. „Demolición“ ist ein Cover von „Los Saicos“. Sie waren eine einflussreiche lateinamerikanische Garagenrockband der 1960er Jahre, hatten etliche bekannte Titel wie „Demolición“ — seinerzeit einer der größten Radiohits in Peru — laufen und eine eigene TV-Sendung. „Explota!“ (La Bomba En Mi Cabeza) und „Hasta Nunca“ sind eher ungewöhnlich ruhigere Stücke mit schwebenden Sounds, gefolgt vom bekannten Mailbox-Thema „Guten Morgen!“. Weiter geht es mit den vier Remixen „Dekadenz“ (Cypecore RMX), „Violent Love Song“ (Chemical Sweet Kid RMX), „We’re not Machines“ (Nostalgic Machine / Cover Version by Prismatic Shapes)“ und „Violent Love Song“ (72 hrs. Panic Attack Vitam non Mortem RMX), die im Grunde „Rabia Sorda“ gut dastehen lassen im Vergleich.

Fazit: Nach einer sehr langen Wartezeit legt die mexikanisch-deutsche Formation „Rabia Sorda“ wieder ein Album vor, das voll ist mit ihrem ungebremst aggressivem Sound, der zwischen Metal, Elektro und Punk seinen Mittelpunkt findet. Rabia Sorda fangen dann erst an, wenn andere Bands schon am Ende ihres Energielevels sind, wie sie eindrucksvoll auf diesem Doppel-Album beweisen. Sänger Erk Aicrag scheint in jedem Track eine Urschrei- therapie zu absolvieren — so viel Energie, so viel Schmerz, so viel Wut in der Stimme. Der rote Faden durch das Album sind die Anrufe in verschiedenen Sprachen auf der Mailbox, die scheinbar zusammenhanglos die Geschichte des letzten Tages zu erzählen scheinen. Was war geschehen, als die Welt endete? Ein Krimi? Verzweifelte Liebesgeschichte? Die Hörenden dürfen ihr Kopfkino anstrengen und die Geschichte des Tages vor dem Ende der Welt mit Hilfe einer Mailbox rekonstruieren, die Titel dazwischen liefern dazu den thematischen Hintergrund. Eine sehr kreative Idee, die Titel so in einen erzählerischen Kontext zu stellen. Das neue Album ist definitiv ein Sahnestück seines Genres: Unbedingt hören und fühlen!

Tracklist:

CD 1: „The World Ends Today“

01. TWET!
02. Perfect Black
03. So Slow it Hurts
04. Estás ahí?
05. Violent Love Song
06. We’re not Machines
07. Estas Conmigo…
08. Shut Up and Dance!
09. Nobody
10. Dekadenz
11. Rebellion of The Wicked
12. The World Ends Today
13. Despierta
14. Møther
15. Don’t Run! (The Evil Within)
16.Words in Scars
17. Перезвони мне

CD2: „Explota!“ (La Bomba En Mi Cabeza)

01. Demolición
02. Explota! (La Bomba En Mi Cabeza)
03. Hasta Nunca…
04. Guten Morgen!
05. Dekadenz (Cypecore RMX)
06. Violent Love Song (Chemical Sweet Kid RMX)
07. We’re not Machines (Nostalgic Machine / Cover Version by Prismatic Shapes)
08. Violent Love Song (72 hrs. Panic Attack Vitam non Mortem RMX)

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VÖ: 04.05.2018
Genre: Electronic – Rock – Punk Mariachi-Synth
Label: Out of Line Music

Rabia Sorda im Web:

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