Morgenrot – Herzblut (CD-Kritik)

Morgenrot

Morgenrot klingt vielleicht zart und nach gefühlvollem Kuschelrock, ist aber das genaue Gegenteil davon. Die fünfköpfige Band aus Thüringen hat sich hartem Deutschrock mit ordentlichen Punkeinflüssen verschrieben. So weit, so gut. Betrachtet man die Historie jedoch etwas genauer, so fällt unweigerlich auf, dass hier nicht alles ganz rund lief. Mehrmals wurden Mitglieder gewechselt, die Besetzung wild durchgetauscht und sich neuen Stilrich- tungen und Einflüssen verschrieben. So viele Neuorientierungen, wie es bei Morgenrot seit der Gründung 2001 gab, findet man in Bio- grafien anderer Bands eher selten. Das ganz spricht nicht wirklich für Kontinuität oder gar Professionalität, aber daran will und kann ich die Band nicht beurteilen. Fakt ist, dass die Band in ihrer jetzigen Besetzung schon einige Jahre auf dem Buckel hat und auch einige Erfolge feiern konnte. 2015 erschien das letzte Studioalbum „Im Bann der Zeit“ und jetzt, drei Jahre später, folgt mit Herzblut der lang ersehnte Nachfolger. Also vergessen wir die chaotische Bandgeschichte der Vergangenheit und konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt – auf Herzblut.

„Alles was wir tun“ ist der erste der insgesamt 12 Songs. Der Einstieg wird mit charakter- istischen Gitarrenklängen geschmückt und mit dem Einsetzen des Schlagzeugs lässt sich auch das flotte Grundtempo des Songs erahnen. Spätestens als der Gesang einsetzt, wird der Song rotzig-frech und schöpft aus den Vollen. Abgerundet mit einem pfiffigen Gitarrensolo hat der Song alles, was man braucht, um ein gutes Album einzuleiten. Ähnliches kann man auch über „Wenn die Welt brennt“ sagen. Vom Aufbau ganz ähnlich, nur noch eine Nummer flotter und derber, ist der Song grundsolider Deutschrock, ohne großen Schnörkel oder unnötigen Kapriolen. Track Nummer drei klingt fast ein bisschen verbraucht und deutlich kehliger als seine Vorgänger. „Solange mein Herz schlägt“ ist ganz klare Geschmackssache. Wer auf heißeren und eben kehligen Gesang steht, der wird hier definitiv seine Freude haben. Alle anderen werden dieses Song eher skippen, was aber sehr schade ist, denn obwohl er nicht zu meinen Favoriten gehört, hat er doch dieses gewisse Etwas, was man nie so wirklich benennen kann, einen Song aber definitiv hörenswert macht. Etwas allgemein verträglicher und klassischer bringen die Thüringer „Bleib und Lauf“ rüber. Hier treffen klarer, dennoch sehr ausdrucksstarker Gesang auf hervorragend arrangierte Instrumente und ein gut durchdachtes Songkonzept. „Wenn der Regen fällt“ klingt zu Beginn fast ein bisschen wie klassischer 90er Jahre Pop entwickelt sich aber im Laufe von knapp über vier Minuten doch zu einem rockigen Genussstück, über Liebe, Leidenschaft und Verzweiflung. „Ein guter Feind“ ist irgendwie undefinierbar. Zwar ein guter Song, mit durchdachtem Text, allerdings ohne den sprichwörtlichen Funken zu transportieren. Solide, aber nicht herausragend. Das ist in „Durch Tag und Nacht“ besser gelöst. Der Song versprüht einen ganz besonderen Charme und kann auf ganzer Linie überzeugen. Ob durch die verspielten Saiteninstrumente, oder den Tempowechseln im Gesang, hier ist einiges geboten, was man definitiv hören sollte. Klassisch-rockig ist der Einstieg in „Zu hoch gepokert“. Vom Tempo her ist der Song in sehr gemäßigten Fahrwasser unterwegs, ohne allerdings langweilig zu werden. Als Ballade kann man „Zu hoch gepokert“ nicht bezeichnen, dafür ist das Tempo doch etwas zu flott, allerdings der bisher ruhigste Song des Langspielers mit der einen oder anderen instrumentalen Über- raschung. Von einem Song, der fast eine Ballade ist, kommt nun eine richtige Ballade. „Ich kenn deinen Weg nicht“ ist wunderschön gefühlvoll, sowohl instrumental als auch gesanglich. Hier bekommt Bassistin Maria mehr Raum ihre Stimme zu präsentieren. Auch wenn nicht jeder Ton getroffen wird, sowohl im männlichen als auch im weiblichen Gesangpart, bleibt die schöne Grundstimmung des Songs doch erhalten. „Es ist nie zu spät (2018)“ ist eine Neuauflage des ursprünglich 2011 erschienenen Songs und Gott sei Dank, hat sich die Band dafür entschieden. Qualitativ und musikalisch ein Anstieg um 100%. Hier hört man den gewaltigen Schritt, den die Band in den letzten Jahren gemacht hat. „Wenn Freunde sterben (2018)“ klingt etwas exotisch und kann nicht so wirklich eingeordnet werden. Ein bisschen Reggae, ein bisschen Rock und ein bisschen musika- lisches Kauderwelsch. Der Refrain kann überzeugen, die Strophen eher weniger. „Es ist an der Zeit (Remastered Bonustrack)“ heißt passenderweise Song Nummer 12. Ein prädestinierter Livesong für lange Partynächte und Konzerte. Sehr passend platziert und musikalisch grundsolide verabschieden sich Morgenrot auf Herzblut.

Fazit: Mit „Herzblut“ machen Morgenrot den nächsten großen Schritt. Trotz der chao- tischen Vergangenheit haben sie es geschafft mit jedem Album besser zu werden. Das ist ihnen auch jetzt wieder gelungen. Die neue Scheibe ist qualitativ eine große Steigerung zu allem bisher da gewesenen, aber dennoch auch wenn schon viele große Schritte geschafft wurden, ist der Weg für Morgenrot noch ziemlich lang. Nach oben ist noch ganz viel Luft. Hoffen wir also das die Entwicklung so bleibt und wir in den nächsten Jahren noch viel Gutes von Morgenrot zu hören bekommen.

Tracklist:

01 Alles was wir tun
02 Wenn die Welt brennt
03 Solang´ mein Herz schlägt
04 Bleib und lauf
05 Wenn der Regen fällt
06 Ein guter Feind
07 Durch den Tag und die Nacht
08 Zu hoch gepokert
09 Ich kenn´ deinen Weg nicht
10 Es ist nie zu spät (2018)
11 Wenn Freunde sterben (2018)
12 Es ist an der Zeit (Remastered Bonustrack)

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VÖ: 28.10.2018
Genre: Deutschrock
Label: Burnout Records

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