M’era Luna Festival 2018 (Festivalbericht)

Am vergangenen Wochenende (11.08. – 12.08.2018) war es endlich wieder soweit und der Flugplatz Drispenstedt in Hildesheim wurde wieder zum Treffpunkt für die schwarze Szene aus ganz Europa. Zigtausende Besucher haben sich erneut auf den Weg zum M’era Luna Festival gemacht, um ein friedliches und entspanntes Wochenende mit alten und neuen Freunden zu verbringen.

Nachdem das M’era Luna 2017 für viele ein eher regnerisches Erlebnis war, kann es dieses Jahr nur besser werden. Wer auch immer den Wettergott 2017 verärgert hatte, 2018 hat er alles wieder gut gemacht. Letztes Jahr noch liebevoll „Klein-Wacken“ genannt, strahlt dieses Jahr zu Beginn des M’era Luna Festivals die Sonne über Hildesheim. Dementsprechend besser ist auch die Laune bei den bereits wartenden dunklen Massen, die sich vor den Toren des Flugplatzes in Drispenstedt gemütlich gemacht haben. Der Einlass ist wie seit Jahren erst um 11 Uhr, trotzdem warten die ersten Besucher bereits seit mehreren Stunden auf ihr Bändchen, dass dieses Jahr leider wieder eine sehr beschei- dene Qualität hat. Grund sind zu einem das Hoffen auf die besten Zeltplätze, zum an- deren aber auch die teils weiten Anreisen. Über Nacht anzureisen ist für die meisten verkehrstechnisch doch komfortabler. Beim Warten hört man so allerlei verschiedene Herkunftsländer. So tummeln sich einige Holländer, Kanadier, Schweden und Schweizer in der dunklen Masse. Nach Einlass sind dann allerdings viele etwas verwirrt.

Trotz vorheriger Auskunft schien es nicht immer klar zu sein, dass der Zeltplatz dieses Jahr anders strukturiert wurde. So steht nun beispielsweise dort, wo mein Zelt letztes Jahr stand ein luxuriöses doppelstöckiges Wohnmobil. Schnell hat man sich aber neu organisiert und am Schluss hat jeder einen passenden Zeltplatz gefunden. Es gibt (wie jedes Jahr) allgemeines Geschimpfe über die Organisation. Egal ob beim Parkplatz einweisen, Einlass oder Aufteilung des Geländes. Man muss dazu sagen, in Sachen Orga hat sich das M’era Luna nie einen Orden verdient, aber nachdem letztes Jahr schon eine positive Über- raschung war, haben sie sich dieses Jahr nochmals verbessert. Das Geschimpfe war also größtenteils sinnlos, aber ist wohl auch schon Tradition. Gegen Abend, als die Gemüter dann beruhigt, auch die letzten Zelte aufgeschlagen und die ersten Bierchen geleert sind, sind dann doch wieder alle glücklich und zufrieden und freuen sich auf den kommenden Tag mit den ersten hochkarätigen Bands.

Tag 1

Das M’era Luna Festival ist eines der Festivals, die immer wieder, von Jahr zu Jahr, mit einem spitzenmäßigen Line-up aufwarten können. Oft hört man sogar das Lob, dass es das beste Line-up von Festivals im deutschsprachigen Raum wäre. Auch dieses Jahr wurden keine Kosten und Mühen gescheut und Szenegrößen aus der ganzen Welt verpflichtet. Wir fangen aber ganz klein an. Traditionell wird das M’era Luna Festival von dem Gewinner des Newcomer Contests eröffnet. Dieser wurde von der Com- munity im Vorhinein gewählt. Dieser Contest kann ein Sprung- brett sein, so gelang es damals zum Beispiel den Jungs von Unzucht hier die Massen zu Begeistern und sich zu einem Szene- klassiker zu mausern. Dieses Jahr gebührt die Ehre der Sci-Fi-Metal Band CYBORG aus Hamburg, die mit einer Mischung aus düsterem Elektro und brechenden, metallischen Einflüssen die schon beachtliche Menge vor der MainStage begeistern konnten. Bei schönstem Wetter zieht es immer mehr Besucher vom Zelt- platz auf das Festivalgelände. Auf die Elektrofans wartet im Hangar schon Whispering Sons und auf der MainStage können Erdling begeistern. Zu Eisfabrik ist der Hangar brechend voll und die Hitze staut sich unter dem Metalldach. Das ist aber vollkommen egal, getanzt und gefeiert wird trotzdem. Eisfabrik haben positiv überrascht und eine hammer- mäßige Show abgeliefert, die gerne hätte länger sein dürfen.

Spätestens bei Lord of the Lost wurde es auch vor der MainStage langsam eng. Die Hamburger haben erst vor Kurzem ihr neues Album „Thornstars“ veröffentlicht und jetzt ist man natürlich auf die ersten Liveklänge hiervon mehr als gespannt. Und „Leck den Beppi“ das war mal ein Brett. Eine unfassbare Bühnenpräsenz trifft auf hervorragend abgestimmte Musiker, die ihr Bestes geben, um die Menge zu begeistern. Die neuen Stücke kommen sehr gut an und man fragt sich, wann die Jungs endlich mal vom nachmittags ins Abendprogramm rutschen. Hierhin hat es zum Beispiel MINISTRY geschafft. Al Jourgensen hat zwar einige wichtige Botschaften, die er versucht musikalisch zu übermitteln, der Funke springt aber leider nicht über und so kann man nach einigen Songs das Geschehen ohne schlechtes Gewissen wieder verlassen und zu Nachtmahr in den Hangar gehen, um sich hier mitreisen zu lassen. Stimmungstech- nisch war hier nämlich deutlich mehr geboten. (Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden, hier hab ich auch viele positive Stimmen gehört).

Ein kleines Highlight war wieder In Extremo. Schon so oft auf dem M’era Luna gesehen, aber jedes Mal aufs Neue abgeholt und überzeugt. Hier spürt man jeden Funken Herzblut, der von der Band auf die Fans überspringt und die Leidenschaft, die hinter der Musik steht. Definitiv das Highlight von Tag 1.

Aber auch beim Parallelprogramm von In Strict Confidence war die Stimmung bombastisch und die Fans glücklich. Das Finale von Tag eins bildeten London After Midnight aus Los Angeles im Hangar und The Prodigy auf der MainStage. Letztere lieferten eine astreine Show ab und sorgten mit guter Stimmung, klasse Musik und dem nötigen Druck nach vorne für einen perfekten Abschluss. Auch wenn es viel Kritik gab, The Prodigy würden nicht auf das M’era Luna passen, konnten sie doch wieder große Massen vor die Bühne ziehen und vollends überzeugen.

Die meisten zogen sich jetzt zu ihren Zelten zurück. Im Disko-Hangar hingegen wurde es jetzt voll und noch das Tanzbein bis in den frühen Morgenstunden zu den Klängen von DJ Daniel Graves (Aesthetic Perfection) geschwungen.

Tag 2

Am Sonntag hieß es früh aufstehen. Viele wollten die gefeierten Newcomer der Szene sehen. Schattenmann überzeugten auf ihrem ersten M’era Luna Auftritt auf ganzer Linie. Trotz der undankbaren Zeit versammelten sich zahlreiche Fans vor der Bühne und feierten das kurze 20-minütige Set, dass von einer durchdachten Bühnenshow abgerundet wurde. Was natürlich nicht unerwähnt bleiben darf, ist die M’era Luna Academy. Hier gab es verschiedene Workshops, von Haare färben bis zu Make-up Kursen und zahlreiche spannende Vorträge. Bereits zum zweiten Mal fand die Academy nun statt und auch dieses Jahr war der Andrang groß.

To Dead to Die eröffneten nun den Tag im Hangar und so war Tag zwei offiziell gestartet. Klassisch, akustisch begleitet uns Die Kammer über den Mittag hinweg und die roman- tische Stimmung wird auch von Bannkreis aufgefangen und weitergeführt. Hier definitiv die Reihenfolge der Bands sehr gut geplant. Frozen Plasma können anschließend im Hangar mehr als überzeugen und die Luft droht zu brennen, so heiß und durchweg positiv angespannt ist die Stimmung im Hangar. Kurze Verschnaufpause an der frischen Luft, weil dann gibt es schon das erste Tageshighlight für Tag zwei. Aesthetic Perfection reißen die Grundmauern des Hangars ein und lassen keinen mehr stillstehen. Respekt! Diese Show war ganz, ganz großes Kino!

Zeitgleich schafft es auch der deutsche Musiker, Songwriter und Musikproduzent Peter Heppner, der übrigens am 21. Sptember 2018 mit „Confessions & Doubts“ und „Tanz- zwang“ gleich zwei neue Alben veröffentlicht, mit einer aus- gewählten Mischung an Songs das Publikum zu begeistern. Ein Mann, der unfassbar in sich selbst zu ruhen scheint und ohne großes Gerede das Publikum in seinen Bann ziehen, kann. Es gibt kein M’era Luna ohne Überraschungen mehr. So sah man einige offene Münder, als Peter Heppner gegen Ende seines Sets einen Gast ankündigte – Joachim Witt! Anschließend hatte selbst der härteste Mann Gänsehaut und Pipi in den Augen als sie zusammen erst „Die Flut“ und dann ihren neuen Song „Was bleibt?“ zum Besten gaben.

Auf Highlight Nummer zwei folgte gleich auch Highlight Nummer drei – der Auftritt von Saltatio Mortis. Auch wenn hier die Veröffentlichung des neuen Albums „Brot und Spiele“ (VÖ: 17.08.2018) noch ein wenig auf sich warten lässt, haben die Spielmänner schon einige Songs daraus im Gepäck – und was sind das für Reißer – allen voran „Große Träume“. Eine energiegeladene Show, die vom ersten bis zum letzten Ton überzeugen kann!

Atari Teenage Riot und Front 242 schließen sich in bester Manier an und fesseln die Fans sprichwörtlich an die Bühne. Das Schlusslicht im Hangar bilden Hocico – und das war verdient! Eine erstklassige Show, die es verdient hat, gesehen und gehört zu werden. Auf der MainStage laufen auch schon alle Vorbe- reitungen für den Headliner des diesjährigen M’era Luna Festivals – Eisbrecher. Vor einigen Jahren noch im Nachmittagsprogramm zu finden haben die Männer um Alex Wesselsky heute die Ehre das M’era Luna ausklingen zu lassen. Knapp über eine Stunde haben sie Zeit und nutzen diese auch. Zwar wird zwischen den Songs viel geredet und philosophiert, was etwas aus der Stimmung reißt, aber wenn gesungen wird, dann richtig. Alex Weselsky ist und bleibt eine Rampensau!

Tag zwei endet, ähnlich wie Tag eins, nur dass schon einige Zelte fallen und sich etliche bereits auf den Heimweg begeben. Bei allen anderen wird gefeiert, getrunken und auch die M’era Luna Trommler versammeln sich wieder auf der großen Kreuzung um ihre Tradition aufrechtzuerhalten. Sonntagnacht ist bei den meisten noch einmal Abriss angesagt und so sieht man auch spät nachts noch feierwütige über das Gelände torkeln.

Am Montagmorgen ist allgemeine Katerstimmung angesagt und mühsam krabbelt man aus seinem Zelt. Trotz der vielen Kritik in den letzten Jahren ist die Abwicklung des Müllpfandsystems leider nicht besser geworden und viele gaben zwar einen vollen Müllsack ab, mussten aber ohne Geld wieder gehen. Hier besteht weiterhin Verbesserungs- bedarf. Aber abgesehen davon ist wirklich ein Danke angebracht. Danke lieber Wettergott, dass Du größtenteils Dein Bestes für uns gegeben hast, danke liebes M’era Luna Team (vom Veranstalter bis hin zur Klofrau sollen sich hier bitte alle angesprochen fühlen) – ihr macht einen großartigen Job um uns ein friedliches und stressfreies M’era Luna zu ermöglichen! Ihr seid super, auch wenn nicht alles perfekt war, es war ziemlich nach dran und das M’era Luna 2018 definitiv mal wieder ein Highlight!

Im nächsten Jahr findet das 20. M’era Luna Festival vom 10. August – 11. August 2019 statt.

Das bisherige Line-up für das M’era Luna 2019 im Überblick:

ASP | VNV Nation | Within Temptation
Subway To Sally | Mono Inc. | Combichrist | Oomph! | Versengold | Diary Of Dreams
Suicide Commando | [:SITD:] | Zeromancer | Assemblage 23 | Stahlmann | Funker Vogt Neuroticfish | Melotron | [x]-Rx | Heldmaschine | Sündenklang | Sono

*Weitere Acts folgen!

Der Vorverkauf beginnt am Montag (13. August) um 18 Uhr mit dem Verkauf der auf 666 Stück streng limitierten 666-Tickets für 79€ inkl. 5€ Müllpfand. Zum ersten Mal werden auch Gothic Garden-Tickets als vergünstigte 666-Tickets angeboten, weshalb sie ebenfalls entpsrechend günstiger sind. Nachdem dieses Frühbucherkontingent erschöpft ist, gehen Neumondtickets für 89 € inkl. 5 € Müllpfand auf www.meraluna.de, www.eventim.de oder telefonisch unter 0180 6-853 653 (0,20€/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60€/ Anruf) in den Verkauf. Auch Wohnmobil-Reservierungen sind für 25€ direkt möglich.

M’era Luna im Web:

Homepage

Facebook

Hier unsere Bilder von Tag 1:

…… Bilder von Tag 2 folgen in Kürze!