Saltatio Mortis – Brot und Spiele (CD-Kritik)

Saltatio Mortis

Wer tanzt, der stirbt nicht – und Saltatio Mortis lassen uns wieder tanzen! Nachdem 2015 mit „Zirkus Zeitgeist“ das bisher erfolgreichste Album erschien (23 Wochen auf Platz 1 der deutschen Album Charts), ist es jetzt drei Jahre später im Sommer 2018 endlich soweit! Der lang ersehnte Nachfolger „Brot und Spiele“ erscheint – wenn auch später als geplant. Probleme mit Lieferanten führten dazu, dass die Veröffentlichung verschoben werden musste. Das steigert aber nur die Vorfreude über das wohl bisher politischste und aussagekräftigste Album von Saltatio Mortis. Noch nie haben sie ihre Meinung geschönt oder verleugnet, aber mit „Brot und Spiele“ erreichen sie wieder ein neues Level der Aussagekraft.

Uns erwartet eine aufwendig gestaltete und konzipierte Doppel-CD, die vom ersten bis zum letzten Song zu 100% Saltatio Mortis auf allen vorstellbaren Ebenen darstellt. Das Intro „Ein Stück Unsterblichkeit“ bedient sich einer Textzeile aus dem folgenden Song „Große Träume“. Ruhige Akustikklänge, die melodisch den nachfolgenden Song einleiten, führen uns in das Album und leiten übergangslos „Große Träume“ ein. Mit Beginn von Track zwei wird ordentlich Tempo aufgenommen. Hier trifft ein emotionaler Text über die Entwicklung der ersten Bandjahre auf typischen Saltatio Mortis Klänge gepaart mit einer ordentlichen Portion Deutschrock. Das wurde zwar von Seiten der Fans nach der Veröffentlichung der Single viel kritisiert und die Spielleute mit den Toten Hosen verglichen, das ändert aber nichts daran, dass ein guter Song ein guter Song bleibt. Für mich definitiv ein echter Reißer, Powersong und absolut gelungen. Mit „Dorn im Ohr“ bleibt es weiterhin rockig. Dominie- rende Dudelsäcke treffen auf harte Riffs und starken Gesang. Auch „Dorn im Ohr“ wurde bereits vor Erscheinen des Albums als Single veröffentlicht und überzeugt mit einem kriti- schen Musikvideo. Hier wird eindrucksvoll die Wirkung der (eigenen) Musik beschrieben und zelebriert. „Ich werde Wind“ wird auch mit den typischen Dudelsackklängen eingeleitet und ist eine deutliche Ode an die Freiheit. Ruhiger und emotionaler ist zu Beginn „Europa“. Aber auch hier wird das Tempo schnell deutlich angezo- gen. Die Kritik in diesem Song ist deutlich zu erkennen und hält einen vor Augen, für was Europa stehen sollte und wie viel Hass mittler- weile regiert. Das Ganze auf ganz wunderbare musikalische Weise dargebracht. Fast schon zärtlich startet die fünfte Auskopplung „Spur des Lebens“. Ruhige Pianoklänge dominieren und auch Alea´s Gesang bleibt hier sehr ruhig und emotional. Im Refrain steigert sich nur die Intensität, nicht aber das Tempo, was nochmal zu einer Steigerung der Emotionalität führt. Auch der weibliche Gastgesang, der hervorragend mit Alea´s Stimme harmoniert verstärkt diesen Effekt nochmals. Es folgt der Titeltrack „Brot und Spiele“. Hier wird das Tempo wieder angezogen und wieder mit einer ordentlichen Portion Deutschrock die Botschaften in die Welt geschrien. Ein bisschen selbstironisch und mit einem Augen- zwinkern wird dem schönsten Laster gefrönt – dem Alkohol. „Nie wieder Alkohol“ ist eine über- aus sympathische und unterhaltsame Nummer, die aber mehr zum Trinken anregt, als davon abzuhalten. Stilistisch gesehen gibt es jetzt einen deutlichen Bruch. Die Musik und auch die Thema- tik werden wieder ernst. „Träume aus Eis“ ist emotional auf einer ganz hohen Ebene und the- matisiert das Auseinanderleben und entfernen von zwei ehemals tief verbundenen Personen. „Mittelalter“ wiederum ist wieder sehr ironisch und macht ordentlich Laune. Unterstützt werden die Spielleute hier von Malte Heuer (Versengold) und Mr. Hurley (Mr. Hurley und die Pulveraffen) was zu einer einzigartigen Kombination wird. Ganz großes Kino, das auf sämtlichen Ebenen überzeugen kann. „Brunhild“ wurde ebenfalls im Vorhinein veröffentlicht und ist Saltatio Mortis par excellence. Rockige Klänge mit den typischen Dudelsackklängen verfeinert geht es mit ordentlich Druck nach vorne. Definitiv eines der Highlights des Albums! Das nächste Highlight (vor allem textlich) folgt auf den Fuß. „Besorgter Bürger“ ist eine Hymne genau gegen eben diese. Hier werden überaus deutliche Worte gefunden, die wie geworfene Steine ihre Adressaten treffen und tiefe Furchen hinterlassen. Das letzte Lied von CD eins trägt den Namen „Sie tanzt allein“. Das Lied steht seine Vorgängern in nichts nach. Rockig-frech immer mit Druck nach vorne und ordentlich Tempo.

Mit dem Sprung auf CD zwei wird es experimenteller. „Ad fontes“ nennt sich diese, welche komplett akustische und mittelalterliche Stücke umfasst. „Präludium – Ad fontes“ leiten den zweiten Silberling ein. Ein rein instrumentelles Stück, das sich in seinem Grundtempo immer weiter und beständig steigert. Auch die folgende Nummer „Heimdall“ wurde bereits veröffentlicht und thematisiert eben diesen Gott, der als Wächter der Götter fungiert. Hier gibt es wieder Saltatio Mortis in ihrer reinsten Form. Fortgesetzt wird dies auch in „Drachentanz“. Wieder wird hier auf Gesang verzichtet, was aber in keinster Weise die Stimmung drückt. Das Tempo und die Melodie regen zum Tanzen und feiern an. Das Kontrast- programm folgt aber wieder sofort. „Schon wie- der Herbst“ verbreitet eine sehr drückende Stim- mung und wird textlich sehr ernst und emotional. „Epitap to a Friend“ ist wie der Titel vermuten lässt auf Englisch gesungen und sorgt so schon deutlich für etwas Abwechslung. Viele Tempo- wechsel halten die Stimmung hoch und die ruhige Ballade entwickelt sich so Stück für Stück zu einem flotten Song. Wir bleiben im Schema auf einen Song mit Gesang folgt ein rein instrumental gehal- tener. „Ad digitum prurigo“ fordert vom ersten bis zum letzten Klang zum Tanzen auf und reist den Hörer jede Sekunde mit. „Herr Holkin“ sorgt vor allem mit dem teils mehrstimmigen Gesang für eine musikalische Tiefe, die absolut beeindru- ckend ist. „Raghs-e-pari“ ist wieder instrumental gehalten und wird von „Tränen des Teufels“ abgelöst. Ein ruhiger Beginn, der sich durch den Einsatz von immer mehr Instrumente musikalisch steigert, ohne das Tempo zu erhöhen. „Amo lem as nauseam“ kann durch viele Tempowechsel überzeugen und steht trotz einer gewissen Ähnlichkeit zu den anderen instrumentalen Stücken vollkommen für sich alleine. „Marselha“ scheint das gewohnte Muster zu brechen, aber schließlich setzt doch noch vereinzelt der Gesang ein. Dafür wird dieses mit „Volta“ gebrochen. Hier und auch im letzten Song „Mitt Hjerte Alltid Vanker“ gibt es emotionalen Gesang, der das Album ge- schmackvoll abrundet.

Fazit: Gefühlvoll, ausdrucksstark und mit ordentlichem Druck nach vorne ist „Brot und Spiele“ sicher eins der besten, wenn nicht sogar DAS beste Album, dass Saltatio Mortis bisher produziert haben. Obwohl der vielen Deutschrockelemente kann man noch ganz klar den typischen Klang der Spielleute erkennen und immer wieder finden. Politisch klar positioniert und mit der einen oder anderen Ohrfeige gegen rechtes Gedankengut und fehlgeleitete Politiker überzeugt das Album nicht nur musikalisch, sondern auf allen Ebe- nen und ganzer Linie!

Tracklist: (Deluxe Edition)

01. Ein Stück Unsterblichkeit
02. Große Träume
03. Dorn im Ohr
04. Ich werde Wind
05. Europa
06. Spur des Lebens
07. Brot und Spiele
08. Nie wieder Alkohol
09. Träume aus Eis
10. Mittelalter
11. Brunhild
12. Besorgter Bürger
13. Sie tanzt allein

CD2

01. Präludium – Ad fontes
02. Heimdall
03. Drachentanz
04. Schon wieder Herbst
05. Epitaph To A Friend
06. Ad digitum prurigo
07. Herr Holkin
08. Raghs-e-Pari
09. Tränen des Teufels
10. Amo lem ad nauseam
11. Marselha
12. Volta
13 Mitt Hjerte Alltid Vanker

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VÖ: 17.08.2018
Genre: Mittelalter Rock
Label: We Love Music (Universal Music)

Saltatio Mortis – Brot und Spiele Tour 2018

18.10.18 Graz, PPC (AT)
19.10.18 Linz, Posthof (AT)
20.10.18 Zürich, Plaza(CH)
25.10.18 Wien, Simm City(AT)
26.10.18 München,Tonhalle
27.10.18 Stuttgart/Filderstadt, Filharmonie
02.11.18 Würzburg, Posthalle
03.11.18 Oberhausen, Turbinenhalle
09.11.18 Berlin, Huxleys
10.11.18 Hamburg, Mehr! Theater
23.11.18 Wiesbaden, Schlachthof
24.11.18 Dresden, Alter Schlachthof

Tickets: Eventim

Saltatio Mortis im Web:

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