Lord of the Lost · Thornstar (CD-Kritik)

Lord of the Lost

Mit Lord of the Lost muss man immer rechnen, dass haben die Hamburger schon oft bewiesen. Anfangs in der Szene und bei Kritikern sehr umstritten, haben die Männer um Sänger Chris Harms nie aufgegeben und weiter ihre Ziele verfolgt. Sich stetig weiter entwickeln, in neue Sphären vorstoßen und sich dabei treu bleiben – das haben die Fünf trotz Besetzungswechseln in den letzten Jahren hervorragend geschafft. Von klassischem Goth-Rock haben sie sich zu einer ernst zu nehmenden Metal-Band entwickelt, die auf Konzerten und Festivals ihre Fans immer wieder zu begeistern. Fünf Studioalben wurden bereits veröffentlicht, jetzt folgt mit „Thornstar“ Nummer sechs. Ein Konzeptalbum um den Untergang der Hochkultur Pangaen – liebevoll bis ins Detail recherchiert und wiedergegeben. Um auf alle Hinter- gründe einzugehen, ist der Platz hier leider zu begrenzt, wer sich aber für alle geschicht- lichen und mythischen Geschichten der Pangaen interessiert kann sich auf der Homepage der Band ein 22-seitiges Manuskript mit allen Informationen herunterladen. Hier ist ein besonderes Augenmerk auf die fantastischen Zeichnungen zu legen, die nicht nur Götter, Geister oder Dämonen der Hochkultur darstellen, sondern auf geschickte Art und Weise die Bandmitglieder mit ihnen verschmelzen lässt. Wenn sich musikalisch genauso viel Mühe gegeben wurde, wie diese ausgearbeitete Hintergrundgeschichte vermuten lässt, erwartet uns mit „Thornstar“ das bisher aufwendigste und Beste Lord of the Lost Album der Bandgeschichte.

„On This Rock I Will Build My Church“ bietet einen Einstieg voller Power und Druck. Chris Harms zeigt einmal mehr, dass er die verschiedensten Stimmfarben abbilden kann. Erst klingt er fast schon bedrohlich, im Refrain klingt seine Stimme warm und hoffnungsvoll. Untermalt wird das Ganze von melodischen Klängen und donnerndem Schlagzeug. Ein überaus gelungener Einstieg, der Lust auf mehr macht. Mit „Loreley“ wird zum ersten Mal direkt Bezug auf das Konzept des Albums genommen. „Loreley“ ist eine Halbgöttin, Hüterin des Feuers, deren Aufgabe es ist tote zu ihrem Platz im Jenseits zu führen. Gefühlvoll, mit viel Druck in der Stimme findet sich der Song wieder, nachdem ein typisch rockiges Intro ihn erst in eine andere Richtung zu lenken scheint. Die Tempowechsel in Song sind geschickt gesetzt und wiederholen sich, sodass der Song einen Rahmen in sich bildet. „Black Halo“ startet mit zarten Streichern, die nach einiger Zeit von kräftigen Schlag- zeugklängen überlagert werden. Sowohl gesanglich als auch musikalisch eine ganz starke Nummer, die irgendwo zwischen zart und hart einzuordnen ist. „In Our Hands“ klingt deutlich experimenteller als die Vorgänger und sorgt so für die nötige Abwechslung im Album. Mit „Morgana“ folgt die meiner Meinung nach stärkste Nummer des Albums. Morgana ist der Name der Allmutter, oder Mutter aller Menschen. Sie steht für alles Gute – und so klingt der Song auch. Voller Hoffnung und Emotionen, unfassbar stark und verdient als Single ausgekoppelt. „Haythor“ ist sowohl mythisch als auch musikalisch gesehen das Gegenstück zu Morgana. Der Gott, der für das ungewollt böse steht, klingt musikalisch genau so. Düster, bedrohlich und drückend. Wir finden uns wieder im Reich der Gegensätze mit dem folgenden Song „Naxxar“. Als Gegenstück zu Loreley begleitet dieser Halbgott die Toten in die ewige Finsternis. Ähnlich beklemmend wie der Vorgängersong bleiben wir in einem düsteren Stimmungsbild gefangen, dass musikalisch hervorragend wiedergegeben wird. „Cut Me Out“ startet mit gehetztem Atem, der einen ruhigen Titel einleitet. Hier liegt der Fingerzeig ganz eindeutig auf dem Gesang, der vor allem zu Beginn des Refrains ungeahnte Wendungen nimmt. Gegen Ende des Songs klingt es fast schon epochal und sorgt mehr als einmal für Gänsehaut. Powervoll weiter geht es mit „The Mortarian“. Ein Wechselbad der Gefühle wird hier durchlebt, musikalisch wunderschön inszeniert, im stetigen Wechsel von zarten Pianoklängen und dröhnenden Saiten. Mit „Under The Sun“ starten Lord of the Lost wieder einen Ausflug in experimentelle Einstige. Schon nach kurzer Zeit setzten hart die Gitarren ein und reißen den Hörer mit. Auch hier schafft es Chris Harms mit seiner Stimme jeden in seinen Bann zu ziehen und unfassbar viele Emotionen zu übermitteln. „In Darkness, In Light“ klingt phasenweise fast schon futuristisch und wird von zarten Pianoklängen getragen. Ein bisschen wie ein Kinderlied beginnt „Forevermore“. Schnell wird aber ordentlich Tempo aufgenommen und spätes- tens im Refrain geht ein Ruck durch die Band und den Song, der mehr als überzeugen kann. „Ruins“ ist der krönende Abschluss eines wunderbar gelungenen Albums. Von vorne bis hinten absolut stimmungsvoll und voller Kraft. Auch der letzte Song kann auf voller Linie überzeugen. Hier hat man im Refrain noch mal die geballte Portion Metal, die der eine oder andere vielleicht vermisst haben mag. Im Wechsel mit klar gesungenen Strophen hat man hier in einem Song die Gegensätze, die das ganze Album widerspiegelt. Wir sind zwar mit 13 Tracks durch und einer überzeugt mehr als der andere, aber wir sind noch nicht am Ende.

Auf CD 2 finden sich noch sieben Tracks die es verdienen gehört zu werden. Den Anfang macht „Abracadabra“. Zusammen mit Dero Goi von OOMPH! wird hier die volle musika- lische Bandbreite ausgepackt – absolut Spitze! Bei „Voodoo Doll“ weiß ich gar nicht was ich dazu sagen soll. Ein unfassbar starker Song, der es verdient andächtig gehört zu werden. Ebenso verhält es sich mit „The Art of Love“. Ungeheuer gefühlvoll mit Gänsehautgarantie haut dieser Song einen aus den Socken. „Lily of the Vale“ startet zwar unfassbar ruhig, es dauert aber nicht lange und wir hören einen absoluten Kracher. Schnell, dynamisch und laut wären hier wohl die passenden Attribute um den Song zu beschreiben. „Penta“ startet ähnlich ruhig und steigert sich ebenfalls, allerdings auf eine ganz andere Art und Weise. Viel melodischer und gleichzeitig hektischer. Klassisch rockig hören sich die ersten Klänge von „Free Radicals“ an und versprechen viel. Der Song kann dieses Versprechen auch definitiv halten. Ruhig aber gleichzeitig so unfassbar druckvoll geht der Song in den Ge- hörgang und beißt sich dort fest. Zum wirklichen Abschluss wird noch mal Vollgas gegeben. „Live Pray Die Repeat“ ist der perfekte Song um so ein Meisterwerk abzurunden.

Fazit: Mit „Thornstar“ hat Lord of the Lost ein musikalisches Meisterwerk geschaffen! Von vorne bis hinten absolut gelungen und unfassbar stark. Mit so viel Liebe zum Detail, mit so viel Inbrunst und musikalisch auf einem absolut hohen Niveau. Sicher hätte man noch viel genauer auf die musikalische Darbietung der einzelnen Songs eingehen können, aber Worte wären dem nicht gerecht geworden, was Lord of the Lost hier geleistet hat.

Tracklist:

CD 1

01. On This Rock I Will Build My Church
02. Loreley
03. Black Halo
04. In Our Hands
05. Morgana
06. Haythor
07. Naxxar
08. Cut Me Out
09. The Mortarian
10. Under The Sun
11. In Darkness, In Light
12. Forevermore
13. Ruins

CD 2

01. Abracadabra (feat. Dero Goi / OOMPH!)
02. Voodoo Doll
03. The Art Of Love
04. Lily Of The Vale
05. Penta
06. Free Radicals
07. Live Pray Die Repeat

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VÖ: 03.08.2018
Genre: Dark Rock / Metal
Label: Napalm Records (Universal Music)

Lord of the Lost im Web:

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