KÆSTEL · Keine Kompromisse Mehr! (CD-Kritik)

KÆSTEL

2019 wird musikalisch ein spannendes Jahr. An allen Ecken und Enden wird schon getüftelt, immer mehr Newcomer versuchen mit teils großartigem Content ihr Glück und alteingesessene Künstler bauen auf Erfolge auf uns erfinden sich neu. Eine Mischung aus beidem findet man in KÆSTEL. Hinter den Bandnamen steckt Jens Kästel, seines Zeichens ehemaliger Frontmann und Gesicht der Elektroband FUNKER VOGT.

In Pressetexten stehen Zeilen wie „Er war nicht wirklich weg und doch kommt er jetzt erst richtig zurück!“ Seine prägnante Stimme hat oft die Lager gespalten. Entweder man liebt sie, oder musste nach einem Song aufhören. In Kombination mit harten Elektroklängen wurde die Vielfältigkeit dieser oft verschleiert und so wird man jetzt bei seinem Erstlingwerk „Keine Kompromisse Mehr!“ die eine oder andere Überraschung erleben. Back to the Roots könnte man sagen, programmierte Basslinien getauscht gegen brettharte Gitarren, gepaart mit aus- sagekräftigen Texten. Allein der Albumtitel macht deutlich, jetzt geht es erst so richtig los!

Zwölf Songs finden wir auf dem Werk, die „Keine Kompromisse Mehr!“ selbst als „Tagebuch vergangener Zeiten“ beschreibt. Der erste Song ist ein klassisches Intro, welches zu großen Teilen instrumental anmutet. „Mein Name Ist Krieg“ ist alleine schon eine Ansage, die untermalt von düsteren Gitarren und wummernden Bässen bedrohlich und gleichzeitig vielversprechend klingt. Nach Abrechnung und Neuanfang. Direkt nach dem Intro folgt der namensgebende Track „Keine Kompromisse Mehr!“. Was man hier in den ersten Klängen hört, klingt nach astreinem Deutschrock und purer guter Laune. Und genau als das entpuppt es sich auch. Eine Kampfansage, ein Versprechen untermalt von harten, klaren Schlagzeugbeats und ehrlichen Gitarrenriffs. Es wird ein unfassbares Tempo vorgelegt, dass auch in „Das Ende Vom Weg“ aufrechterhalten wird. Etwas bedrohlicher und drückender, die Instrumente etwas tiefer und sofort schwingt die Stimmung um. Es geht weiter, mit viel Stimmung, Jens Kästels Stimme schwingt glasklar, schneidend wie ein Schwert über allem, immer im Vordergrund, dominant ohne aber zu überlagern. Ich war immer schon in dem Lager Kästels Stimme sehr zu mögen und ich muss zugeben, im Deutschrock gefällt sie mir noch besser. Auch in ruhigeren Passagen, wie zum Beispiel in vielen Teilen von „Liebe Aus Beton“ kommt diese hervorragend zur Geltung und sorgt für Gänsehaut. Es geht mit „Lass Uns fliegen“ munter weiter und erst mit „Könige Und Kaiser“ als siebten Track wird eine kurze Verschnaufpause gegönnt. Deutschrock und Balladen gehören zusammen wie Katz und Kater, Topf und Deckel oder auch das Amen und die Kirche. Was aber leider oft gar nicht zusammenpasst, sind deutschrockige Balladen und der Gesang von harten Kerlen. Was mit viel Druck und Stimmung oft überragend klingt, klingt mit viel Gefühl oft schräg und kratzig. Mit „Könige Und Kaiser“ liefert KÆSTEL allerdings ein Beispiel, wie man es so was von richtig macht! Annähernd jeder Ton getroffen, nicht versucht sich zu verstellen, oder die Stimme in Muster zu zwängen, die nicht zu ihr passen. Alleine vom Titel gefällt mir „Willkommen In Der Scheiße“ schon sehr gut und auch musikalisch muss sich dieser Song nicht verstecken. Ein bisschen Abwechslung, eine schöne Mischung aus Gefühl und Intensität sowie klug gesetzten Pausen machen den Song zu etwas wirklich Besonderem. Das letzte Viertel des Albums wird eingeleitet von „Grenzen Sind Zerstört“. Sehr melodisch, vor allem der Refrain zieht einen förmlich in seinen Bann. Einen Song, den man immer wieder, zu jeder Gelegenheit, immer wieder und immer wieder hören kann. Den Abschluss machen „Falsche Freunde“ eine knallharte Abrechnung und „Einsame Nächte“ eine Hymne, die ernsthaft und poetisch zugleich ist. (Wer sich jetzt wundert, das bei uns nicht der Track „Ich Brauche Diesen Wahnsinn“ den Abschluss bildet: Das uns vorliegende Album ist anders als die eigentliche Tracklist durchnummeriert.)

Fazit: Verdammte Axt würde ich mal sagen. Am liebsten würde ich es ganz laut schreien! Warum hat uns Jens so lang darauf warten lassen. Kästel- und Deutschrock, eine Kombination, die so gut passt. Stimmlich, musikalisch und textlich ein hervorragendes Zusammenspiel, dass die Deutschrockszene sicher aufwirbeln wird.

Tracklist:

01. Mein Name Ist Krieg
02. Das Ende Vom Weg
03. Keine Kompromisse Mehr!
04. Seht Euch An
05. Könige Und Kaiser
06. Liebe Aus Beton
07. Falsche Freunde
08. Willkommen In Der Scheiße
09. Grenzen Sind Zerstört
10. Einsame Nächte
11. Fliegen
12. Ich Brauche Diesen Wahnsinn

Kaufen: Amazon

VÖ: 01.02.2019
Genre: Deutschrock
Label: D.O.R. (Soulfood)

KÆSTEL im Web:

Facebook