FÏX8:SËD8 – Warning Signs (CD-Kritik)

FÏX8:SËD8

Wie bei einigen anderen Szene-Größen dieses Genre steckt auch bei dem Electronic/Industrial-Projekt namens FÏX8:SËD8 ein einziger Mastermind: Martin Sane. Durch die beeinflussung von Kult-Acts wie u. a. Skinny Puppy & Front Line Assembly zeichnet sich der Sound durch den Einsatz aller denkbaren Hilfsmittel dieses Genres aus: düsterer teils stark anklagender Gesang gepaart mit komplexen Sequenzen und kantigen Rhythmen. 2005 erschien das Debütalbum „Humanophobia“, 2008 folgte der Nachtfolger „Dormicum“. Danach mussten sich die Fans sehr lange in Gedult üben, denn das dritte Werk „Foren6“ kam erst ganze 9 Jahre (!) später auf den Markt. Zwei Jahre danach soll es nun endlich wieder soweit sein: „Warning Signs“ – so lautet der Titel des neuen Albums, das 12 Track umfasst und am 14. Juni 2019 via Dependent (Alive) erscheint.

Sehr langsam und im würdevollen Tempo entrollt sich als Opener der Song „Embolism“. Eine gewalttätige, düstere Klangkulisse entfaltet sich mit leisen Mönchsgesängen, Roboter- stimmen und fetten Strings und fein gesetzten Beats. Die zweite Singleauskopplung „Parasite Paradise“ geht deutlich melodischer und differenzierter zu Werk. Glockenklare Synthiesounds und ausgetüftelte Beats bilden die kühle, technische Unterlage für die roboterhaft verzerrten Vocals und später für den gesampelten Einschub der Voices. Die erste Singleauskopplung des Albums „Empyrean“ enthält den Knistersound der alten Vinylplatten. Chöre, Voice-Samples, im Hintergrund ein brummelnder Bass, der eine ungemütliche Stimmung verbreitet sind zu hören. Die Sounds klingen authentisch nach den 80er Jahren und dem typischen Drumcomputer. Bombastische Sounds eröffnen „Syringe Relation“ mit melancholischer Note. Der unheimlich stark verzerrte Gesang wirkt in diesem Kontext bedrückend. Wieder mal retro sind die Robovoices, weitere Voice-Samples ergänzen den verzerrten Aggro-Gesang. „Funeral Dirge“ wirkt trotz seiner Düsternis recht verbindlich, weil die Strukturen durchgängiger sind und die Stimme weniger stark entmenschlicht verzerrt wurde. Die Melodien umspielen sich hypnotisch, während der Beat durchaus für Tanzbarkeit sorgt. Das Ende ist überraschend sphärisch. Mit kräftigem EBM-Beat geht es weiter „Within Cells Interlinked“. Die Melodie ist verspielt und wird auf der Tanzfläche für lange hypnotische Trancezustände sorgen. „Love“ entfaltet sich auf einem gemächlichen Breakbeat ähnlichem Rhythmus. Weiche Sounds umspielen sehnsüchtig die unterschiedlichen Stimmeffekte. Mit 2:33 Minuten ist „The Sceptic“ unter allen Titeln, die sonst nicht kürzer als 5 Minuten sind, kurz und knapp. Er zeichnet sich durch eine filigrane Programmierung des Drumcomputer aus. Wie der Name „Depression Deity“ es vermuten lässt, ist dieser Track von besonderer Düsternis gekennzeichnet und hat etliche Industrial Elemente in sich. Unheimliche Sounds vermitteln eine drückende Stimmung bei „Tunnel Vision“. Schnelle, hektische Beats, ein schep- pernder Sound unterstützen diese Atmosphäre aufs Feinste. Der Track hat eine spannende Dynamik, die einen tatsächlich wie in einen Tunnel zieht. Hämmernde Geräusche wie aus alten Industrieanlagen erklingen in „Futile Attempts“. Auch die Voice-Samples unter- streichen diesen Effekt, der in den 80er durch aufkommende Technologie des Sample Recordings weidlich genutzt wurde. Berückend ist der lange, ruhige Einschub in der Mitte des Titels. Der gleichnamige Track wie das Album “Warning Signs“ schleicht sich bedrohlich langsam heran und die Stimmverzerrungen klingen zum Abschluss noch böser und unheimlicher wie in einem Soundtrack eines düsteren Science Fictions. Die Kom- position ist sehr verschachtelt und führt durch unzählige sich aneinanderreihende, sich gegenseitig aufbauende Parts. Hier breitet Martin Sane seine ganze Kompositionskunst aus. Toller Abschluss eines ungewöhnlichen Albums!

Fazit: Fette Klangkulissen, verwobene Sounds, orchestrales Dark Electro — Martin Sane hat mit dem Album „Warning Signs“ wieder mal etwas ganz großartiges produziert. Die Kompositionen sind komplex und in der Tat „retro“, wie angekündigt. Das klingt aber nicht „wie früher“, sondern nimmt das Retro mit in die Zukunft. Jeder Titel enthält durchaus eingängige, melodische Parts, die sich aber nicht ohrwurmmäßig ins Gehör eingraben, sondern das Hören wird mehr durch verschiedene Parts geführt: sanfte, melodische, dann harte, düstere und aggressive Passagen wechseln aneinander ab. Die gewohnte Song- struktur Strophe-Refrain ist weitgehend aufgehoben und wird durch Komplexeres abge- löst. Das ist ein Festschmaus für alle Elektroliebende, die sich akustisch fallen lassen möchten beim Hören.

Tracklist:

01. Embolism
02. Parasite Paradise
03. Empyrean
04. Syringe Relation
05. Funeral Dirge
06. Within Cells Interlinked
07. Love
08. The Sceptic
09. Depression Deity
10. Tunnel Vision
11. Futile Attempts
12. Warning Signs

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VÖ: 14.06.2019
Genre: Electronic/Industrial
Label: Dependent (Alive

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