Artefuckt – Stigma (CD-Kritik)

Artefuckt

„STIGMA“ – So lautet der klangvolle Name des Silberling Nachfolgers zum Artefuckt Debutalbum „Manifest“. Und genau an dieses knüpft es auch nahtlos an! „STIGMA“ ist eine Abrechnung mit der Vergangenheit und ihrer Stimmen, welche verurteilten und spotteten. Aber „STIGMA“ hat noch viel mehr zu erzählen! Inbrünstig und voller Gefühle strotzt es vor Leben und trotzt eben diesem gleichermaßen! „STIGMA“ gibt Kraft, es beflügelt, befreit, spricht aus dem Herzen, appelliert, gibt Mut, teilt mit und empfindet! Aber es kritisiert auch, stellt sich entgegen, zeigt auf, beendet, stellt in Frage und ignoriert! „STIGMA“ ist vielleicht noch persönlicher, als es „MANIFEST“ eh schon war, aber mit Sicherheit kein Stück weniger! Erstmals gibt es das Package auch im limitierten und handsignierten Boxset mit 2 weiteren Bonus Tracks und jeder Menge Fanartikeln. […] Dieses Album ist definitiv mehr als ein würdiger Nachfolger und wird mit Sicherheit begeistern! Herz ist Trumpf! (Quelle: Pressetext)

Ein Intro führt in den Langspieler, der auch vor jedem Horrorfilm laufen könnte. Ein bedrohlich geflüstertes „Wer von euch“ wird immer wieder wiederholt und schlussendlich die Frage gestellt „Wer von euch hat dran geglaubt?“ Was hier sehr schön gelöst wurde, das Intro geht nahtlos über in „Alles was zählt“. Auch hier wird zu Beginn die Frage gestellt „Sagt mir wer von euch?“ Ein Leben ist ein Wechselspiel aus Siegen und Niederlagen, Kämpfen und Verlieren, sich selber finden und immer wieder aufstehen. Am Schluss ist es wichtig und das ist auch die Aussage des Songs, dass man glücklich ist und an seinen Träumen festhält. Liest man den Pressetext zum neuen Album findet man als Abschluss die Aussage „Herz ist Trumpf“. Das klingt nicht nur gut, sondern ist auch der Titel des folgenden Songs. Bebende Gitarrensoli, gepaart mit einem flotten Schlagzeug und kratzendem Gesang. Eine altbewährte Deutschrock-Kombination, die immer funktioniert und hier auch noch besonders gut klingt. Auch in „Was wir säen“ bleibt der Fuß fest auf dem Gaspedal. Auch hier ist die Aussage hinter dem Song wieder sehr stark. Bleib einfach immer Du selbst und leb Dein Leben auf Deine Art. Denn jeder erntet, was er sät. Wenn wir eh schon flott unterwegs sind, dann halten wir das Tempo noch über einen weiteren Song aufrecht. Mit „Egal!“ lassen Artefuckt keine Verschnaufpause zu. Der vielleicht bisher kritischste und direkteste Song auf „Stigma“. „Leb‘ jeden Tag“ ist ein Arschtritt genau das zu tun. Ein Arschtritt aus wummernden Gitarrenriffs und brechenden Bässen. Wir haben nur das eine, deswegen sollte man es genießen und glücklich sein und natürlich gute Musik dabei hören. Ein bisschen ruhiger, ein kleines bisschen nur, mit einem Hauch Melancholie folgt als Track Nummer sieben, der namensgebende Track „Stigma“. Im Verlauf des Songs steigt das Tempo, es wird immer flotter und zieht einen förmlich in seinen Bann. Durch das mehr gebrüllt als gesungene Stigma ist der Song prädestiniert, um live performt zu werden. Wenn hier das gesamte Publikum mitbrüllen kann, gibt das sicher Gänsehautstimmung! Wir haben jetzt knapp die Hälfte von „Stigma“ gehört und jetzt legen wir noch einmal eine Schippe drauf. Der Gesang klingt aggressiver, das Schlagzeug wird ein bisschen härter getreten und die Saiten mit noch mehr Druck angeschlagen. „Jeder gegen Jeden“ ist eine Hymne die polarisiert und aufweckt und wer es hier schafft, die Füße stillzuhalten, der sollte definitiv noch ein bisschen lauter drehen und dann anfangen sich zu bewegen. Es geht weiter wie bisher. Nur keine Pause, nur kein Tempo rausnehmen, sondern schön in Stimmung und im Fluss bleiben. „Ich will!“ ist all das gepaart mit melodischen Passagen und dem unbändigen Wunsch frei zu sein. Man hätte es fast nicht gedacht, aber nach zehn Songs ist es endlich so weit. Es werden zarte Töne angeschlagen, den Gefühlen freien Lauf gelassen und mit „Nicht für immer“ die obligatorische Ballade angespielt. Wo sind die Feuerzeuge? So viel Gänsehaut und Gefühl verpackt in knapp 5 Minuten. Eine nette, wirklich gut gemachte Abwechslung. „Alles vergeht, alles zerfällt“ klingt ziemlich dramatisch und pessimistisch, wird aber mit Guter-Laune-Musik unterlegt. Ein netter Kontrast, der den gewünschten Effekt erzielt und dem Song extrem viel Charme verleiht. „Was?“ Ja was denn? Was ist denn hier los? Song zwölf heißt einfach nur „Was?!“ und aus einem Wort kann man so unfassbar viel rausholen – zumindest wenn man Artefuckt heißt. Das gebrüllte „Was“ gepaart mit den hämmernden Instrumenten – geniale Kombination, klasse Song. Der offiziell letzte Track „Deine Zeit, dein Leben“ rundet das Album eigentlich schon perfekt ab. Genauso viel Power geballte Kraft in Instrumenten und Stimme, wie in den meisten Songs auf Stigma, schöne Gitarrensoli und ordentlich Tempo. Ein durchaus gelungener Abschluss. Aber es gibt noch ein kleines Zuckerl zum Abschluss. „Wir sind ewig“, erschienen auf dem Debütalbum Manifest, in einer wunderschönen akustischen Pianoversion. Viereinhalb Minuten Augen zu machen und genießen, mehr gibt es zu diesem Song nicht zu sagen! Wunderschön!

Fazit: Klassischer Deutschrock, wie man ihn kennen und lieben gelernt hat, gibt es bei Artefuckt veredelt mit einer kleinen Prise Individualität. Manifest war durchaus ein gelungenes Album und ich war sehr neugierig, was man von Artefuckt noch hören wird. Mit Stigma ist die Frage nun beantwortet. Stigma hätte meiner Meinung nach ein kleines bisschen mehr Abwechslung vertragen können. Ansonsten hört man den gleichen Stil, den man auch schon auf Manifest gehört hat, die Jungs bleiben sich also treu. Ich muss zugeben, ich hatte ein ein klein wenig mehr erwartet. Der Sprung von Manifest zu Stigma war jetzt nicht so groß, wie ich gehofft hatte. Nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, das ist erst der zweite Langspieler von Artefuckt und dafür ist das Album wirklich ziemlich solide und verdient es definitiv gehört zu werden!

Tracklist:

01 Intro
02 Alles was zählt
03 Herz ist Trumpf
04 Was wir säen
05 Egal!
06 Leb‘ jeden Tag
07 Stigma
08 Jeder gegen Jeden
09 Ich will!
10 Nicht für immer
11 Alles vergeht, alles zerfällt
12 Was?!
13 Deine Zeit, dein Leben
14 BONUS: Wir sind ewig (Akustik/Piano Version)

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VÖ: 11.01.2019
Genre: Deutschrock
Label: Rookies & Kings

Artefuckt im Web:

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