Antibody – Revolution Dance (CD-Kritik)

Antibody

Nur 16 Monate nach der Erscheinung des Debüt-Albums „Opera of Death“ schlägt das powernoise basierende Ein-Mann-Projekt Antibody, das 2013 von Jan Antibody aus Bottrop ins Leben gerufen wurde, erneut zu. „Revolution Dance“ heißt der neue Longplayer, der am 29. Juni 2018 via darkTunes seine Veröffentlichung feiern wird. Dann wollen wir doch mal lauschen, ob es Antibody abermals gelingt, die Welt mit seiner Musik zu infizieren.

Mit dem Opener „Man In A Mask“ erfolgt zunächst die Selbstvorstellung von Antibody, der Mann mit der Maske. Der trockene Beat treibt die eingängigen Loops vor sich her, die sich hübsch und eingängig immer weiter zu einem locker-flockigen Tanztrack entwickeln. Der „Ouroboros“ ist ein uraltes Symbol einer Schlange, die sich vom Schwanzende her selbst verzehrt. Der dominante Synthieklang erinnert an das pfeifende Geräusch an das Einstellen eines Radiosenders oder dem Piepsen des Star-Wars-Roboters R2D2. Insgesamt ist es ein düsterer Power-Noise Track, der spannungsreich komponiert ist. Noch düsterer und mehr im Industrial-Stil ist „I See Them“. Der knallharte Beat ist erbarmungslos. Der Track hat zweifellos eine leicht hypnotische Wirkung und besitzt eine spannende Vielschichtigkeit. Deutsche Spoken Words bereichern „Shut Your Mouth“ — ein leichterer Titel trotz oder gerade wegen seiner Dark Electro Note, aber treffend sozialkritisch in der Aussage der Voice-Samples. Witzig ist der nach 80er Jahre Computerspiel klingende Sound. Eine sehr schöne Zusammenarbeit mit dem Electro-Duo Technolorgy gibt es bei „Damage Done“. Ein synthiepoplastiger Titel mit einer unheimlichen schönen Melodie mit viel Coolness. „Kurz Vorm Ausrasten“ ist atemberaubend. Der kritische, auf den Punkt gebrachte Text des Voice-Samples macht sprachlos, weil es genau den Zeitgeist wiedergibt … Unser großer Krieg ist ein spiritueller. Unsere grosse Depression ist unser Leben! Musikalisch klingt in diesem Track EBM durch, was super zum Text passt. Schöne weiche Sounds werden ergänzt durch klare, definierte Synthiesounds für „Revolution Dance“. Der Titel verbreitet atemlos gute Laune und Stimmung, die im krassen Gegensatz zu den eingespielten Voice-Samples steht. Bei der Vocal Version von „Secrets“ brachten sich Avarice In Audio aus Australien mit ein. Im Gegensatz zu den anderen Tracks des Albums fehlt diesem Titel etwas die Kontur. „Tears“ beginnt ziemlich verspielt mit hellen Glöckchensounds bis in die höchsten Töne, dazwischen dröhnt im Untergrund ein breiter, sägenartiger, tiefer Sound. Das Spiel mit diesen Gegensätzen der Klänge ist seltsam faszinierend. Der eher langsame Titel im Midtempo ist eine verspielte Klangkulisse. Bei „I See Them (Grendel Remix)“ erkennt man schon an den ersten Tönen Grendels Klangschrift und die dramatische Koloration des Sounds. Der Remix ist zweifellos gelungen und noch ein wenig düsterer als das Original. Das Industrial/EBM Projekt Cyferdyne bekam ebenfalls den Track „Secrets“ zur Bearbeitung. Heraus kam ein schöner Remix mit faszinierenden Synthieklängen, die richtig spacig klingen. Die norwegischen Electroheads Kant Kino haben „Ouroboros“ komplett überarbeitet und mit Gesang versehen. Die Grundidee klingt noch durch, aber der Titel ist bis auf das kleine Detail sehr anders geworden. Ein fetter Dark-Elektro-Track. Zum Abschluss des Albums erklingt noch einmal „Tears“ als Remix von Cease2Xist aus England. Hier wurde dem Titel die glöckchenhelle Klangfarbe entnommen und eine fast sanfte Klanglandschaft entworfen. Der Sound ist weicher und entwickelt eine ganz wunder- schöne Emotionalität.

Fazit: Auf diesem Album erklingt verspielter Industrial Power Noise gepaart mit Synthiepop und auch EBM Elementen, der unheimlich intelligent in Szene gesetzt wird. Die spannungsgeladene Wirkung wird auch durch die Spoken Word Einspielungen erzielt. Die Textsamples sind gewichtige Elemente, die bezeugen, dass man hier nicht nur Musik für den Dancefloor produziert, sondern eine Message transportiert. Es gibt Alben, die faszinieren beim ersten Hören und werden irgendwann langweilig, aber dieses wird beim mehrmaligen Hören immer besser. Die Ohren dürfen hier immer wieder Neues entdecken. Die Zusammenarbeit mit den anderen Bands ist eine gelungene Ergänzung.

Tracklist:

01. Man In A Mask
02. Ouroboros
03. I See Them
04. Shut Your Mouth
05. Damage Done (feat. Technolorgy)
06. Kurz Vorm Ausrasten
07. Revolution Dance
08. Secrets (Vocal Version feat. Avarice in Audio)
09. Tears
10. I See Them (Grendel Remix)
11. Secrets (Cyferdyne Remix)
12. Ouroboros (Kant Kino Rework)
13. Tears (Cease2Xist Remix)

Kaufen: Amazon

VÖ: 29.06.2018
Genre: Techno, Industrial, Power Noise, Electro
Label: darkTunes

Antibody im Web:

Facebook