Alles mit Stil – Gegen jede Vernunft (CD-Kritik)

Alles mit Stil

Liest man sich die Bandbeschreibung der Österreicher Alles mit Stil durch, dann werden manche sagen „Boah – Geile Scheiße, endlich mal was anderes“, oder aber „Boah – was ne Scheiße, so ’n Crossover Mist“. Die Band, die seit einigen Jahren bei Rookies & Kings unter Vertrag steht, vermischen Hip Hop mit Metal und Rock. Dass das ganz gut funktionieren kann, haben die Männer bereits bewiesen. Ihr 2016 erschienenes Album Chaos ebnete den Weg für einige Nominierungen österreich- ischer Musikpreise und die Single „Nie Mehr“ stieg sogar in die TOP 100 der österreichischen Charts ein. Jetzt, knapp drei Jahre später wollen sie noch mal in großem Stil zeigen was sie können und mit Gegen jede Vernunft den nächsten Langspieler unters Volk bringen und ihre Fanbase weiter vergrößern.

„Die Gang“ lautet der erste Titel und zeigt in der ersten Minute schon, wie vielseitig die Band ist. Ein ruhiger Beginn, unterbrochen von hämmerndem Schlagzeug, ein kurzer Cut und dann wird ordentlich losgerockt. Mit einsetzen des schnellen Gesangs, der Zeile für Zeile herunterrappt feiern sich die Jungs erstmal selbst. Ein selbstbewusster, aber wirklich gelungener Einstieg. In „Keine Zeit“ wird das hohe Tempo aufrechterhalten. Der Gesang ist hier in großen Teilen deutlich klarer und melodischer und kann, zumindest mich, mehr überzeugen. Einen ganz anderen Weg schlagen sie dann wieder in „Bipolar“ ein. Ein ruhiger, fast schon melancholischer Beginn führt in den Song und die Melodie findet sich im Hintergrund auch immer wieder. Im Refrain wird man kurzzeitig zweisprachig überrascht und auf die nächste Steigung vorbereitet. Denn was dieser Song definitiv kann, ist ordentlich Druck nach vorne machen. Im ersten Song noch ab und an eingestreut bekommt der Bandname in „A.M.S.“ besonders viel Platz. Die Abkürzung für Alles mit Stil bietet vier Minuten Raum für orientalische Hintergrundmusik, die aber ordentlich aufgepeppt wurde und weiter konstant nach vorne presst. Generell bekommt man hier als Hörer kaum Verschnaufpause. Es geht immer mit ordentlich Tempo voran. „Verrat an der Wirklichkeit“ kann melodisch sehr überzeugen, textlich, beziehungsweise der Gesang kann mich nicht in allen Teilen überzeugen. Im Refrain mit sehr viel Tiefe wirken die Strophen eher flach. Dafür kann aber „Deine Entscheidung“ wieder voll überzeugen. Schön abgemischt, trotz des hohen Tempos gut verständlich und musikalisch wird hier auf Klassischen, schlagzeuggetragenen Rock gesetzt. Die Texte teilweise etwas flach, was wohl den Reimen geschuldet ist, aber darüber kann man hinwegsehen. Ruhige Pianotöne werden in „Spiegelwelt“ angeschlagen, zumindest zu Beginn. Der Song glänzt mit extrem vielem Tempo- und Rhythmuswechsel. Das Ganze wirkt allerdings weder chaotisch, noch hektisch, sondern wie gewollt und auch gekonnt. „Untrennbar“ ist bis hierhin mein Highlight. Warum genau kann ich gar nicht an bestimmten Dingen festmachen, weder textlich noch musikalisch ein großes Meisterwerk, aber mit vielen Ecken und Kanten hat der Song definitiv Charakter, das macht hier wirklich viel aus. Wer sich jetzt bei „1000 Zeichen“ auf eine Verschnaufpause freut, wird kurz beglückt, allerdings dauert es nicht lange und der Song steigert sich zu bekanntem Tempo. In „Schwarz Weiß“ wird das gleiche Spiel gespielt. Ruhiger Beginn, Steigerung und dann volle Kraft voraus. Wobei hier eher gesanglich Gas gegeben wird.Instrumental hält der Song sich im Vergleich zu seinen Vorgängern meistens ein bisschen zurück. Was man aber sagen kann, „Schwarz Weiß“ sticht aus den bisherigen Songs heraus. Vollgas aus allen Rohren gibt es jetzt aber wieder in „Ewigkeit“. Durch viele Mitgrölpassagen wird der Song live sicher die Hallen zum Beben bringen und noch mehr zu überzeugen wissen, als auf Silberling gepresst. „Schweigen ist Gold“ ist mal alles andere als still. Instrumentale Power aus allen Ecken ebnet den Weg für den Gesang. Textlich nicht sehr einfallsreich, aber okay, darüber kann man hinwegsehen und sich auf die Instrumente konzentrieren. „Freier Fall“ schließt das Album auf experimentelle Art ab. Für die letzten viereinhalb Minuten werden noch mal alle Kraftreserven mobilisiert und das Tempo noch mal angezogen. Hier überzeugt vor allem der abwechslungsreich genreübergreifende Gesang, den die Band eigentlich ausmacht.

Fazit: Ich kann jetzt weder sagen, geile Scheiße noch ganz schöne Scheiße. Denn Gegen jede Vernunft ist nichts davon. Eher so Mittelfeld, für Fans von Crossover sicher auch die geilste Scheiße seit Langem.

Tracklist:

01. Die Gang
02. Keine Zeit
03. Bipolar
04. A.M.S. feat. Evil Jared
05. Verrat an der Wirklichkeit
06. Deine Entscheidung
07. Spiegelwelt
08. Untrennbar
09. 1000 Zeichen
10. Schwarz / Weiss
11. Ewigkeit
12. Schweigen ist Gold
13. Freier Fall

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VÖ: 12.04.2019
Genre: Hip Hop/Metal/Rock
Label: Rookies & Kings

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