Accessory – Elektrik (CD-Kritik)

Accessory

ACCESSORY sind zurück! 1994 noch unter Voices of Darkness von Dirk Steyer und Kay Resch gegründet, erhielt das Projekt 1996 seinen endgültigen Namen „Accessory“. Kurz darauf erschien das Demo-Tape „Electronic Controlled Mind“ in Eigenregie, bevor es 1997 über das kleine Label SD-IMAGE erneut als limitierte CD-Auflage in den Handel gebracht wurde. Mittlerweile kann die Band auf eine über 20-jährige bewegte Musikkarriere zurückblicken. So wurden einige Line-Up Wechsel durch- und überlebt, acht Alben auf den Weg gebracht und so manche Support-Tour mit Szene-Größen wie u. a. And One, Terminal Choice & Hocico sowie Shows im In- und Ausland erfolgreich gemeistert. Aber auch namhafte Fesivals wie unter anderem das Wave Gotik Treffen, M´era Luna und das Plage Noir wurden bereits bespielt. Zuletzt sorgten ACCESSORY mit ihrem 2013er Album „Resurrection“ für Aufsehen.

Ganze 14 Titel enthält der neue Longplayer der Chemnitzer. Das brachiale Intro „How Many Times Do I Have To Tell You“ von gut einer Minute wälzt sich bedeutungsschwer heran, akzentuiert mit Voice-Samples dürfte es live ein großartiger Opener sein. „Mr. Fukker“ ist ironisch witzig und transportiert eine gewisse Bitchigkeit. Der lässige Groove mischt den EBM-Anteil ganz schön auf. Gibt es das wirklich? — grooviger EBM? Jetzt schon. Die letzte Singleauskopplung „No Man Covers“ beginnt sphärisch, retro Handclaps und die weichen Sounds huldigen dem eingängigen Synthiepop und lassen Aspekte des Futurepops anklingen. Das ACCESSORY auch anders können, beweist „Abyss“. Da hatte jemand Spaß an Soundspielereien mit schrägen Klängen. Der pulsierende Rhythmus zu kratzigem Dark Elektro klingt sehr aufregend zusammen mit den Arbeiten an den Synth-Filtern. EBM der alten Schule mit modernen Sounds und mit sehr viel Hall liefert „This Old Track“. Das motorenähnliche Geräusch ab der Mitte des Liedes wird bedrohlich lauter und unter Kopfhörern fühlt es sich wie langsames Hirnzersägen an. Wieder etwas mehr Synthiepop bringt „Elektrik“ zu Gehör ähnlich wie „No Man Covers“. Dieser Song hat einen eingebauten Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird. Die anfangs blubbernden Klänge erinnern an die Vocoder Experimente der 80er. Es folgt ein Track in deutscher Sprache „Wir Müssen“, der mit Ironie zu genießen ist. Hier hört man stampf- enden EBM mit dumpfen Rums, back to the roots ohne Schnörkel und ohne übertrieben viel Melodie. Das steht im Kontrast mit dem vorherigen Song „Elektrik“. „At Night All Cats Are Gray“ kann man als Dark Elektro mit leichten Futurepop Ambitionen begreifen, während das lasziv langsame „Hunters“ düster bassig die Bassreflexzonen zum Schwingen bringt. „Der Monicon“ ist ein weiterer deutscher Titel mit ungewöhnlichem Text. Es ist eine Ode an ein kleines Gerät aus der Musikwelt namens Monicon, ein Monitor Controller für den schnellen Zugriff auf die Lautstärke. Anscheinend ein geliebtes und unentbehrliches Gerät im Studio von ACCESSORY. Dirk und Mike sollten über ein Sponsoring der Firma Palmer nachdenken. „Ship Of Fools“ wurde bereits 2016 als Single veröffentlicht und zeigt wieder einen anderen Aspekt der Vielfältigkeit im Elektrobereich. Der Stimmeffekt, der von etlichen Stücken des Technogenres bekannt ist, akzentuiert diesen EBM/Dark Elektro Titel. „Too Many Nights“ ist eine wavig angehauchte Hymne der Nacht. Die Arrangements sind bestens ohrgängig. Der unsägliche sog Modulationseffekte moderner Popmusik, der die Stimme so seltsam umschlagen lässt, verwendet das Duo wie ein musikalisches Zitat beim Track „Living Dead Girl (80s Look Version)“. Der Song fällt aus dem Rahmen des Albums, aber diese Spielerei sei ihnen gegönnt und sorgt ebenso dafür, dass die Hörenden gefordert bleiben. Ein bisschen Aufatmen ist schon dabei als „Too Young To Die“ erklingt. Zum Schluss kommt bei den meisten Alben die Ballade als Abgang, bei ACCESSORY weit gefehlt, denn jetzt wird gefetzt bis zuletzt! Das ist wohl DIE Dancefloor-Killernummer schlecht hin.

Fazit: ACCESSORY verbinden mühelos mit einem ironischen Augenzwinkern klar struktu- rierten EBM mit vielen verspielten Zutaten aus der Welt der elektronischen Musik. Dabei hat das Duo aus Chemnitz allerhand kreative Einfälle, weil sie stilistisch über den Tellerrand schauen. Nach sechs Jahren legen sie ein spannendes Album vor, was frisch aus den Boxen heraus basst. Ob der Monicon das begünstigt oder der Wechsel zu einem neuen Label, lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Der Pfeffer des Albums ist, dass sich ACCESSORY eben nicht beschränken, sondern mit fröhlich frechem Sinn aus dem Vollen schöpfen und mit starken musikalischen Kontrasten spielen. Das macht Spaß!

Tracklist:

01. How Many Times Do I Have To Tell You
02. Mr. Fukker
03. No Man Covers
04. Abyss
05. This Old Track
06. Elektrik
07. Wir Müssen
08. At Night All Cats Are Gray
09. Hunters
10. Der Monicon
11. Ship Of Fools
12. Too Many Nights
13. Living Dead Girl (80s Look Version)
14. Too Young To Die

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VÖ: 14.06.2019
Genre: EBM/Industrial/Electro
Lanel: Infacted Recordings

ACCESSORY im Web:

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