WIENS NO. 1 – Des Kaisers Neue Lieder (CD-Review)

WIENS NO

WIENS NO. 1 sind zurück! Nachdem sich die Band um den gebürtigen Ur-Wiener und Frontmann Stefan P. erst 2014 frisch reformiert und neu zusammengefunden hatte, durfte man gespannt sein, ob WIENS NO. 1 nach dem erfolgreichen Album „Sag niemals nie“ noch eine Schippe draufsetzen kann. Und ja – das können Sie! Denn schließlich ist die Geschichte der Band noch längst nicht zu Ende erzählt: am 11. August 2017 erschien nun unter dem Titel „Des Kaisers Neue Lieder“ das nunmehr 5. Studioalbum, welches 14 Tracks beinhaltet, der fünf Vollblutmusiker Stefan (Vocal), Garry (Gitarre), Steve (Bass), Ivo (Schlagzeug) & Kuno (Gitarre) aus Wien.

Eröffnet wird der Silberling mit „Fünf Jungs aus Wien“. Hier geht’s direkt mit ordentlich rotzigen Gitarren und hartem Schlagzeug zur Sache. Es gibt keine Zweifel, was der Song ausdrücken soll … „Heyho, wir sind wieder da!“ und wir freuen uns darüber, denn der kratzige Gesang von Stefan P. kommt super rüber und man merkt kaum, dass die fünf Jungs schon lange Männer sind. Denn sie sind „Auf der Suche nach Spaß“ und das knallhart und direkt. Sofort zu Beginn setzen Gesang und Gitarre ein. Ohne Umschweife geht es direkt zur Sache, ein schnelles Schlagzeug gibt den Rhythmus vor. Und wenn man davor nicht auf der Suche nach Spaß war, ist man es spätestens jetzt, und zwar mitgrölenderweise. Etwas melan- cholischer wird der nächste Track „Tour durchs Leben“. Nach einem gitarrenlastigen Intro beginnt die Geschichte von den Jungs von nebenan, die irgendwann Rockstars geworden sind. Sie haben fast alles schon gesehen und sollten aber viel mehr zu schätzen wissen. Eine schöne Botschaft, die punkig und mit ordentlich Druck auf den Instrumenten ins Volk geschrien wird. Eine „Spontane Party“ feiern wir im nächsten Song. Dieser startet mit einem leicht mexikanisch anmutenden Intro und einem drückenden gesanglichen Einstieg. Die Laune wird aber im Refrain schnell wieder angehoben und mit illustren Gästen wie dem Tod, der Liebe und dem Hass gefeiert. Eine Party im Inneren, ein hin und hergerissen sein, dass mit einem musikalischen Kontrastprogramm wiedergegeben wird. Kann man machen – klingt ziemlich geil! Die „Schnauze! Voll!“ hat man oft von so einigem. Der Song ist eine Abrechnung mit all dem, was nervt, belastet, betrügt und hintergeht. Mit einem fetzigen Gitarrensolo als Intro wird Chaos Rock ’n‘ Roll vom feinsten zelebriert. Der folgende Song „Freundschaft“ handelt von guten Freuden, die jeder im Leben braucht, um jemanden zu haben, der einem den Rücken freihält und dem man blind vertrauen kann. Mit dem man auch mal Blödsinn machen kann und nicht alles richtig ist, dafür aber Spaß macht und zusammenschweißt. Ein schöner Text untermalt von ehrlich klingenden rockigen Instrumenten. Etwas gedrückter und schwerer geht es mit „Weltverbesserer“ weiter. So viele Ideen und Ziele gehabt, ebenso viele auch weit verfehlt. Aber das ist egal, solange man immer zu sich selber steht. Die gedrückte Stimmung zusammen mit einem starken Text dringt ganz tief ein und rüttelt auf. Wieder mehr gute Laune verbreitet der folgende Song „Leckt uns am Arsch 2.0“ Die Ursprungsversion erschien bereits 2004 auf dem Album „…Jetzt Red Ma Amoi Tacheles“. Weniger punkig, dafür deutlich rockiger wird mit schneller Gitarre, hartem Schlagzeug und einfachem Text ins Volk gebrüllt. Ein bisschen Politik gibt es im nächsten Song „Zeichen der Zeit“. Der Song beginnt mit lautem Getümmel, vielen Stimmen in einer großen Menschen- menge. Mit dem Geräusch von zerbrechendem Glas startet man dann in den Song mit Gitarre und Schlagzeug, die den Takt geben für den Gesang, der betitelt, dass Zeit vieles heilt, sich aber trotzdem alles wiederholt, was nicht unbedingt immer gut ist. Angstmache und Panik sind schon mal da gewesen und werden auch wiederkehren, trotzdem dreht sich sie Uhr weiter und wir müssen unser Leben leben. Man kann den Sturm nicht beherrschen, aber die Segel richtig setzten. Was wie eine alte Lebensweisheit klingt, wird im folgenden Track „Leinen los“ besungen. Im Vordergrund eine Akustikgitarre und die kratzige Stimme von Stefan P., die auffordern immer weiter zu segeln, immer weiter zu machen und allen Widrigkeiten zu trotzen. „Guten Flug“ ist ein passender Song für alle, die immer zu viel denken und viel öfter einfach mal Leben sollten. Einfach mal dankbar sein für das, was man hat und das auch genießen – nicht immer mehr wollen. Das würde einen ganzen Haufen Leute mal ganz gut tun. Das auch noch untermalt mit herrlicher Rockmusik – Hervorragend! „Taunz!“ (feat. Tommy Lee) ist dann mal das totale Kontrastprogramm! Austriapop gepaart mit Punk. Trompeten begleiten das Schlagzeug – eine pure Aufforderung zum Tanzen – als würde keiner zuschauen. Der folgende Track trägt den niedlichen Namen „Der kleine Bär“. Wieder dialektfrei mit schneller Gitarre und hartem Schlagzeug wird den Alkohol gefrönt, auf die schlechte Laune geschissen und dem Kater entgegen gewirkt. So lange, bis der Bär, der Jäger und der Hase an einem Tisch sitzen und sich die Sorgen von der Seele saufen. Eine kleine Nummer zum Schmunzeln für zwischendurch, wenn auch nicht ganz ohne Aussage. Der letzte Track trägt den passenden Namen „Auf Wiedersehen“. Der Abschied wird mit einem dominanten Schlagzeug besiegelt und der rotzige Gesang besingt ein baldiges Wiedersehen. Auch wenn es etappenweise an den gleichnamigen Klassiker der Toten Hosen erinnert, ein sehr schöner Abschluss.

Fazit: Die fünf Jungs aus Wien sind erwachsen geworden. Das merkt man an den Texten, der Musik und auch an der Philosophie, die hinter „Des Kaisers neue Lieder“ steckt. Ehrlicher Deutschrock gepaart mit rotzigen Punk, tanzbare Grooves und Wiener schmäh. Die fünf Jungs aus Wien sind zwar keine Jungs mehr, aber auch noch lange keine alten Säcke. Da geht noch was!

Trackllist:

01.Fünf Jungs aus Wien
02.Auf der Suche nach Spaß
03.Tour durchs Leben
04.Spontane Party
05.Schnauze! Voll!
06.Freundschaft
07.Weltverbesserer
08.Leckt uns am Arsch 2.0
09.Zeichen der Zeit
10.Leinen los
11.Guten Flug
12.Taunz! (feat. Tommy Lee)
13.Der kleine Bär
14.Auf Wiedersehen

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VÖ: 11.08.2017
Genre: Deutschrock
Label: Triumvirat Records

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