Im Interview mit Hämatom

Im Interview mit Hämatom

So manche Künstler müssen sich erst zurückziehen, um mit einem lauten Knall wieder aufzutauchen. Nicht so HÄMATOM diese Band tritt einfach nochmal kräftig nach, mit voller Wucht in die Wunden dieser Zeit. Seit 2004 lärmt die Band, bestehend aus Sänger NORD, Gitarrist OST, Bassist WEST und Drummer SÜD, aus Bayern schon erfolgreich durch die Lande. In dieser Zeit wurden bereits fünf vollwertige Meisterwerke ans Licht gebracht. Nachdem im letzten Jahr die Erfolgsgeschichte mit der Veröffentlichung von „Wir Sind Gott“ neu geschrieben werden musste, geht die Reise auf der Überholspur für HÄMATOM unerbitt- lich weiter. Am 26. Januar 2018 ist es endlich soweit: Die vier Himmelsrichtungen lassen ihr 6. Studio-Album mit dem Titel „Bestie der Freiheit“ über Columbia d (Sony Music) auf die Welt los. Das neue Werk umfasst 13 brandneue Songs, die mit unnachsichtiger Deutlichkeit und Härte sowie mit einer großen Portion Irrsinn unserer Zeit abrechnen werden. Produziert wurde das Ganze gemeinsam mit niemand Geringeres als den deutschen Musikproduzenten und Echo-Gewinner Vincent Sorg (Die Toten Hosen, Broilers, In Ex- tremo, etc.).

Im Rahmen der anstehenden Veröffentlichung ihres neuen Albums „Bestie der Freiheit“ konnten wir Drummer SÜD für ein Interview gewinnen und ihm mit ein paar Fragen löchern. Aber lest selbst:

Erst einmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt! Seit ihr alle gut ins Jahr 2018 gerutscht?

Sehr gerne und ja, der Rutsch war sehr lang und lustig. Nach unserem DÄMONENTANZ Festival am 26.12. hatten wir ja ein paar Tage zum Erholen, so dass die Leber wieder bereit für eine neue Orgie war.

Zählt man das neue Jahr schon zu, sind mittlerweile 14. Jahre seit der Bandgründung vergangen. Inwiefern hat sich eure Musik seit euren Anfängen verändert?

Ich denke, dass wir das Stilmittel der „Melodie“ für uns im Laufe der Jahre entdeckt haben. Das klingt etwas infantil, aber wenn man in unseren ersten Werke rein hört, so waren diese schon sehr rhythmisch angelegt. Bei manchen Songs wurden eingängige Melodien komplett ausgelassen. Weiter haben wir glaube ich auch viel über Dynamik gelernt. Früher gab es nur Stille oder „auf die Zwölf“. Inzwischen wissen wir auch mit Nuancen im Gesang oder in den Instrumenten zu arbeiten. Und natürlich ist auch textlich brutal viel passiert und passiert noch immer Neues. Wir sind sowieso eine Truppe, die immer davor Angst hat sich selbst zu wiederholen, weswegen wir permanent mit Jedem und allem möglichen experimentieren.

2017 Jahr war ein ereignisreiches Jahr für Euch. Viel ist passiert. Ihr habt Eure „Wir sind Gott“-Tour wegen der großen Nachfrage verlängert, fleißig an einem neuen Album gearbeitet und nach einem verdammt heißen Festivalsommer auch noch zum 4. Mal Euer DÄMONENTNAZ-Festival ausgerichtet. Was war für Euch persönlich das Highlight aus 2017?

Genau, die Albumproduktion stand 2017 sehr im Mittelpunkt! Die ersten Spatenstiche für neue Songs, unter anderem auf der wunderschönen Insel Formentera, das Kennenlernen von unserem neuen Produzenten Vincent Sorg (Die Toten Hosen, Broilers, In Extremo) und die damit verbundene fProduktion des Albums BESTIE DER FREIHEIT war auf jeden Fall ein Highlight. Eine CD Produktion bedeutet ja nicht emotionsloses Abarbeiten von Musik, sondern intensives Köpfezusammenstecken mit Herzblut, bei dem man durchaus auch an seine Grenzen stößt. Das ganze war unglaublich zeitintensiv und hat somit 2017 total dominiert. Dennoch waren natürlich unser DÄMONENTTANZ mit Zuschauerrekord und die Zusatzshows besondere Ereignisse, genauso unsere erste Show in Rumänien und natürlich das sensationelle WACKEN OPEN AIR mit 10000en von Zuschauern. Letzteres wurde übrigens filmisch festgehalten und auf dem Bonus Material unserer Fan Box als DVD verewigt.

Ihr seid im April 2017 zurück zur „Geburtsstätte des Erfolgs“ ins Aladin Bremen gekehrt, um „Das laute Abendmahl“ zu feiern. Das soll jetzt jedes Jahr an Karfreitag wiederholt werden. Wie kam es zu der Idee?

Das war eine Idee unseres Managements für die wir alle zusammen gleich Feuer und Flamme waren, was oft nicht so ist. Aber die Stimmung in Bremen ist immer gigantisch, im Norden haben wir selten die Möglichkeit ein eigenes Mini-Festival mit Gästen nach unserem Geschmack zu veranstalten und letztendlich gibt es nicht viele Orte in der Republik, bei denen man am Karfreitag Konzerte geben kann. Dieses Jahr haben wir übrigens als Special Guest unter anderem J.B.O. mit am Start, was uns sehr freut!

„Wir sind Gott“ war ein großer Erfolg. Jetzt legt Ihr am 26.01.2017 mit Eurem 7. Studioalbum „Bestie der Freiheit“ nach. Wie würdet ihr das neue Werk beschreiben? Als Nachfolger von „Wir sind Gott“ oder der Beginn eines neuen Kapitels?

Die BESTIE DER FREIHEIT ist auf jeden Fall ein neues Kapitel. Das ist nach zwei Jahren WIR SIND GOTT mit zahlreichen Shows auch wichtig, dass Platz für etwas Neues gemacht wird. Die Musik und die Show werden erneuert. Wir tragen neue Masken und warten mit neuen Überraschungen auf. Musikalisch kommt die BESTIE straighter, Groove-lastiger daher. Die Texte sind emotionaler. Die BESTIE DER FREIHEIT ist das persönlichste Album unserer Bandgeschichte. Es wird nicht nur ein Spiegel vorgehalten, sondern wir gehen einen Schritt weiter, wir erzählen von UNSERER Jugendzeit und beschreiben UNSERE Gefühlslagen. Das sind alles Dinge, die in dieser Form auf WIR SIND GOTT nicht stattgefunden haben.

Ihr habt ja immer schon gerne provoziert, den Finger in die Wunde gelegt und auf Missstände aufmerksam gemacht. Damit hört Ihr auch in „Bestie der Freiheit“ nicht auf. Welche Themen waren euch dieses Mal besonders wichtig?

Um mal zwei Beispiele zu nennen: Der Song WEHLEIDIGE MONSTER prangert all diese „Besorgten Bürger“ da außen an, wie sie sich selbst betiteln. Sie schüren Ängste, hetzen. Sie glauben, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten, sind aber durch ihr destruktives Verhalten selbst zu einem Problem geworden. In dem Song MÖRDER wird das kurzsichtige Verhalten von Politikern oder Lobbyisten verurteilt. Es werden Waffendeals geschlossen und Bombenangriffe mit Drohnen durchgeführt, um einen abstrakten, entfernten Feind zu bekämpfen. Dabei wird aber keine Rücksicht auf die vielen Einzelschicksale genommen. Manchmal hat man das Gefühl, dass vergessen wird, dass es immer noch viele Menschen sind, die diesem machtsüchtigem Verhalten zum Opfer fallen.

Der erste Track des Albums heißt „Zeit für neue Hymnen“. Darin kündigt Ihr große Veränderungen und einen Neuanfang an. Was würdet ihr euch von eurer privaten Zukunft aber auch gesellschaftlich und global betrachtet wünschen?

Meine privaten, gesellschaftlichen und globalen Wünsche sind ein Zusammenwachsen der Welt, ein konstruktives Miteinander, bei dem man sich gegenseitig wertschätzt. Derzeit verspüre ich leider eine Entwicklung in genau die andere Richtung. In vielen Länder kommen konservative Regierungen an die Macht, Pressefreiheit wird teilweise einge- schränkt, man schreit nach Grenzschließungen und Mauerbau, all die Dinge , die man in den letzten Jahrzehnten erfolgreich abgeschafft hat sollen auf einmal wieder rückgängig gemacht werden. Das finde ich eine ernstzunehmende, besorgniserregende Entwicklung!

Im Song „Lange nicht perfekt“ richtet ihr eure Worte an alle Kämpfer und auch Querköpfe – würdet ihr euch selber auch als solche bezeichnen, oder gab es ein bestimmtes Erlebnis, das zu diesem Song inspiriert hat?

Wir sind auf jeden Fall auch Querköpfe, sonst hätten wir Musik gemacht, die nicht so stark aneckt. LANGE NICHT PERFEKT ist ein Songs an und über unser FREAK-TEAM, dem ultimativen HÄMATOM Fan Club und alle anderen, die sich durch ihn angesprochen fühlen. Ohne unsere FREAKS wären wir nichts, vor allem nicht perfekt. Mit ihnen sind wir aber VERDAMMT NAH DRAN.

Wenn ihr einen Song des Albums zu eurem Favoriten küren müsstet. Welcher wäre das und warum?

Ich kann jetzt nur für mich sprechen und bei mir ist es genau LANGE NICHT PERFEKT, wobei ich immer wieder neue Lieblinge habe. Aber derzeit und eben nach dem gemeinsamen Musik-Video-Dreh mit unseren Fans zu diesem Song hat es bei mir total klick gemacht, ja ich hab diesen Track fast neu entdeckt nachdem wir ihn mit allen Freaks einen Tag lang durchgebrüllt haben.

2018 werdet ihr sieben Release-Shows zum Besten geben und seit im Sommer auch wieder einige Festivals zu Gast. Habt ihr noch weitere Pläne für 2018?

Der Zeitpunkt ist leider noch zu früh, so dass derzeit noch nichts spruchreif ist. Wir stecken auch noch in der Sommerplanung, die erfahrungsgemäß bis Ende Februar geht.

Welche Songs rotieren momentan in eurem CD-Player?

Meine Scheibe des Jahres 2017 ist auf jeden Fall PROPHETS OF RAGE und da das Jahr noch jung ist, hat es die Scheibe auch noch nicht aus dem CD-Player geschafft. Unbedingt anhören das Teil, wer es noch nicht kennt, groovt wie Sau.

Zum Schluss bitte einmal träumen, ganz groß denken. Jedes Land, jede Bühne, jeder Künstler, egal ob tot oder lebendig steht euch zur Verfügung. Und ihr dürft euer persönliches Wunschkonzert spielen? Mit wem wollt ihr welche Bühne teilen?

Oh, oh, oh, da gibt’s viele! Ich entscheide mich heute mal mit Madison Square Garden eine Runde zocken mit MICHAEL JACKSON. Habe ich so in einem Interview noch nie angebracht, aber ich glaub, dass das ne recht geile Mischung wäre 🙂

HÄMATOM „Bestie der Freiheit“ – Releaseshows
+ Special Guest: HELDMASCHINE

25.01.18 München, Backstage
26.01.18 Köln, Essigfabrik
27.01.18 Hamburg, Grosse Freiheit
28.01.18 Berlin, Huxley’s
01.02.18 A-Wien, Arena
03.02.18 CH-Luzern, Schüür

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