VADOT – Resonanz (CD-Kritik)

VADOT

Am 19. Oktober 2018 veröffentlichten VADOT aus Berlin ihr viertes Album ‚Resonanz‘. Aus dem vielversprechenden Geheimtipp, der die Band bei Erscheinen ihres Debut-Albums in 2010 war, ist einer der interessantesten deutschen Electro-Rock Acts geworden. VADOT gehören zu jenen Bands, die ihren eigenwilligen Weg auch 2018 konsequent weiter gehen. Entgegen einer allgegenwärtigen Streaming-Kultur, möchte das Electro-Wave-Trio an Playlists vorbei sein Publikum mit dem guten alten Longplayer erreichen und veröffentlicht auf dem Leipziger Label Sonic-X das brandneue Album. ‚Resonanz‘ ist ein Geschenk an die elektronische Musik mit deutschen Texten. Für das Mastern holen VADOT Achim Dreßler von Wellencocktail (u.a. Alphaville, De/Vision, Unheilig) mit ins Boot. (Quelle: Pressetext)

Die Singleauskopplung „Wolfskind“ als erster Song des Albums beginnt melancholisch ver- halten und ganz zurück genommen, wie die meisten Stücke auf diesem Album. Die Streicher sorgen für die getragene Stimmung des „Liedes der Nacht“ — ein ungewöhnlich ruhiger Einstieg in ein neues Album, der mit subtiler innerer Dramatik aufwartet, die maßgeblich von der Stimme des Sängers „Vadot“ getragen wird. Der ruhige Anfang von „Triumph der Ewigkeit“ steigert die Spannung, bis ein leichter, flotter Rhythmus einsetzt und die filigranen Arrange- ments der Synthsounds begleitet. Ein leichter Effekt auf der Stimme ist das Tüpfelchen auf dem I. „Ministry Of Truth“ kommt mit mehrfach gesetztem Gesang, der im Refrainteil sehr soulig abgeht. Die vielen Facetten, die dieser Song in sich vereint, sind faszinierend: Voice-Einspie- lungen, ein etwas schräger und ein glockenklarer Synthsound wechseln sich ab, ein Streicher zaubert Chansonfeeling und der Gesang adelt diesen Titel mit Soulfeeling. Großartig! Das Instrumental „Resonanz“ lässt sich Zeit, man darf sich einhören. Oberflächlich ein ruhiger Titel, aber unter seiner Oberfläche ungemein belebt. Wavig verzerrte Gitarren unterstreichen die leicht aggressive Note von „Schattenkrieger“. Der Text ist eine Abfolge von einzelnen Verben, die viel Platz für eigene Interpretationen lassen. In düsterer Manier geht es weiter mit „Ein Manifest“. Mit weichen, akustischen Klängen kombiniert mit künstlich-synthetischen Sound entsteht ein fluides Klanggebilde, was wie alle Titel des Albums Genregrenzen erst gar nicht gedanklich aufkommen lassen. Die Stimme changiert zwischen Weichheit und punkiger Rau- heit passend zum Text. Etwas emotional verloren wirkt „Kopf Stein Pflaster“, was auch die Melodie trotz des Stadionjubels am Anfang transportiert — oder gerade deswegen. „Strandgut“ läuft in noch reduzierterer Geschwindigkeit. Eine Ballade mit Klaviereinsatz, die minimalistisch ein ganz inniges Gefühl hervorruft — schwebend, wie besungen. „Decadance“ haut wuchtig in die Tasten. Auch hier funktioniert eine gewitzte Mehrstimmigkeit mit klanglichen Wortspielen, was etwas Hip-Hoppiges hat. Der Rhythmus unterstreicht dies. Das macht ordentlich Spaß beim Hören. Das Ende des Albums beschließt das mysteriöse „Maria Maria“ und das Ende kommt abrupt.

Fazit: Ein bemerkenswertes Album einer bemerkenswerten Band. Hier herrscht absolutes Schubladenverbot und mit noch so weit herbei gezerrten Genrebezeichnungen kommt man bei „VADOT“ nicht wirklich weit. Als erstes fällt auf, dass fast alle Stücke ein mittleres Tempo haben. Trotzdem bleibt das Album von vorn bis hinten interessant. Die Instrumentierung und Komposition ist minimalistisch, die Abmischung ist stimmig und unter Einsatz des Kopfhörers entfaltet sich ein faszinierend klangliches Universum. Des weiteren zu erwähnen ist die spezi- elle Stimme des Sängers „Vadot“, der mit rhythmischer Akzentuierung der Texte manch- mal fast wie im Hip-Hop-Style rau und doch geschmeidig Wortspiel-Akrobatik betreibt. Es gibt bei diesem Album also mehr zu hören und weniger zu tanzen, obwohl wer will, kann dies auch. Vom Feeling kommt es in seinen Basics dem Trip-Hop recht nah mit modernem Elektrowave als Gegenspieler. Wie gesagt, mit Genre-Schubladen kommt man hier nicht weit. Gut so!

Tracklist:

01. Wolfskind
02. Triumph der Ewigkeit
03. Ministry of Truth
04. Resonanz
05. Schattenkrieger
06. Ein Manifest
07. Kopf Stein Pflaster
08. Strandgut
09. Decadance
10. Maria Maria

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VÖ: 19.10.2018
Genre: Electro Wave Rock
Label: Sonic-X

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