Sonorus7 – Acid Pops (CD-Kritik)

Sonorus7

Schon länger trug sich Sängerin Clodi Korzin, vielen bekannt als Frontfrau der Melodic Death Metal Band Mental Defect, mit den Gedanken herum neben ihr Mitwirken bei der Electro-Band –La Magra– noch ein eigenes Electro-Projekt ins Leben zu rufen. Aber genau so lange hatte Clodi auch mit dem Gedanken gespielt, das Projekt gemeinsam mit der Foto- und Videokünstlerin Liss Eulenherz zu machen. Nach langem Hin und Her soll ich sie fragen, oder auch nicht, denn schließlich wusste doch Clodi, dass Liss in der Vergangen- heit ziemlich ausgelastet war, fasste sie an Weihnachten 2016 doch den Entschluss einfach mal bei Liss anzufragen. Und Überraschung, Liss stimmte dem Projekt sofort zu. Bereits am 01. Januar 2017 trafen sich beide zu einer ersten Probe und schnell war klar, dass sie gemeinsam auf eine Wellenlänge liegen. Keyboarder Daniel Korzin, der übrigens Gitarrist bei Mental Defect ist, ließ sich direkt von der Frauenpower anstecken und stieg ebenfalls sofort mit ein. Ein erstes Lebenszeichen gab es von Sonorus7 mit dem in Eigenregie veröffentlichten Videoclip „Wasteland“, bei dem INTENT:OUTTAKE-Sänger Bastian Polak seine Shouts lieh, im Sommer 2017. Am 11. Januar war es nun endlich soweit: Das Debütalbum „Acid Pops“ erblickte via Danse Macabre Records das Licht der Welt.

Als Erstes darf „Alohomora“ die Ohren kitzeln und da passiert schon eine kleine Über- raschung. Dass Instrumental beginnt mit Elektrogeklimper und zack bürstet der atemlose Rhythmus das Ganze gegen den Strich. Echt chique gemacht! Die Idee ist neckisch, das Intro nach einem Zauberspruch aus „Harry Potter“ zu benennen, der auch verschlossene Türen und Fenster öffnet. Es öffnet sich „A New Tomorrow“ — unterkühlter, urbaner Futurepop mit den aufregenden Stimmen von Clodi und Liss — zart und filigran über leicht übersteuert stampfenden Beat, der ähnlich in dieser Art immer wieder auf dem Album zu hören sein wird. Der Flächenbrand „Incendio“ — wieder ein Zauberspruch aus dem Potterschen Universum — wird gekoppelt mit Spoken Words, gesprochen von einer männlichen Stimme in deutscher Sprache „Bedaure nicht die Toten, bedaure die Lebenden und besonders all diejenigen, die ohne Liebe leben.“. Das ist im wahrsten Sinne mit oder ohne „Harry Potter“ bezaubernd. Mit sehr schönen, satten analogen Klängen ist „Observer of Divide“ ein charmantes Synthiepop-Stück mit der Extraportion Wohlklang und Sehnsucht. Atmosphärisch nahtlos fügt sich „When The World Stands Still“ an. Ruhiger im mittleren Tempo und im wunderschönen sirenenhaften Zwiegesang entfaltet sich der Zauber von „Sonorus7“ auf unheimliche Weise. Es sind nicht allein die feinen Melodien, sondern dieses besondere Etwas, dass beide Stimmen sich im Ausdruck und Klang perfekt ergänzen. Die Single-Auskopplung „Wasteland“ ist wuchtig und macht viel Druck. Sänger Bastian Polak (INTENT:OUTTAKE) kommt als dunkler Gegensatz zu den beiden Sängerinnen gut rüber und bringt Rauheit in das Stück. „Bounded By You“ darf wieder in die Synth- und Futurepopgefilde gleiten, ebenso wie „Breathe Me In“, dessen Gesangspart ein wenig an die Stimmführung im Symphonic-Rock erinnert. Der düstere Anfang von „Where Are You Now?“ mit dem Bass klingt wie Donnergrollen und endet doch in tiefromantischen Gefühlen. Zuckersüßer und sehnsuchtsvoller Song zum Mitsingen. Freund- licherweise heben „Sonorus7“ als Eingeweihte der Hogwarts Zauberkunst die Wirkung der musikalischen Zauberei mit dem Instrumental „Finite Incantatem“ wieder auf. Über hektisch blubbernden Elektropop ergießen sich episch Streicher. Das Album beherbergt noch eine ganze Handvoll erstklassiger Remixe. Der erste Remix ist „Incendio“ von Eisfabrik, der dem Titel einen galoppierenden Beat verpasst und den Eisfabriktypischen elektronisch-kühl gefärbten Maschinensound. ES23 hat mit seinem Remix aus „Where Are You Now?“ eine super Tanznummer gemacht. Die wuchtige Düsternis des Originals weicht einer verspielten Leichtig- keit, die dem Stück nicht den Charakter nimmt. Marcus Engel seines Zeichens Schlagzeuger und Gitarrist bei „Rabia Sorda“ und „Palast“ steuert einen Remix von „Breathe Me In“ bei. Der Titel ist kaum wiederzuerkennen: cool, brachial, mit etwas Houseflair aufgemotzt — faszinier- end! Ein kleines recyceltes Telefongeräusch bei 1:55 dient als ‚Unterschrift‘ aus dem Rabia Sorda-Album „The World Ends Today“, in dem immer wieder Telefonate als Storyline eingespielt werden. „Bounded By You“ ist ein Remix von Mechanical Moth, die durch die leichte Verfremdung der Stimme etwas Gitarrensound und dem wabernden Mottensound dem Titel ihren Stempel aufdrücken. RROYCE krempelt „Wasteland“ von einem wuchtigen Tanz- bodenbasher zu einer sanften, verträumten Hymne um, die ab Mitte mit einer verzerrten Gitarre unterstützt wird.

Fazit: Der Name „Sonorus7“ ist Programm auf diesem Album, denn „Sonorus“ ist ebenfalls ein Zauberspruch aus der Hogwartswelt von Harry Potter und verstärkt die Stimme. Ob die Sängerinnen Clodi Korzin und Liss Eulenherz solch Zauberei nötig haben, wage ich zu bezweifeln. Aber gut, wenn sie dadurch im Falle akuter Stimmnot vor einem Auftritt zauberhaft gerüstet sind. Die Klangfarben beider Stimmen sind traumhaft und sehr gelungen in Szene gesetzt. Ganz großes Kino ist die Auswahl der Remix-Kollegen, die angesichts des guten Ausgangsmaterials kreativ wurden und sich haben inspirieren lassen, wirklich tolle Remixe zu kreieren. So ist ein rundes Album gelungen, was Spaß macht und wie es immer wieder anklingt, von subtil zauberhafter Natur ist. Als Erstlingswerk steigt „Acid Pops“ auf hohem musikalischem Niveau ein und ist äußerst vielversprechend für weitere … Zaubersprüche … Lieder!

Tracklist:

01 Alohomora
02 A New Tomorrow
03 Incendio
04 Observer of Divide
05 When The World Stands Still
06 Wasteland
07 Bounded By You
08 Breathe Me In
09 Where Are You Now?
10 Finite Incantatem
11 Incendio (Eisfabrik Remix)
12 Where Are You Now? (ES23 Remix)
13 Breathe Me In (Engel Remix)
14 Bounded By You (Mechanical Moth Remix)
15 Wasteland (Rroyce Remix)

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VÖ: 11.01.2019
Genre: Electro Pop / Future Pop / Synthie Pop
Label: Danse Macabre Records

Sonorus7 im Web:

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