Mono Inc. – Welcome to Hell (CD-Kritik)

Mono Inc.

Erst letztes Jahr hat man die vier Nordlichter von MONO INC. auf Schiffswegen gefolgt, hat die stürmische See bezwungen und als Teil der Bootscrew auf den Konzerten in ganz Deutschland Abenteuer erlebt. Nach dem großen Erfolg des Albums „Together Till The End“ (2017) und der darauffolgenden gleichnamigen Tour hatten sich die Musiker erst einmal für eine etwas längere Pause ent- schieden. Zur großen Freude ihrer stetig wachsenden Fanbase sprühen die Vier nun wieder vor Kreativität: MONO INC. lassen am 27. Juli 2018 ihr zehntes Studio- album namens „Welcome To Hell“ via NoCut / SPV auf die Welt los. Die neue Platte umfasst 11 brandneue Songs und wird plus einer Bonus-CD, auf der sich noch einmal 10 Songs in einer Classic Version befinden, in den Handel kommen.

Das als Konzeptalbum angelegte Werk beginnt mit dem orchestralen „The Heart Of The Raven“. Eine stimmungsvolle Einführung in die Düsternis einer Zeit voll Krankheit, Tod und Verzweiflung. Die Pest wütete unter den Menschen und der Schwarze Tod raffte sie alle dahin ohne Unterschied. Unverkennbar ist die musikalische Handschrift der 4 Nordlichter, die einem schon nach den ersten Tönen gefangen nimmt und weiterführt in das rockige „Welcome To Hell“ als erste Singleauskopplung des Albums. Der Titel ist so typisch MONO INC., dass es fast wie eine Subsumierung aller Toptitel dieser Band klingt. So legt „Welcome To Hell“ thematisch und auch musikalisch den Grundstein für das vorliegende Album. Der nächste Track „Long Live Death“ startet mittelalterlich folkig mit einer Flöte im Sinne der Geschichte um den Rattenfänger. Sehr stimmungsvoll schmeichelt sich die rockige Midtempo Nummer ins Gehör. Schnell ertappt man sich beim im Takt mitwippen und summen. Von der Struktur her ist dies ein ganz typischer Rocksong mit rhythmischen Break im hinteren Drittel, der live sehr gut abgehen wird. „Risk It All“ wird ebenfalls mit mittelalterlichen Flair und einer choralen Sequenz aufgezogen. Fast harfenähnlich schwebt die akustisch gezupfte Gitarre sphärisch dahin und so ist dieser Track eine wahre Symphonie mit einem tollen Rockgitarrensolo zu einem großen Thema: Niemals Aufgeben! Das Thema „Flies“ wurde hier direkt musikalisch umgesetzt. Man hört die kleinen Biester überall schwirren. Wunderschön ist hier wie in vielen Stücken zuvor der sirenenhafte Background- gesang von Drummerin KATHA MIA, der die Dramatik, die in diesem Lied anklingt, unterstützt: Dem Marty- rium der Geliebten wird aus Verzweiflung ein Ende gesetzt. Ein weiteres Lied im mittleren Tempo und mit sattem Streicheranteil ist „Under A Coal Black Sun“, das sich fulminant ausbreitet. Ein Abschiedslied für ein Schiff, das brennend im Hafenbecken versank als Zeichen für einen ausweglosen Versuch, durch Feuer die Ausbreitung der Pest zu verhindern. Die zweite Auskopplung „A Vagabond’s Life (feat. Eric Fish)“ ist eine Zusammenarbeit mit „Subway To Sally“ Frontmann ERIC FISH, der als Sänger und an den Pipes hier zu hören ist. Wenn die bisherigen Stücke schon alle fett episch waren, setzt dieses noch oben einen drauf. Der Song ist der Hammer! Das Lied erzählt vom Tod eines Landstreichers, der von der Bevölkerung erschlagen wurde, ohne dass jemand für diese üble Tat zur Rechenschaft gezogen wurde. Der „Funeral Song“ fängt die Dynamik des vorigen Stückes sehr schön auf und führt das musikalische Thema wieder zurück auf die MONO INC. Schiene. Die Geschichte ist grausig, denn an allen Häusern, die wegen eines Pestfalles mit einem Kreuz gekennzeichnet wurden, legte ein Mob Feuer. Ungeachtet, ob noch Bewohner im Haus waren oder nicht. In einem eher ungewöhnlichen Soundgewand tritt „Reign Of Rats“ in Erscheinung. Sehr dynamisch mit viel Bassdruck haut das Stück rein und trägt dadurch zur düsteren Stimmung des Textes bei, der von Ratten und Bergen von Toten berichtet, denn die Pest war außer Kontrolle. Mit „Unconditionally“ liefern die Hamburger eine weitere Ballade, die von einem Klavier getragen wird. Melancholisch, emotional und voller zurückgehaltener Inbrunst intoniert Sänger Martin Engler die Worte, untermalt mit Streichern und schmelzendem Pathos. In all dem kranken Chaos wurde ein Kind geboren, das es zu schützen galt. Balladesk endet der erste Teil des Albums mit „When The Raven Dies Tonight“. „Der Rabe“ hat ALLES verloren und wartet nun ALLEIN auf sein Ende — auf das Ende.

Die zweite CD „Welcome To Heaven“ ist das Spiegelbild der ersten in einer sogenannten „Classic Version“, was bedeutet, dass alle Titel nochmals mit akustischen Instrumenten in Kammerbesetzung eingespielt wurden. Das schreit eigentlich danach, dies in dieser Konzeption auf die Bühne zu bringen — vielleicht in einem kleineren Rahmen in einem besonderen Setting. Diese akustische Version hat ihren ganz besonderen, persönlichen Charme. Besonders kommt dies z.B. bei „Reign Of Rats“ zum Tragen, dass in der „Classic Version“ eine innigere Stimmung annimmt, weil durch die Zurückgenommenheit der Instrumente das Geschichtenerzählen im Vordergrund steht.

Fazit: MONO INC. liefern in so kurzer Zeit nach „Together Till The End“ (01/2017) und dem „Symphonies of Pain-Hits and Rarities“ Album (11/2017) erneut eine Fleißarbeit ab. Nicht nur fleißig, sondern auch ausgesprochen inspiriert und tiefgängig ist das Doppelalbum, dessen Stücke in das sinnbildliche Rabenthema eingeklammert sind. Der Rabe, als Bandsymbol und viel mehr als ein Maskottchen steht auch für die vogelartigen Masken der „Pestdoktoren“, die einer Ansteckung durch die Verwendung von Essenzen und Düften im Schnabel ihrer Masken dem Schwarzen Tod zu entkommen glaubten. Das Album ist düsterer, teils auch rockiger und mit mehr mittelalterlich anmutenden Elementen gespickt als man von MONO INC. gewohnt ist. Das Faszinierende an diesem Album ist die Kongruenz der Themenstellung des Konzeptes, nämlich die letzte große Pestepidemie Hamburgs Anfang des 18. Jahrhunderts — ein reales historisches Thema —, und dessen musikalischer Umsetzung. Und dies gleich zweimal in der rockigen und klassischen Variante. Das ist nicht eine einzige Sekunde langweilig, sondern hochatmosphärisch genial gelungen!

Tracklist:

DISK:1 „Welcome to Hell“

01. The Heart Of The Raven
02. Welcome To Hell
03. Long Live Death
04. Risk It All
05. Flies
06. Under A Coal Black Sun
07. A Vagabond’s Life
08. Funeral Song
09. Reign Of Rats
10. Unconditionally
11. When The Raven Dies Tonight

Disk: 2 „Welcome To Heaven“

01. The Heart Of The Raven (Classic Version)
02. Welcome To Hell (Classic Version)
03. Long Live Death (Classic Version)
04. Risk It All (Classic Version)
05. Flies (Classic Version)
06. Under A Coal Black Sun (Classic Version)
07. A Vagabond’s Life (Classic Version)
08. Funeral Song (Classic Version)
09. Reign Of Rats (Classic Version)
10. When The Raven Dies Tonight (Classic Version)

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VÖ: 27.07.2018
Genre: Dark Rock
Label: Nocut (Spv)

MONO INC. – Welcome To Hell Tour 2018
+ Support: Hell Boulevard

12.10.2018 Rostock – M.A.U. Club
13.10.2018 Bremen – Schlachthof
18.10.2018 Kiel – Pumpe
19.10.2018 Magdeburg – Factory
20.10.2018 Dresden, Alter Schlachthof
26.10.2018 Oberhausen, Turbinenhalle
27.10.2018 Köln – Gloria
30.10.2018 Erfurt – Stadtgarten
31.10.2018 Frankfurt – Batschkapp
01.11.2018 Würzburg – Posthalle
02.11.2018 Nürnberg – Hirsch
03.11.2018 München – Backstage
04.11.2018 Saarbrücken – Garage
08.11.2018 Karlsruhe – Substage
09.11.2018 Pratteln – Z7
10.11.2018 Stuttgart – Im Wizemann
15.11.2018 Osnabrück – Rosenhof
16.11.2018 Hannover – Musikzentrum
17.11.2018 Leizpg – Haus Auensee
23.11.2018 Berlin – Huxleys Neue Welt
24.11.2018 Hamburg – Markthalle

Tickets: Devils@Work / Eventim

MONO INC. im Web:

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