Lord of the Lost · Till Death Us Do Part (CD-Kritik)

LORD OF THE LOST

Es gibt Bands in der Szene, die erfinden sich immer wieder neu, sind vielfältig, liefern in kurzen Abständen ein Album nach dem nächsten ab und geben live immer alles. Und dann gibt es da noch LORD OF THE LOST, die setzen dem Ganzen noch einmal die Krone auf. Sie bekommen einfach nicht genug und wollen noch höher hinaus und noch tiefer in die Herzen Ihrer Fans. Was die Hamburger um den charismatischen Frontman Chris Harms in den letzten Jahren ihres Schaffens erreicht haben, ist nahezu einzigartig. Akzeptiert von Kollegen, geliebt von den Fans und heiß begehrt von Veranstaltern. Was will man mehr? Vor allem nach dem letzten Langspieler Thornstar ist klar, dass hinter der Produktion eines Albums deutlich mehr steckt, als eine Handvoll Songs möglichst klangvoll auf Platte zu pressen. Ein eigener Kult, fast schon eine eigene Religion wurde ins Leben gerufen, unfassbare Recherchearbeiten und Hintergründe zu einem Album entworfen, das so detailverliebt und minutiös genau überzeugen konnte, wie kaum etwas bisher Dagewesenes. Thornstars war pure Liebe – Liebe zur Musik für die Ewigkeit auf Silber gebrannt. Was soll da noch großartiges folgen? Nach über zehn Jahren Bandgeschichte liefern die fünf Vollblutmusiker mit Till Death Us Do Part die Antwort.

Till Death Us Do Part ist nicht nur ein Best Of-Album. Es ist eine Zeitreise. Eine Reise in der Vergangenheit, die auf beeindruckende Art die Entwicklung der Band zeigt. Melodiöse Tracks, die zu Beginn ihres Schaffens eher im klassischen Gothic-Rock anzusiedeln waren, bis hin zu harten Gitarrenriffs, zu denen wahre Metalheads die Haare kreisen lassen. Till Death Us Do Part ist aber nicht nur eine Reise in die Vergangenheit von LORD OF THE LOST, sondern auch ein beeindruckender Einblick in die Entwicklung der schwarzen Szene. Zusätzlich gibt es noch wahre Schätze zu hören, Songs, die man fast vergessen hätte und Songs, die man so noch nie gehört hat. Das alles ergibt Stunden puren Hörvergnügens kategorisiert und sortiert.

Auf CD 1 erhält man einen Einblick in die Meisterwerke der Band. Ein klassisches 19 Songs umfassendes Best Of, gespickt mit den Highlights der Bandgeschichte. Aus frühen Erfolgs- zeiten wie das Album Die Tomorrow gibt es beispielsweise den Klassiker „Blood For Blood„, oder die wunderschöne Ballade „Prison“ vom Album Antagony zu hören. CD 2 ist ebenfalls ein Best Of, aber aus Songs, die man selten gehört hat, die nicht auf jeder Live Show gespielt werden, es aber ebenfalls verdient hätten. Vor allem „Do You Wanna Die Without A Scar“ hat es mir (erneut) absolut angetan und ich bin froh, dass dieser Song es wieder in mein Gedächtnis geschafft hat. Das ganze Album ist ein großer Aha-Moment, der mit erhobenen Zeigefinger auf Meisterstücke hinweist, die es verdient haben gehört zu werden.

Die unfassbare Vielfalt der LORD OF THE LOST-Songs zeigt sich aber vor allem auf CD 3, die ein buntes Zusammenspiel von Remixen beinhaltet. Hier geben sich Szenegrößen wie unter anderem Solar Fake („Raining Stars“), Blutengel („La Bomba“), Dope Stars Inc. („Full Metal Whore“), Unzucht („Afterlife“), Coppelius („Blood For Blood“), Rabia Sorda („Kill It With Fire“) oder aber Stahlmann („Break Your Heart“) die Klinke in die Hand. Insgesamt 18 Remixe zeigen die ganz persönlichen Interpretationen von großartigen LOTL-Songs auf die verschiedensten Arten. Zu guter Letzt bekommt man auf CD 4 bekannte Songs in ihrer Ursprungsfassung zu hören. Eine erste Interpretation der Hits, die es einmal werden würden. Demoversionen von Songs, teils aus den späten 90er Jahren noch von Harms Projekten, die es vor der Gründung von LORD OF THE LOST gab. Teilweise überraschend, wie Songs „geplant“ waren und was schlussendlich aus ihnen wurde. Manchmal erkennt man nach dem ersten Ton, welcher Song angespielt wird, und manchmal überrascht es einen, was aus einer ersten Idee nach so vielen Jahren tatsächlich geworden ist. Vor allem der dieser Silberling ist ein unfassbar tiefer, emotionaler Einblick in die Schaffensphasen und das Songwriting von Harms.

Fazit: Mit Till Death Us Do Part erhält man unfassbare vier CDs, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch gemeinsam so ein unfassbares Spektrum abdecken, dass man gar nicht anders kann als die vielen kleinen Zahnräder im Großen und Ganzen zu sehen. Hört man sich jeden Song an, ist zwar der halbe Tag vorbei, aber man hat keine Sekunde verschenkt.

Tracklist:

CD 1 – Best Of

01. Till Death Us Do Part (2019)
02. Loreley
03. Morgana
04. Black Halo
05. Drag Me to Hell
06. In Silence
07. Raining Stars
08. Full Metal Whore
09. Dry The Rain (2014)
10. La Bomba
11. Six Feet Underground
12. Fists Up In The Air
13. Beyond Beautiful
14. Die Tomorrow
15. Blood For Blood
16. See You Soon
17. Sex On Legs
18. Prison
19. Break Your Heart

CD 2 – Rarities

01. One World No Future
02. Death Doesn‘t Kill You But I Do
03. Built To Break
04. The Most Radical Thing To Do
05. La Bomba – Versión Español (feat. Der Schulz & Erk Aicrag)
06. Do You Wanna Die Without A Scar
07. This War
08. When You‘re Asleep
09. Morsal
10. Another Sunny Day In Paradise
11. Take The Pain Away
12. I.D.G.A.F
13. One Day Everything Will Be Okay
14. Trisma
15. Words Of Sadness
16. Zillah
17. Marching Into Sunset (feat. Erk Aicrag)
18. Love In A Time Of War

CD 3 – Remixes

01. Raining Stars (SOLAR FAKE Remix)
02. La Bomba (Remixed by BLUTENGEL)
03. See You Soon (SVBWAY TO SALLY Remix)
04. Six Feet Underground (CHROM Remix)
05. Die Tomorrow (STAUBKIND Remix)
06. Afterlife Of Death (Afterlife Remix by UNZUCHT)
07. Blood For Blood (A LIFE DIVIDED Club Remix)
08. Break Your Heart (STAHLMANN Rebuild Mix)
09. 666 Feet Underground (Six Feet Underground Remix by DEATH VALLEY HIGH)
10. Full Metal Whore (DOPE STARS INC. Remix)
11. Kill It With Fire (But Kill It Good – RABIA SORDA Version)
12. Sex On Legs (FORMALIN Club Mix)
13. Blood For Blood (Ein Walzer für Klarinette und Pianoforte by COPPELIUS)
14. La(tin) Bomba (Official Not Exactly Very Dark Remix)
15. Die Tomorrow (Swing Tomorrow Version by ROCKSIN)
16. Dry The Rain (Re-Encoded by MICHAEL JÜRGENS)
17. Dry The Rain (Remix by PcatchU)
18. Dry The Rain (Orchestra Version feat. MONO INC.)

CD 4 – Demos

01. Till Death Us Do Part (Demo 2008)
02. Dry The Rain (Demo 2008)
03. Sooner Or Later (Demo 2008)
04. Nothing Words Can Say (Demo 2008)
05. Not From This World (Demo 2008)
06. Fragmenting Facade (VAGUENESS version 2004)
07. Beyond Beautiful (VAGUENESS version 2004)
08. Seven Days Of Anavrin (VAGUENESS version 2004)
09. Angel7 (CHRIS HARMS Demo 2000)
10 Revelation 777 (PHILIAE Demo 1999)
11. Heaven Holds A Place (PHILIAE Demo 1999)
12. Eclipsed By Eternity (PHILIAE Demo 1999)
13. Heaven Holds a Place (PHILIAE Demo 1997)
14. The Eyes Of Love Are Blind (Super Sweet Surprise Bonus)

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VÖ: 09.08.2019
Genre: Dark Rock / Metal
Label: Out of Line Music (Rough Trade)

LORD OF THE LOST im Web:

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