Krayenzeit – Saitentänzer (CD-Kritik)

Krayenzeit

Nach dem großartigen Erfolg ihres Debütalbums „Auf dunklen Schwingen“ (2015) und den beiden Nachfolgern „Tenebra“ (2016) und „Von Mond und Schatten“ (2017), die allesamt via Oblivion/SPV erschienen, ließen KRAYENZEIT im März wieder von sich hören. „Saitentänzer“ – so lautet der Titel des vierten Werkes der siebenköpfigen Truppe, das am 29.03.2019 via Trisol Music Group das Licht der Welt erblickte.

Gesanglich gibt Sänger Markus Engel alles beim anspielungsreichen Titel „Schatten- kabarett“, der den Reigen der Ludwigsburger eröffnet. In diesem Titel und nicht nur hier erinnert vieles an die Hardrocksongs der 80er Jahre, aber eben zusätzlich gespickt mit Violine & Co. nach Art von KRAYENZEIT. Bemerkenswert ist das nach klassischer Hardrock- art ausgeführte Solo … nicht mit der Gitarre, sondern mit der Violine. Schwungvoll geht es weiter mit dem fröhlichen und optimistischen „Babylon“. Der Turmbau zu Babel wird als Sinnbild für den Auf- und Ausbruch aus einer engen Welt verstanden. Die Ballade „Regen und Sturm“ lässt die Stimme von Sänger Markus in dem ruhigen Part sehr schön erklingen. Die Ballade baut sich zu einem dynamischen Rockstück im mittleren Tempo auf. Es hätte aber nicht geschadet, die ruhige Stimmung über das ganze Stück durchzuhalten. Die Single-Auskopplung „Saitentänzer“ zeigt als Video einen neuen optischen Stil im Steampunk-Ambiente. Der Track liefert Double Base, eingängige Melodien und einen gefälligen, ruhigeren Zwischenpart. Das charmante „1000 Küsse“ lässt irischen Folk an- klingen. Das zweite balladeske Stück lässt gut von der immens hohen Dynamik durch seinen herzergreifenden Text und dem schunkelnden Rhythmus verschnaufen — irgendwie gut fürs Gemüt. Wie der Titel schon vermuten lässt, bietet „Hart am Wind“ Seefahrerromantik mit Mitsingfaktor.

Bemerkenswert ist das schon klassisch zu nennende chique Hardrockgitarrensolo, was den Rock-Charakter dieses Stückes unterstützt. „Eiskalte Sterne“ passt thematisch noch in das Seefahrermilieu, obwohl es in dem Song eher um romantische Wortbilder geht, die mit den Gegensätzen Hitze-Kälte, Nähe-Distanz spielen. Irgendwie ungewöhnlich! Im nächsten Titel geht es um Religiöses: „Agnus Dei“, wobei es sich schnell herausstellt, dass es in wohl- feilen Worten verpackte Kritik an übertriebene Gläubigkeit transportiert. Und wiederum dürfen wir einem rasanten Gitarrensolo lauschen. Solche Titel heben KRAYENZEIT als gewitzte Songschreiber hervor. „Nur ein Lied“, aber ein wunderschönes, einfaches und herzerwärmendes Lied mit ein wenig Melancholie. Neben all den druckvollen Titeln, können Krayenzeit solche zurückgenommenen, ruhigen Songs richtig gut. „Dornröschen“ passt gut mit der Anspielung an ein märchenhaftes Thema ins Repertoire einer Mittelalter-Rockband. Das etwas düstere „Aurora“ gibt sich auch textlich mystisch. Sehr stimmungs- voll ist das Zwischenspiel mit dem Violinensolo. Als letzter Song auf dem neuen Silberling beendet „Wunder“ den Reigen. Klavierakkorde und Violine und die gehauchten Backgroundchöre ergeben ein ganz anderes, ungewohntes Stimmungsbild. Auch hier gewinnt das Lied durch den starken Text an Tiefe und Emotion. Welch eine Hymne als Abschluss! Toll!

Fazit: Optisch haben sich die „Krähen“ modernisiert, denn sie geben ihrem neuen Werk incl. des Videos einen steampunkähnlichen Look. Akustisch verlassen sie konsequenter- weise weiter die Ebene der typischen Mittelalterrockband. Die historischen Instrumente sind zwar immer noch stilbildend dabei, bestimmen aber nicht die Richtung ins Mittelalter. Auf diesem Album gewinnen KRAYENZEIT an reifem Charakter. Sehr schön sind die ruhigen Titel und allemal die guten, tiefsinnigen Texte. Dass sie mit Druck nach vorne spielen können, haben sie hinlänglich bewiesen, aber die stilleren Titel stehen Ihnen ausge- sprochen gut.

Tracklist:

01. Schattenkabarett
02. Babylon
03. Regen und Sturm
04. Saitentänzer
05. 1000 Küsse
06. Hart am Wind
07. Eiskalte Sterne
08. Agnus Dei
09. Nur ein Lied
10. Dornröschen
11. Aurora
12. Wunder

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VÖ: 29.03.2019
Genre: Folk Rock
Label: Trisol Music Group

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