Im Interview mit Birgit Muggenthaler von Schandmaul!

Schandmaul

Schandmaul haben endlich ihre „Von Leuchtfeuern und anderen Halunken“ Tour fortgeführt. Nach der Tourabsage und Annas Ausstieg endlich erfreuliche Nachrichten von Schandmaul. So waren sie auch am 08.11.2017 in Köln, um dort das verschobene Konzert nachzuholen. Vor dem Konzert plauderte Birgit noch aus dem Nähkästchen und verriet wie sie was sie in letzter Zeit bewegte und was die Zukunft nun für Schandmaul bereit hält. Unsere Redakteurin Julia Euler ergriff noch vor Konzertbeginn die Chance, um mit Birgit Muggenthaler ein Interview zu führen. Doch lest selbst:

Im letzten Jahr wart ihr gezwungen eure Tour abzusagen, u.a. wegen der Krankheit von Thomas. Was geht da einem als erstes durch den Kopf, wenn man bemerkt, dass man die Tour nicht wie geplant abhalten kann?

Birgit: Das ist ein schöner Cocktail aus schrecklichen Gedanken und schrecklichen Gefühlen. Zunächst einfach Zukunftssorgen. Du weißt einfach nicht wann wird es wieder? WIRD es überhaupt wieder? Zweitens sind da noch die wirtschaftlichen Gedanken. Was passiert nun mit den abgesagten Konzerten? Haben die Veranstalter eine Versicherung? Wir hatten damals natürlich keine. Jetzt haben wir eine (lacht). Das war schon ziemlich Scheiße auf gut deutsch gesagt. Wir mussten bis Mai/Juni warten bis wir unsere ersten Konzerte nachholen konnten und als man dann merkte, dass der Laden wieder läuft ging es. Es war nicht nur die Krankheit von Thomas, wir haben ein komplett neues Internetteam, der Ausstieg Annas, all das sind Punkte, die wir bewältigen mussten und umso schöner ist es für uns, dass nun alles wieder läuft und wir eine Menge Spaß dabei haben. Es fühlt sich alles wieder so an wie früher.

Annas Ausstieg, Thomas‘ Krankheit. Bei den ganzen Kriterien, denkt man nicht mal daran etwas kürzer zu treten nach beinahe 20 Jahren?

Birgit: Kürzer treten nicht, aber manche Sachen anders machen. Zumal wir leben alle davon. Natürlich könnte man sich überlegen weniger zu machen, aber dann muss man schauen wo das Einkommen her kommt. Sachen in so fern anders machen wie beispielsweise Thomas. Nach seiner Krankheit will er seine Stimme so gut es geht schonen. Deswegen gibt er auch keine Interviews vor Konzerten oder geht danach nicht zu den Fans. Einfach um seine Stimme zu schonen. Das ist eine Konsequenz aus der Sache. Außerdem versucht man alles so stressfrei wie möglich hinzubekommen.

Nächstes Jahr feiert ihr euer 20 jähriges Jubiläum, auch hier in Köln (16.11.2018 Lanxess Arena Anm. Red.). Lange Zeit zur Vorfreude. Ist auch ein wenig Trauer mit dabei? Denn schließlich wird Anna nicht mehr an diesem Jubiläum teilnehmen.

Birgit: Trauer nicht nein. Wir haben uns alle im Guten getrennt. Schließlich haben wir sie nicht rausgeworfen, sondern sie ist freiwillig gegangen und das verlief sehr harmonisch und deswegen ist es okay und man trauert nicht. Uns geht es gut damit und ihr auch. Man kann es eher als einen neuen Abschnitt sehen und das ist okay.

Im Internet habe ich gelesen, dass ihr schon nach einem Ersatz für Anna sucht. Für diese Tour habt ihr ihn bereits. Welche Kriterien sind für euch besonders wichtig, um einen Ersatz festes Bandmitglied werden zu lassen?

Birgit: Hierzu haben wir noch keinen Plan. Wir wissen nicht einmal, ob wir einen schnellen Dauerersatz für die Geige haben wollen. Diese Tour und kommende Tour werden wir mit Geigenaushilfen machen werden und dann ein wenig das Schicksal für uns entscheiden lassen wer uns so begegnet und ob dieser zu uns passt. Dabei ist die menschliche Komponente besonders wichtig. Gerade bei dem Tourleben muss die menschliche Seite einfach stimmen, wenn man auf engstem Raum zusammenlebt. Wir haben gute Lösungen für Konzerte und Studio, erst mal und was danach passiert, da haben wir wirklich noch keinen Plan. Es ist nicht so, dass wir auf Biegen und Brechen versuchen ein festes Bandmitglied zu finden. Im Moment läuft der Laden so gut.

Also ist es für euch kein zusätzlicher Stress?

Birgit: Nee. Wir haben alles gedeckt und deswegen ist es nicht so wichtig im Moment.

Ihr habt euch von Anna im Positivem getrennt. Gibt es da Momente an denen Anna besonders fehlt? Beispielsweise im Studio oder live?

Birgit: Sie fehlt gerade live sehr, da wir noch keinen Ersatz gefunden haben der Geige und Drehleier spielt. Aktuell ist diese Aufgabe an zwei Personen verteilt. Jessica von Krayenzeit spielt die Drehleier und Saskia übernimmt die Geige. Natürlich wird die Arbeit im Studio auch komplett anders werden. Den musikalischen Aspekt, den Anna hat einfließen lassen wird weniger ausgeprägt sein. Die klassische Komponente war ihr Steckenpferd und dadurch wird sich auch diese verändern. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin das objektiv zu beurteilen. Immerhin stecke ich mittendrin, aber es rockt ganz schön das neue Zeug.

Kommen wir nun zu eurem aktuellen Album „Leuchtfeuer“. Wie gelingt es euch nach der langen Zeit euch musikalisch weiterzuentwickeln und dennoch den typischen Schandmaulsound beizubehalten?

Birgit: Gute Frage. Das kann ich eigentlich gar nicht wirklich beantworten, da wir ohne Konzept Schreiben. Wir haben mehrere Komponisten und die schreiben auf was gerade raus muss. Deswegen sind wir die Geschichtenerzähler. Wir wollen keine großen politischen Statements abgeben, außer natürlich „Bunt statt braun“ oder zeitgenössische Themen aufgreifen. Wir wollen eher die rockigen Baden sein, die Geschichten erzählen. Es passiert zunächst einfach alles und wir benutzen auch erst mal alles. Da gibt es keine Einschränkungen und dann nimmt es seinen Lauf.

Wenn man sich die ganzen Mythen ansieht scheint die Inspiration unerschöpflich. Woher holt ihr euch die Inspiration für eure Songs?

Birgit: Die Inspiration kann von überall herkommen. Das kann ein Buch sein, ein Film oder eine Geschichte. Thomas beispielsweise recherchiert da besonders viel. Wie die Geschichte von Tjark Evers. Also Geschichten mit historischem Hintergrund. Da sind natürlich autobiographische Aspekte dabei, dann die üblichen Themen wie Liebe und Trennung. Das sind so unsere Inspirationsquellen.

Die aktuelle Tour bestreitet ihr mit der Band Krayenzeit. Wie wird der Support eigentlich ausgewählt? Wird dies vom Management übernommen oder von euch?

Birgit: Ganz unterschiedlich. Es gibt Bands die bewerben sich tatsächlich. Was die meisten aber vergessen ist der Kostenpunkt. Wenn man in kurzer Zeit quer durch das Land tourt braucht man einen Nightliner, eine Crew, Technik und so weiter. Stilistisch muss es natürlich auch passen. Wir wollen jetzt auch auf gut deutsch keine „Arschgeigen“ mit dabei haben. Aber zurück zur Frage: Es ist wirklich unterschiedlich. Bei Krayenzeit war es beispielsweise so. Stefan hat ihnen bei den Anfängen geholfen. Deshalb waren sie uns bekannt. Bewerbungen kommen auch rein und werden auch von uns angehört. Wenn es gut passt, dann passt es eben.

Ob große Hallen oder Festivals. Ihr kennt euch auf den großen Bühnen bestens aus. In Hamburg habt ihr beschlossen ein Wohnzimmer Konzert zu geben. Wie ist es zu dieser Aktion gekommen?

Birgit: Wir haben es schon vor vielen Jahren gemacht. Damals konnte man sich online dafür bewerben und es ist eben für die Leute die dort sind. Es ist für alle was Besonderes. Außerdem hat es noch einen ganz anderen Charme als Konzerte oder Festivals und es macht einfach nur Spaß. In Hamburg hat es sich auch zeitlich angeboten und dann haben wir es aus Spaß an der Freude wieder gemacht.

Neben Schandmaul gibt es noch weitere Projekte der Band wie Schandmäulchens Abenteuer. Mittlerweile seid ihr auch im KIKA auf Dauerschleife zu sehen. Befürchtet ihr manchmal, dass ihr überpräsent seid und Schandmaul in den Hintergrund gerät?

Birgit: Also wirkliche Sorge, dass wir medial überpräsent sind, haben wir nicht. Wir werden nicht in Dauerschleife gesendet, weder im Radio noch im TV, außer KIKA. Nach der Tourpause ist uns klar geworden, dass es Zeit wird sich wieder auf das Hauptprojekt zu konzentrieren. Das bedeutet ein neues Album machen, gute Aufnahmen hinlegen, das 20 jährige Jubiläum zu planen und die Tour. Also wird es in der nächsten Zeit kein weiteres Kinderprojekt oder ähnliches geben, da unsere volle Aufmerksamkeit auf Schandmaul liegt. Wir wollen uns einfach auf den Kern fokussieren, das was Schandmaul ausmacht.

Nächstes Jahr heißt es 20 Jahre Schandmaul. Wird es für die Fans zu diesem Jubiläum etwas besonderes geben?

Birgit: Da kommt mit Sicherheit einiges. Für uns ist es schließlich auch ein Meilenstein. Denn auch für uns sind 20 Jahre was besonderes. Auf den Konzerten wird es einiges geben. Musikalische Gäste zu Hauf, spezielle Aktionen und es wird auch ein Megakonzert stattfinden. So ähnlich wie beim 10. Jubiläum ein drei Stunden Konzert oder so was in der Richtung. Also man darf sich auf einiges freuen.

 

Schandmaul „Von Leuchtfeuern und anderen Halunken“ Tour 2017
+ Support: Krayenzeit

01.12.2017 Dresden, Schlachthof
02.12.2017 Erfurt, Stadtgarten
08.12.2017 Memmingen, Kaminwerk
09.12.2017 CH-Pratteln, Z7
10.12.2017 München, Zenith

Schandmaul im Web:

Homepage

Facebook