Helalyn Flowers – Nyctophilia (CD-Kritik)

Helalyn Flowers

Es gibt nicht viele „Female-Fronted“ Acts in der Elektroszene. Paart man das Ganze dann noch mit einer Portion Gothrock und leichten Metaleinflüssen und einer winzigen Prise Punk bekommt man Helalyn Flowers als Endprodukt präsentiert. Das Duo aus Italien besteht aus Noemi Aurora, die mit ihrer zarten Stimme zur Gitarre und Elektronik von Maxx zahlreiche Fanherzen regelmäßig zum Schmelzen bringt. Begeistert von dem Duo ist nicht nur die deutsche Presse, sondern auch Blutengel-Frontmann Chris Pohl. Bereits zum zweiten Mal haben die Künstler kollaboriert und Helalyn Flowers haben nun die Ehre auf dem aktuellen Blutengel-Album „Leitbild“ vertreten zu sein. Aber nicht nur fremden Künstlern schenken Helalyn Flowers ihre Zeit, es wird auch viel Arbeit in eigene Werke gesteckt. So erschien am 22.06.2018 bereits das vierte Studioalbum, das zehn Tracks umfasst, mit dem Namen „Nyctophilia“.

Der Langspieler startet mit „Tetrachromatic“. Noemi Aurora beginnt mit zartem Gesang, der von leichter Elektronik unterlegt wird. Als sich die Elektronik langsam steigert und an Tempo gewinnt, vermisst man leider etwas den Druck hinter den Klängen. Der Song klingt leider etwas flach und ohne Tiefe oder Kraft, die durch die Musik übertragen wird. Das wird leider auch durch die engelsklare Stimme nicht wieder gut gemacht. Im zweiten Track „Unleash The Wolves“ wird es etwas besser. Der Hintergrundbeat ist beständig und verleiht so vor wechselnden Rhythmen zumindest etwas Tiefe, die man im ersten Song kläglich vermisst hat. Die wechselnden Rhythmen sind hier auch ein kleines Highlight. Gekonnt eingesetzt und mit dem Gesang kombiniert wird hier ein ziemlich guter Eindruck hinterlassen. Dieser kann auch in „Kamikaze Angel“ noch einmal bestätigt werden. Es geht flott zur Sache und auch hier kann das Zusammenspiel von Rhythmuswechseln und beständigen Gesang überzeugen. „Kamikaze Angel“ ist auch der erste Song, in dem wohl mehr Wert auf die Gitarre gelegt wurde, zumindest kann man sie an einzelnen Stellen klar heraushören, was in den Vorgängersongs nicht der Fall war. „Let Me In“ sorgt dann für ein bisschen Kontrast. Zwar immer noch sehr stark elektronisch, aber mit deutlich mehr Druck und ordentlichen Schlagzeugbeats wird zumindest zu Beginn Gas gegeben. Man wünscht sich fast, dass das Tempo beibehalten wird und es ordentlich rockig weiter geht, aber leider ist damit schon nach den ersten Klängen schon Schluss. Erst im Refrain wird das Tempo wieder gesteigert – aber wie! Das Wort Katastrophe beschreibt das ganze schon ziemlich gut. Der Gesang wirkt teilweise sehr hektisch, gar nicht auf die Melodie abgestimmt und schlampig darübergelegt. Hier wird man total aus dem Flow gerissen und die Disharmonie sorgt für große Unruhe. Das hätte klüger gelöst werden können. Zum Glück kommt Besserung gleich hinterher und mit „Breathless“ kann das Duo wieder überzeugen. Wir sind jetzt bei der Halbzeit des Albums angelangt und bisher ist meine Meinung sehr zwiegespalten. Einzelne Songs können überzeugen, allerdings wird man sehr schnell aus dem Hörfluss und aus der Stimmung gerissen, da man dazwischen auch mal den Griff ins Klo hört. Mit der zweiten Hälfte kann das Duo aber noch überzeugen, bisher ist noch nichts verloren. Mit „Run Away (with My Demons)“ schaffen sie das aber leider noch nicht. Auch hier wirklich vieles unrhythmisch und nicht perfekt abgestimmt. Betrachtet man aber alles im Einzelnen, Gesang, Elektronik und den Grundrhythmus, klingt alles für sich alleine betrachtet ziemlich gut. Nur im Zusammenspiel kann es nicht überzeugen. „Beyond“ hat ein ziemlich eingängiges Intro, bleibt aber im gesamten ziemlich unspektakulär. Was aber hier definitiv nicht schlecht ist. Der Beat zieht sich durch den gesamten Song, der Gesang eine Mischung aus flotten Absätzen und klangvollen Passagen. Im Gesamtkonzept klingt das alles ziemlich gut und macht für mich „Beyond“ zum bisher besten Song des Albums. „When It Is Not Black Enough“ ist beim Thema Nyctophilia eine sehr, sehr schwere Frage, die abwechslungsreich sowohl im Gesang als auch musikalisch beantwortet wird. Definitiv eine Nummer mit hohem Wiedererkennungswert, die sich abheben kann. Der Titeltrack „Nyctophilia“ passt jetzt nicht nur thematisch ziemlich gut, auch musikalisch passt der Song gut in die vermittelte Stimmung. Flotter, aber sehr gefühlvoll und melancholisch wird der Dunkelheit gefrönt und sie genossen. Fast schon ein kleines bisschen rockig steigert sich der Song immer weiter und kann so tatsächlich ziemlich stark überzeugen. Man sagt ja oft, das Beste kommt zum Schluss. Mit dem letzten und abschließenden Track „Morphine“ kann das italienische Duo von Helalyn Flowers diesem Grundsatz auch treu werden. Abwechslungsreich und schön abgestimmt, trotz der vielen Tempowechsel, zeigen sie sich zum Abschluss von ihrer Schokoladenseite.

Fazit: Auch wenn sich das Duo in der zweiten Hälfte des Albums noch einmal richtig viel Mühe gegeben und den Silberling so stark abgeschlossen hat, kann – Nyctophilia – nicht vollends überzeugen. Es gibt einfach zu viele Schwachstellen, die sich immer wieder in den Songs finden, welche leider am Hörvergnügen kratzen. Hier ist der Tipp definitiv, Album hören, Lieblingssongs finden und dann alles andere überspringen. Helalyn Flowers haben es definitiv verdient gehört zu werden, aber dann tatsächlich nur die Sahneschnitten. Geben wir ihnen noch etwas Zeit, vielleicht kann das nächste Album vollends überzeugen – es sei ihnen gegönnt.

Tracklist:

01. Tetrachromatic
02. Unleash The Wolves
03. Kamikaze Angel
04. Let Me In
05. Breathless
06. Run Away (with My Demons)
07. Beyond
08. When It Is Not Black Enough
09. Nyctophilia
10. Morphine

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VÖ: 22.06.2018
Genre: Metallic Electro Rock
Label: Alfa Matrix (Soulfood)

Helalyn Flowers im Web:

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