Grendel – Age of the Disposable Body

GRENDEL

Die niederländische Electrowaffe VLRK aka GRENDEL ist mit neuem Material zurück. Das neue Album trägt den Titel „Age of the Disposable Body“ und erschien am 27.10.2017 über Infacted Recordings. Wie schon bei den Vörgänger wurde auch dieses Mal auf jegliches Füllmaterial verzichtet. Insgesamt zehn brandneue Songs, die übrigens echtes Hitpotential haben sollen, beinhaltet der neue Silberling. Hier wird vom Clubhit bis hin zum melancholischen Popsong alles aufge- fahren. Auf der zweiten CD erwartet die Hörerschaft stolze 14 Remixe u.a. von großaritgen Künstlern wie Plastic Noise Experience, Solar Fake, Shiv-R, Assemblage 23 und vielen mehr. Ob sich das knapp fünfjährige Warten auf den Nachfolger von „Timewave Zero“ gelohnt hat, finden wir es heraus.

„Magnum Opus (Intro)“ zeigt das Wesen dieses Albums: Vocal Samples, unterlegt mit einer orientalischen Flöte und hochdramatischen Streicherset, das einer Oper oder eines Musicals würdig wäre. Ganz ähnlich funktionierte auch den Opener „Rise“ vom Vorgängeralbum „Timewave Zero“. Thematisch geht es um unsere düstere Zukunft, wenn wir die gesellschaftlichen Probleme nicht in den Griff bekommen gleich einer apoka- lyptischen Prophezeiung. Das leitet über in „Severed Nation“, ein schöner, tanzbarer, recht synthiepoppiger Titel, der tatsächlich ganz versteckt ein paar Synthie-Handclaps untergebracht hat. Der Refrain hängt sich gleich in die Ohrgänge und — was für eine Überraschung! — als Solo hören wir auch noch ein Tenorsax! Sehr cool! Der nächste Track „Hext It“ beginnt mit sehr emotionalen Vocals, getragen von einem hymnischen Synthteppich. Trocken, biestig mit aggressivem Beat bricht die Strophe über diese emotionsgeladene Szenerie herein. Der Refrain überrascht mit einer eingängigen Melodie, die die harsche Strophe wieder in die Weichheit des Titelanfangs überführt. Ein ganz großartiger Flug durch emotionale Landschaften — zurück bleibt Wehmut und Sehnsucht! Industrial wie „Fall Like Rome“ darf auf keinen Fall fehlen. Kalt, trocken und mit der nötigen Power treibt der Beat die Tanzenden voran. Spannend komponiert durch die Bridge mit chorischen Samples, die opulent und dramatisch einen Hauch von Oratorium in diesen Track zaubern. Auch „Flux“ geht mehr in die Synthpop-Richtung. Der Gesang ist angenehm melodiös, trotzdem mit Druck und Härte. Das Geigenähnliche (oder ist das eher eine Drehleier?) Solo ist wieder ein spannender Hinhörer aus einem ganz anderen Genre und die female Voice dazu gibt ihm fast einen romantischen Touch. „Far Away (feat. The .invalid)“ sticht durch seinen speziellen Sound und Breakbeat heraus. Die Stimmen sind leicht verzerrt durch Vocoder. Klingt ziemlich retro. Ein ungewöhnlich akustischer Einstieg in „AOTDB“ entsteht durch die Verwendung von Gitarre, Hackbrett oder Zimbal — ähnlich wie der Sound in „Deep Waters“ und Geigensounds. Der Gesang wird gedoppelt, so erhält der getragene Titel einen sehr satten, organischen Klang. „Scorn“ — allein der Titel klingt schon nach Industrial und so ist es auch mit allem Drum und Dran, Shouts und Arrange- ments. Die Voices sind derart verfremdet, dass sie mehr wie ein zusätzliches Instrument klingen. „Power – Control! … you’re all f…ing“ „Dead Inside“ schließt sich eng an „Timewave Zero“ an. Das ist aggressiv und bissig. Zum Abschluss der ersten CD wird es mit „Zero Hour“ noch eimal instrumental — ganz fett mit Orchester und Streichern.

CD2: Gleich vierzehn Remixe gibt dieses Doppelalbum her und wir wollen Euch die interessantesten davon vorstellen. Insgesamt ist die Zusammenstellung der Remixe sehr kurzweilig und interessant gehalten. Die Auswahl gibt einen guten Überblick über die Elektroszene gestern und heute. „AOTDB (Noir Antidote Remix)“ nimmt diese fette orchestrale Note auf, die dieses Album besitzt. In diesem Remix kommt dieser Track wie eine Elegie rüber — melancholisch und düster mit viel Hall. Die engelsgleiche female Voice schafft nur wenige Sekunden himmlische Atmosphäre, den in diesem Remix „Flux (Assemblage 23 Remix)“ geht es mit harten Beats zur Sache. Von Sanftheit keiner Spur mehr — kein Wunder bei der Vergangenheit von Tom Shear als Punk-Bassist. „Dead Inside (Shiv-R Remix)“ als Remix von den Industrial Metallern von Shiv-R wirkt skelettiert bis auf die EBM-Knochen und Shiv-R gab ihm Sehnen aus Metall. Der Remix von „Fall Like Rome (Riot Kitten Remix)“ von der noch jungen finnischen Elektro- und Industrialband „Riot Kitten“ bekommt hier all seine Verspieltheit und Opulenz genommen. Klar, direkt und richtig rotzig wird dieser Track durch die Transformation des Remix. Es entsteht ein komplett anderer Charakter. Die Rhythmik von „Severed Nations (Plastic Noise Experience Remix)“ ist ganz anders, der Gesang fett, der Sound abgespeckt bis auf die Rhythmik zeigt die Handschrift von Plastic Noise Experience: EBM von Anbeginn seiner Zeiten. „Flux (Solar Fake Remix)“ fällt erstaunlicherweise sehr viel bissiger aus als man es von der Elektro-Pop-Band Solar Fake erwartete hätte. Es überflügelt das Original in Power bei Weitem in Härte. Der letzte Remix ist nun derjenige, der am neugierigsten macht: „Far Away (Peter Turns Pirate Remix)“. Der Solo-Künstler Neal Reed aus Toronto (Kanada) ist vor allem für seine theatralische und dramatische Live-Performance bekannt. Wie zu erwarten, ist das Lied kaum wiederzukennen mit dem fetten Gitarrenbrett. Es schlägt hier wirklich eine Riesenhängebrücke zwischen den Genres Rock und Elektro.

Fazit: Dieses Album fällt zum Vorgänger „Timewave Zero“ (2012) deutlich melodischer und weniger harsh aus. Dafür überrascht Grendel mit vielen ungewöhnlichen Samples und Einspielungen. Immer noch harsch, aber mit tollen Hooklines und eingängigen Gesangs- melodien überzeugt dieses Album in jeder Hinsicht, aber vielleicht nicht die, die von Grendel bisher den starken Industrial Trance Einschlag gewohnt sind. Die, die sich umge- wöhnen können, dürften viel Freude mit diesem interessanten Album haben. Und auch und vor allem mit den vierzehn! Remixen, die eine große Bandbreite an Möglichkeiten zeigen, in welche Richtung elektronische Musik gehen kann. Von Synthie Pop bis Industrial Metal ist alles dabei. Das ist gut überlegt und schafft nebenbei fast einen kurzen Abriss an die Entwicklung des EBM. Grendels Stil ist nicht flacher geworden, sondern anders: verspielter, weicher und melodischer. Veränderungen kann man gut oder schlecht finden — qualitativ liefern sie mehr als solide Arbeit ab und haben ihr Klangbild um etliche Facetten bereichert.

Tracklist:

01. Magnum Opus (Intro)
02. Severed Nations
03. Hex It
04. Fall Like Rome
05. Flux
06. Far Away
07. Age Of The Disposable Body
08. Scorn
09. Dead Inside
10. Zero Hour

11. Age Of The Disposable Body (Noir Antidote Remix)
12. Severed Nations (Ludovico Technique Remix)
13. Flux (Assemblage 23 Remix)
14. Hex It (Solve Remix)
15. Dead Inside (Shiv-R Remix)
16. Far Away (Panic Lift Remix)
17. Age Of The Disposable Body (The Ladder Remix)
18. Hex It (Spitmask Remix)
19. Fall Like Rome (Riot Kitten Remix)
20. Flux (Alpha Quadrant Remix)
21. Severed Nations (Plastic Noise Experience Remix)
22. Flux (Solar Fake Remix)
23. Hex It (High Functioning Flesh Remix)
24. Far Away (Peter Turns Pirate Remix)

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VÖ: 27.10.2017
Genre: Industrial / EBM
Label: Minuswelt (Soulfood) / Infacted Recordings

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