Frei.Wild – Unsere Lieblingslieder (CD-Kritik)

Frei.Wild

Was haben Casper, Kraftclub, Die Ärzte, Jennifer Rostock, K.I.Z., die Broilers, Jupiter Jones, Feine Sahne Fischfilet und die Toten Hosen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten lassen sich viele, wenn nicht gar alle dieser Künstler klar politisch links einordnen. Was haben sie aber noch gemeinsam? Sie alle sind auf dem neuesten Langspieler von Frei.Wild zu hören. Ja – richtig gelesen. Bands, die man nie miteinander in Verbindung bringen würde, haben nun einen kleinsten gemeinsamen Nenner.

Aber von vorne. Frei.Wild feiern dieses Jahr ihr 20 Jähriges Bestehen. Dazu erst einmal – Herzlichen Glückwunsch und Respekt. Nicht alle Bands schaffen diesen Meilenstein. Aber nun weiter, was haben die Ärzte und Feine Sahne Fischfilet mit diesem Jubiläum zu tun? An sich nicht wirklich viel, außer, dass ihre wohl bekanntesten Hits auf dem neuen Frei.Wild-Album „Unsere Lieblingslieder“ zu hören sind. Frei.Wild covern wild drauf los und nehmen alles mit, was ihnen zwischen die Finger kommt. Wenn man bei den Covern jetzt eine musikalische Meisterleistung, eine Neuinterpretation, oder gar große Kunst erwartet, dann wird man herbe enttäuscht. Die Songs sind nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Ohne Kreativität wird einfach nur eins zu eins Text und Melodie gecovert, ohne einen eigenen Stil, oder gar Bemühungen hineinzustecken. Jede Schülerband hätte dies besser gekonnt. Lieblos wird der Text hinuntergelallt und wahllos in die Saiten geschlagen. Nicht einmal die Qualität der Abmischung wirkt so, als hätte sich jemand bemüht. Aber vielleicht soll es auch genau das sein. Keine Ehrung, keine Würdigung und schon gar keine Lieblingslieder, sondern bloßer Spott und Satire. Hierzu passen auch so einige Äußerungen, die Bandmit- glieder zur Veröffentlichung getätigt haben, wie Beispielsweise: „Obwohl wir viele dieser Bands sehr schätzen, zählen wir nicht gerade zu ihren Lieblingen. Gute Lieder guter Bands, gecovert von einer ‚verachtenswerten‘ und ‚gefährlichen‘‘ Band wie uns – das gab es noch nie. Wir hätten es schon viel früher tun sollen. Wir möchten einmal im Leben zu den Guten gehören, das ist uns jetzt gelungen.“, oder aber „Wir wollten endlich etwas Wahres, Schönes, Gutes tun! […] Es sind Songs unserer musikalischen und menschlichen Vorbilder! Lieder mit Botschaft! Lieder für das Gute im Menschen von guten Menschen!“ Frei.Wild zählen sich offenbar nicht zu den guten Menschen. Diese Äußerungen lesen sich zwar auf den ersten Blick ganz nett, allerdings kann man die Zweideutigkeit und Ironie dahinter deutlich erkennen. Sie springt einem förmlich ins Gesicht. Dazu passt dann auch der veröffentlichte Pressetext: „Am Anfang stand die Idee, mit einer besonderen Aktion Danke zu sagen für 20 Jahre steile Bandkarriere, die, ungetrübt von Diffamierung, Ausgrenzung und übler Nachrede immer erfolgreich nach oben ging und Frei.Wild an der Spitze der deutschsprachigen Rockszene dauerhaft etablierte. […]“ Die Band legt Wert auf die Feststellung, dass die Lieder nachgesungen sind. „Wir lassen sie im Original erstrahlen und haben uns gar nicht erst auf Interpretationen eingelassen! […]“ Das Cover erinnert in seinem Look an eine Mischung aus „Shaun, das Schaf“ und eine Liedersammlung von Rolf Zuckowski, was die Intention der Band aber genau abbildet. Was soll man davon also schon großartig erwarten. Kurz zusammengefasst, hat man hier einen Lieblosen Abklatsch von neun großartigen Künstlern, der instrumentalisierter nicht hätte sein können. Besonders heraus sticht aber vor allem „Schrei nach Liebe“ der Song von den Ärzten, der wie eine Hymne gegen Nationalsozialismus und Fremdenhass geworden ist. Zeilen mit tiefer Bedeutung, wahren Worten und einer wahnsinnig starken Aussage, die nun einfach durch den Dreck gezogen wird. Die Diskussion „Ist Frei.Wild rechts – ja oder nein?“ will ich hier gar nicht anstoßen, aber alleine mit dieser Provokation zu spielen und in solch politisch stürmischen Zeiten diese Hymne, dieses Manifest auf solche Weise zu benutzen, mit all den bekannten Kontroversen zu spielen, macht mich traurig und wütend.

Fazit: Provokation – ja gerne! Satire – ja gerne! All das ist in unserem Land erlaubt und auch gerne gesehen (von den Meisten zumindest). Aber wo sind die Grenzen, gibt es überhaupt welche, und ist Unsere Lieblingslieder überhaupt Provokation? Für mich ist es genau das – aber aus der untersten Schublade. Die Art und Weiße wie grandiose Künstler und deren Songs für etwas Rummel und Presse auf eine CD gerotzt werden ist keine Kunst mehr, sondern einfach nur traurig. Frei.Wild haben so oft gezeigt, dass sie mit eigenen Songs viel Ausdrücken und bewegen können, provozieren können und ihre Meinung sagen. Die Band hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, also bitte wenn schon, dann weiter damit, aber das was hier abgeliefert wurde ist eine Schande.

Tracklist:

01. Im Ascheregen (Casper Cover)
02. Schüsse in die Luft (Kraftklub Cover)
03. Schrei nach Liebe (Die Ärzte Cover)
04. Wir waren hier (Jennifer Rostock Cover)
05. Wir (K.I.Z. Cover)
06. Ruby, light & dark (Broilers Cover)
07. Still (Jupiter Jones Cover)
08. Alles auf Rausch (Fein Sahne Fischfilet Cover)
09. Zehn kleine Jägermeister (Die Toten Hosen Cover)

Kaufen:

VÖ: 21.06.2019
Genre: Deutschrock
Label: Rookies & Kings

Frei.Wild im Web:

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