EMIL BULLS – Mixtape (CD-Kritik)

EMIL BULLS

Sie sind das Gegenteil von typisch deutsch und gerade deshalb eines der Aushängeschilder der süddeutschen Musikszene. Wie kaum eine andere Band stehen die EMIL BULLS aus München für charakterstarken Underground-Geist. Seit mittlerweile 19 Jahren liefert die Band frische, mitreißende Töne, ohne sich dabei selbst zu wiederholen. Wie kaum eine zweite deutsche Band versprühen die EMIL BULLS internationales Flair, ohne sich dabei an breit getretene US-Sounds anbiedern zu müssen. Sie sind die Freigeister, die ihre ganz eigene charismatische Geschichte zu erzählen haben. Dabei war es stets die unbändige Energie und die starke Persönlichkeit der Band, die der Rockwelt einen Kopfstand verpasste – große Marketing-Hypes oder gekaufte Kampagnen sind den EMIL BULLS fremd. (Quelle: Pressetext)

Mit ihrem neuen Album Mixtape wollen die Münchner an die vorangegangenen Erfolge anknüpfen. Also werfen Sie ab dem 24.05.2019 14 neue Tracks auf den Markt. Mixtape ist im wahrsten Sinne des Wortes genau das, was es verspricht. Die besten Hits der letzten Jahrzehnte, von den verschiedensten Künstlern, interpretiert auf ihre ganz eigene Art und Weise mit kratzenden Saiten und wummernden Schlagzeug. Den ersten Song, den die fünf Männer ihren Stempel aufdrücken ist „Survivor“ von Destiny’s Child aus dem Jahr 2001. Und verdammte Axt, klingt das geil. Der bekannte Rhythmus schwingt im Hintergrund mit, wird aber von wummernden Bässen mit so viel Power nach vorne getragen, dass man nicht anders kann, als zumindest mitzuwippen. Machen wir nun einen Sprung einige Jahre zurück, noch in die Zeit vor der Bandgründung im Jahr 1995. Taylor Dayne’s „Tell it to my Heart“ erschien 1988. Überraschend klarer und hoher Gesang, der an den richtige Stellen an Tempo gewinnt, zieht einen binnen von Sekunden in seinen Bann. Der krönende Höhepunkt ist ein mehr als gelungenes Instrumental, in dem die Sticks nur so wirbeln dürften. Wenn man mit der Musik ab der 80er Jahre aufgewachsen ist, ist das Album jetzt schon ein absolutes Highlight. Was jetzt kommt, ist für mich persönlich ganz, ganz großes Kino, da der Originalsongs zu meinen absoluten Alltime-Favorites gehört. Die Version von Emil Bulls kommt zwar nicht daran vorbei, ist aber fast auf Augenhöhe und kann mich wirklich begeistern. Die Rede ist von „Mr. Brightsight“ von The Killers. „Grenade“ von Bruno Mars erschien bereits im Jahr 2010. Persönlich hätte ich 2015/2016 geschätzt. Die Zeit vergeht so schnell. Aber umso besser, dass die Jungs von Emil Bulls sich für dieses Projekt entschieden haben. Auch wenn der Song im Originalen nicht wirklich meinem Geschmack entspricht, klingt er mit einer ordentlichen Portion Gitarren gar nicht mal so schlecht. Achtung – jetzt kommt der Stilbruch. Eminem und Ed Sheeran haben 2017 den Song „River“ aufgenommen. Auch daran trauen sich die Münchner und machen das wirklich nicht schlecht. Selbst der zugegebenermaßen ungewohnte Gesang, bzw. Rap fügt sich gut ein und assimiliert sich zu den harten Instrumenten. Von aktuellen Songs geht der Sprung jetzt wieder weit zurück, zu einem Song, den jeder kennt. 1983 erschien „Rebell Yell“ von Billy Idol. Hier wurde das Grundtempo etwas reduziert und der Song etwas düsterer und passagenweise sehr ruhig gehalten. Man erkennt das Original noch deutlich, aber hier merkt man, die Pinselstriche die von Emil Bulls vorgenommen wurden ganz deutlich. Auch Genesis bleiben nicht verschont – ihr Megahit „Jesus knows me“ wird mit voller Kraft, ordentlich Druck und unfassbar viel Power hinausgeschrien. Ein Highlight jagt auf diesem Album wirklich das nächste. Coversongs werden ja oft verpöhnt, aber was hier abgeliefert wird, ist Neuinterpretation auf hohem Niveau. Tatsächlich kommt jetzt ein erst 2019 erschienener Song von Billie Eilish. Hier zeigt sich ganz deutlich, ein schlechter Song kann immer noch eine Grundlage für ein gutes Cover sein. Das klingt vielleicht etwas hart, aber ich persönlich kann mit der amerikanischen Singer-Songwriterin nichts anfangen. Ihr Song „You should see me in a Crown“ würde im Originalen von mir nach wenigen Sekunden gekippt werden. Die Interpretation, die wir auf Mixtape finden, ist jetzt auch nicht mein Highlight, kann aber durchaus vorne mitspielen. Ein Song, der in den späten 2000ern kaum wegzudenken war und vielen ziemlich auf die Nerven gegangen ist „Jungle Drum“ von Emiliana Torrini. Auch wenn ich den Text noch immer nicht mag, klingt er auf die harte Tour doch eine ganze Spur besser und macht nach mehrmaligem Hören sogar richtig Spaß. The Weeknd haben 2015 den R’n’B Song „The Hills“ veröffentlicht und was soll man sagen? Das Prinzip setzt sich fort. Egal welchen Songs die Jungs anfassen, es wird absolut großartig. Die ganz eigene Interpretation der so verschiedenen Songs gelingt ihnen absolut großartig. Gegen Ende wird es nochmal absolut großartig. „We build this City“ von Starship erscheint im neuen Glanz und wird von einem intensiven Schlagzeug getragen. Jeder Takt geht sofort ins Blut und reißt von der ersten Sekunde an mit und steigert die Laune ins unermessliche. Von unfassbar guter Laune kommt nun ein unerwarteter, ziemlich krasser Bruch zu Pixies „Where is my mind“ von 1988. Auch wenn der Stimmungswechsel sehr unerwartet kam, kann man sich doch sehr schnell, schon nach den ersten Klängen damit anfreunden und muss Emil Bulls zugestehen, dass sie auch eine verdammt gut klingende zarte Seite an sich haben. 1998 haben Placebo das Meisterwerk „Every You Every Me“ veröffentlicht. Ein Song, der auf keiner 90er Jahre Party fehlen darf und zum Glück seinen Weg auf dieses Album gefunden hat. Den krönenden Abschluss liefert „Kids“. Im Original von MGMT wird am Schluss nochmal aus den Vollen geschöpft. Rhythmische Gitarren treffen auf harte Cuts und klaren Gesang, leicht verzerrt und mit voller Wucht vom Schlagzeug nach vorne gepresst. Absolut gelungenes Ende.

Fazit: Ich konnte mir zwar denken, was mit Mixtape auf mich zukommen wird, hab mir aber bewusst die Tracklist nicht angeschaut, sondern mich von Song zu Song überraschen lassen. Nach jedem Song stieg die Vorfreude wieder exponentiell an und ich war richtig gespannt, welches Klassiker als Nächstes im neuen Gewand erklingen wird. Alleine dafür schon Danke. Das Gefühl ist eine Mischung aus Geschenke auspacken und alte CD-Sammlungen zu durchstöbern – und das ist wunderbar. Von dem her, alles richtig gemacht. Irgendwann erwarte ich bitte Mixtape Vol.2! Das einzig negative an dieser Scheibe ist, dass es leider sehr schlecht abgemischt wurde und so ein mehrmaliges Hören keinen Spaß macht. Schade!

Tracklist:

01 Survivor (Destiny’s Child Cover)
02 Tell It To My Heart (Taylor Dayne Cover)
03 Mr. Brightside (The Killers Cover)
04 Grenade (Bruno Mars Cover)
05 River (Eminem feat. Ed Sheeran Cover)
06 Rebel Yell (Billy Idol Cover)
07 Jesus He Knows Me (Genesis Cover)
08 You Should See Me In A Crown (Billie Eilish Cover)
09 Jungle Drum (Emiliana Torrini Cover)
10 The Hills (The Weeknd Cover)
11 We Built This City (Starship Cover)
12 Where Is My Mind (Pixies Cover)
13 Every You Every Me (Placebo Cover)
14 Kids (MGMT Cover)

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VÖ: 24.05.2019
Genre: Metal/Hardcore/Alternative/Rock
Label: AFM Records

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