Bad Religion – Age Of Unreason (CD-Kritik)

Bad Religion

Bad Religion, die unangefochtenen Urväter des Punkrock, veröffentlichen mit Age of Unreason ihr siebzehntes Studioalbum. Sechs Jahre, so lange wie noch nie, hat die Band an diesem Album gearbeitet und das Resultat sind besonders scharfzüngige, kritische Polit-Songs, mit denen Bad Religion ein musikalisches Manifest vorlegt als Antwort auf die aktuellen politischen Entwicklungen. Bad Religion waren immer relevant, scharfzüngig, böse und bissig das hat sich auch in 30 Jahren nicht geändert. (Quelle: Pressetext)

Ein 14 Songs umfassendes Album, das sich ganz einfach zusammenfassen lässt. Typisch Bad Religion. Schnelle Instrumentals, die die perfekte Balance zwischen Tempo, Hektik, Power und Energie treffen, gepaart mit schnellem, dennoch klaren und perfekt verständlichen Gesang. Songs, die es schaffen, innerhalb von Minuten die verschiedensten Stimmungen zu vermitteln, diese binnen von Sekunden schwanken zu lassen, den Hörer aber mit einem unfassbar positiven Gefühl zurücklassen. Kritische Texte, die den Finger in die Wunde legen ohne zu beleidigen oder gar abwertend zu wirken, aber dennoch wie ein streng erhobener Zeigefinger wirken. Strukturiert wirkt in Age of the Unreason eigentlich nichts. Flotte nicht einmal zwei Minuten andauernde Songs wie „Do the Paranoid Style“ reihen sich aneinander und behandeln die verschiedensten Themen, wie zum Beispiel die aktuelle amerikanische Politik. Jeder Song scheint für sich zu stehen, ohne an vorherige Tracks anzuknüpfen. Das ist tatsächlich mal eine nette Abwechslung. In letzter Zeit scheint mir der Trend zu komplett durchkonzepteten Alben zu gehen, in dem alle Songs aufein- ander basieren, oder zumindest Bezug aufeinander nehmen. Auch gehen musikalisch mehrere Songs ineinander über und fließen fast schon in ein großes Gesamtwerk ein. Das ist definitiv nichts Schlechtes und ich bin auch ein großer Fan davon, aber nur, wenn man wirklich die Zeit und die Muse hat, sich mit einem Album als Gesamtpaket auseinander- zusetzen. Was Bad Religion hier aber schaffen, sind 14 Songs, die alle hervorragend miteinander harmonieren, bei denen es aber absolut nichts ausmacht, wenn man das Album im Shuffle Mode hört. Einige Songs zum Beispiel „Lose your Head“ sind musikalisch so ausgefallen, dass sie komplett für sich alleine stehen und aus der Masse herausstechen können. Andere, wie „My Sanity“ sind zwar gute Songs, stechen aber nicht besonders hervor, oder fallen durch musikalische Ausgefallenheit auf. Also finden wir hier tatsächlich eine fast perfekte Mischung aus (böse gesagt) Einheitsbrei und Highlights. Das Wörtchen „fast“ ist in diesem Satz nur aus einem Grund – und dieser ist nicht mal berechtigte Kritik, sondern eher eine selbstverständliche Randnotiz. Man hört Bad Religion ihr Alter mittler- weile an. Man merkt, die Musiker sind schon lange erwachsen geworden, alles klingt etwas gesetzter und gediegener als im letzten Album, oder gar zu Beginn der musikalischen Karriere. Das heißt, nicht, dass die Platte langweilig oder sogar altbacken klingt, aber man merkt die lange Erfahrung der Amerikaner deutlich. Wo vor zehn Jahren noch ein Funken mehr Power in manchen Passagen zu finden war, wartet man nun vergeblich auf die letzte Steigerung. Aber, wenn sich eine Band das erlauben kann, dann ist es definitiv Bad Religion. Sie schaffen es, sich selbst zu 100 % treu zu bleiben, nehmen sich aber voll- kommen zu Recht, das Recht heraus ihre Musik und den Stil, sich selbst immer wieder anzupassen.

Fazit: Bereits nach dem ersten Hören hat es mich zu 100 % überzeugt. Ein Song nach dem anderen hat den Weg in meine Playlist gefunden und wird dort auch für lange einen Platz behalten. Es gibt keinen Song, der mich enttäuscht oder aus dem Fluss gerissen hätte. Eine solide Mischung aus guten Songs, die zusammen ein tolles Album ergeben, aber jeder für sich auch einzeln ein kleines musikalisches Meisterwerk ist.

Tracklist:

1 Chaos From Within
2 My Sanity
3 Do The Paranoid Style
4 The Approach
5 Lose Your Head
6 End of History
7 Age of Unreason
8 Candidate
9 Faces of Grief
10 Old Regime
11 Big Black Dog
12 Downfall
13 Since Now
14 What Tomorrow Brings

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VÖ: 03.05.2019
Genre: Punkrock
Label: Epitaph Europe / Indigo

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