AUGER – From Now On I (CD-Kritik)

AUGER

Am 21. Juni schickten AUGER ihre neue Platte From Now On I ins Rennen. Erst im April 2018 erschien das wirklich grandiose Debütalbum The Awakening des düster-melodischen Duos aus England. Wie auch immer sie es geschafft haben in einem Jahr 12 neue Songs albumreif zu produzieren, ist mir ein Rätsel. Immerhin sind Kyle Wilson und Kirean Thornton nicht nur im Studio gesessen. Neben eigenen Konzerten haben sie unter anderem Lord of the Lost auf ihrer Thornstars Tour durch das Vereinigte Königreich supported. Jetzt, nur knapp ein Jahr später, erschien Album Nummer zwei des Duos und ich hoffe wirklich auf eine Fortsetzung der Erfolgs- geschichte, die erst im Juli 2017 begann. Die Band selbst sagt, sie haben die ganze Energie der Live-Performances eingefangen und erzählen nun Geschichten von Misstrauen und Versprechen, Angst und Hoffnung, Mobbing und Stärke. Widersprüche in sich, die AUGER auf From Now On I verbinden möchten.

„Don’t Look Back“ eröffnet das Album mit einer unfassbaren Energie, die im intensiv-tiefen Gesang aufgefangen und gebündelt wird. Der Song strahlt eine unfassbare Ruhe aus, ohne aber wirklich ruhig zu sein, und im Refrain bündelt sich alle Energie zu einer treibenden Melodie. Die ersten Gegensätze sind bereits im ersten Song auf klangvolle und melodische Art und Weiße ineinander verwoben worden, dass der Grundstein für ein weiteres, starkes Album solide gelegt wurde. An zweiter Stelle folgt direkt der Titeltrack „From Now On I“. Auch hier erlebt man eine tiefe musikalische Intensität, die es geschickt versteht, sich immer wieder zu steigern und dann am Höhepunkt eine sanfte Kurve nach unten zu schlagen. Etwas ruhiger gehalten findet man hier, vor allem in den gesangsfreien Passagen, interessante elektronische Elemente im Hintergrund die dem Song den letzten Schliff verleihen. In eine ähnliche Stimmung wird der Hörer in „I Declare“ versetzt. Eher etwas gesetzter baut der Song sich langsam auf und schafft es im Refrain ohne große Mühe voll einzuschlagen. Ebenso schafft der Song aber auch mühelos, wieder in die ruhigen Strophen zu driften, ohne den Hörfluss zu zerstören. Dramatischer, in seinem ganz eigenen Tempo hebt sich „Find My Own Way Out“ deutlich von seinen Vorgängern ab. Viel mehr Synthesizereinsatz, deutlich flotter, viele Rhythmuswechsel und schneller Gesang sorgen für eine treibende Stimmung und eine Melodie, die vom Kopf sofort in die Beine geht. Hier wurde eine kurze, ruhige Passage eingebaut, die kurz vorm Refrain platziert sicher eine dramaturgische Wirkung hat, allerdings den Song auch etwas unterbricht, was dem Hörfluss leider nicht gut tut. „Do Not Wake“ fängt die Stimmung seines Vorgängers ziemlich gut auf. Ebenfalls vermehrt elektronisch gehalten, im Großen und Ganzen eine Symbiose aus treibenden Beats, flotten Strophen und einem melancholischen Refrain. Auch hier werden wieder scheinbare Gegensätze hervorragend miteinander verflochten, was dem Song zu einem echten Erlebnis macht. Balladiöse Züge nimmt „Be Careful“ zu Beginn an. Einzig der sich steigernde elektronische Rhythmus deutet an, dass hier noch mehr passiert. Erst leise und im Hintergrund drückt dieser sich immer mehr in den Vordergrund, bis er den gesamten Raum für sich einnimmt. Genauso schnell, wie er diesen Raum für sich beansprucht hat, verschwindet er aber auch wieder und lässt den Gesang und Schlagzeug im Vordergrund wirken. In „Be Careful“ findet man fast unzählige Tempowechsel, die dem Song einen ganz eigenen Charakter verpassen, ohne aber, dass es überladen wirkt. Die erste richtige Ballade folgt direkt mit „When We Are Apart“. Die Anordnung der Songs wirkt ziemlich durchdacht. Nicht wie wahllos aneinander gereihte Songs, sonder wie ein großes in sich stimmiges Gesamtkonzept, dass immer wieder Elemente von vorangegangenen Songs aufnimmt, wie hier einige elektronische Töne aus „Be Careful“. Auch „Alone“ fügt sich gut an seinen Vorgänger an, ohne aber zu kopieren. Ebenfalls ruhig, aber mit einer hintergründlichen Energie, die immer wieder kurz vor der Entladung zu stehen scheint. Das Tempo wird mit „They’ll Find You“ langsam wieder aufgenommen und im Refrain treibt ein Wort das nächste, dass man kaum nachzukommen scheint. „Run Faster“ singt Kyle Wilson im Refrain und genau diese Stimmung vermittelt der Song. Immer schneller, immer weiter voran. Dies aber ohne Hektik zu verbreiten. Wieder schaffen es AUGER, in Perfektion Gegensätze zu verbinden und eine beispiellose Harmonie zwischen diesen herzustellen. „Feline“ leitet das letzte Viertel des Albums ein und ich muss gestehen, ich bin schon etwas wehmütig gestimmt. Dies wird von der Stimmung, die der Song vermittelt stellenweise noch verstärkt, denn hier wechseln sich rockige Instrumentalpassagen mit gefühlvollem Gesang, unterlegt von elektronischen Beats, geschickt ab. „Outcast Boy“ klingt mehr wie ein Gedicht als ein Song. Die erste Strophe, mehr gesprochen als gesungen unterlegt mit einfachen Rhythmen, führt in den Song, der sich in seinem Verlauf immer mehr aufbaut und dieses Muster dann Strophe für Strophe wiederholt und jedes Mal noch einen Funken mehr herausholt. Den krönenden Abschluss bildet „In Altum“. Ein ruhiger Song, der seinem ganz eigenen Tempo folgt und von tiefem Gesang geführt wird, welcher zum Ende noch mal eine bedrückende Stimmung auslöst, die in langen Instrumentalpassagen aber aufgefangen und gewandelt wird.

Fazit: AUGER schaffen es mit From Now On I den Erwartungen gerecht zu werden. Mühelos fügt sich der Langspieler an The Awakening an, ohne aber das Album zu kopieren. Man hört den eigenen Stil der beiden Musiker ausnahmslos aus jedem Song heraus, ohne aber das diese zu einem Einheitsbrei zerfließen. Man kann auch gut die musikalische Entwicklung heraushören, die AUGER in diesem Jahr durchlebt haben. An manchen Passagen hört man deutlich einen Einfluss den Lord of the Lost hinterlassen haben könnten. Das Einzige, was mir auf From Now On I fehlt, ist ein richtiger Kracher, ein echtes Highlight – dies hab ich für mich hier leider nicht gefunden. Nichtsdestotrotz liefern Kyle und Kirean erneut ganz große Kunst ab und ich freue mich weiterhin auf jedes Lebens- zeichen des Duos.

Tracklist:

01. Don’t Look Back
02. From Now On I
03. I Declare
04. Find My Own Way Out
05. Do Not Wake
06. Be Careful
07. When We Are Apart
08. Alone
09. They’ll Find You
10. Feline
11. Outcast Boy
12. In Altum

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VÖ: 21.06.2019
Genre: Darkwave, Industrial Goth
Label: darkTunes Music Group

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