Amphi Festival 2017 – Tag 2 (Festivalbericht)

Amphi

Die Tore wurden um 4 Uhr morgens geschlossen und nur sechs Stunden später wieder geöffnet. Eine Stunde bevor der erste Act den zweiten Tag des Amphi Festivals eröffnen sollte, konnte vorher noch getrunken, gegessen und geshoppt werden. Das Festival bot eine Vielfalt an verschiedenen Speisen und Getränken. Falls die Getränkepreise einen noch nicht arm gemacht haben, konnte sein Geld auch an diversen Shoppingständen los werden. Von Gothic über Steampunk bis hin zu neuen kuscheligen Wegbegleitern, konnte alles erworben werden. Um 11 Uhr begann auch das musikalische Programm des zweiten Tages. Auf der Mainstage gaben Massive Ego mit ihren dunklen elektronischen Klängen den Auftakt. Die melodischen Töne lockten einige Festivalbesucher an die Bühne und die ersten begannen schon zu tanzen. So als hätte die sechs- stündige Pause nie stattgefunden. Damit nun endlich alle Anwesenden wach wer- den, wurden M.I.N.E auf die Bühne ge- schickt. Das Nebenprojekt der Herren, die unter Camouflage besser bekannt sein sollten, schmetterte einen musikalischen Mix aller Genres der Szene über das Ge- lände. Ob nun minimalistisch oder rebel- lisch, ob nun elektronisch oder rockiger, M.I.N.E boten eine Vielfalt an musikalischen Klängen, die bei den Besuchern gut ankam. Während die Bands auf der Mainstage die Besucher schon anheizten, wurde ab 12 Uhr auch die Theaterstage geöffnet. Wer Lust auf satten EBM hatte, war bei Luzifer’s Aid gut aufgehoben. Wenig Show dafür umso deftigere Bässe konnten die Besucher während des Gigs genießen. Mit tiefer Stimme und dunklen Melodien begann der musikalische Einstieg an der Theaterstage düsterer, als auf der Mainstage. Diese dunkle Atmosphäre sollte sich mit Near Earth Orbit erhalten bleiben. Mit der Ankündigung „This Is The End“ erfreuten sich die Fans auf den gleich beginnenden Gig der außergewöhnlichen Formation. Ihr Sound durchzog einen düsteren Mantel um die Besucher. Zeitgleich gab es aber auch harmonische Klänge, welche die Dunkelheit durchbrachen. Eine wohltuende Mischung aus beiden Komponenten.

Aber auch schon auf der Orbit Stage ging es wild zu. Mit viel Neon und gewöhnungsbedürf- tigen Melodien, enterten We Are Temporary die M.S. Rheinenergie. Wichtig war hier sich auf die musikalischen Ergüsse einzulassen. Doch die Stimmung war so ausgelassen, dass die Besucher die Orbit Stage auch ohne Wellengang in Bewegung brachten. Die Band begeisterte alteingesessene Fans und konnte auch neue dazu gewinnen. Der Übergang zur nächsten Band durchzog sich auf dem Schiff brachial. Denn We Are Temporary stachen vor allem durch ihren einzigartigen Mix aus schönen und harten Klängen hervor. Der nächste Act war wie für die M.S. Rheinenergie geschaffen. Denn wer denkt bei Rummelsnuff nicht an einen enorm muskulösen Matrosen? Feinst gesponnenes Seemannsgarn mit satten Beats und humoris- tischen Klängen. Natürlich in feinster Berliner Manier. Doch wurden ernstere Töne ange- schlagen, denn der Matrose hat schließlich schon einiges erlebt. Dennoch dürfte „Bratwurst- zange“ allen in Erinnerungen geblieben sein.

Der Matrose auf dem Schiff und die silbernen Herren auf der Mainstage. Stahlmann sollten die Masse zum rocken bringen und ihnen zeigen was ordentlicher Rock noch ist. Ihr Markenzeichen, die silberne Farbe, haben sie schon einmal im Schrank gelassen. Stattdessen gab es ein bisschen schwarze Farbe auf der Haut. Während des gesamten Konzerts hatte man auch das Gefühl, dass die Herren von Stahlmann überhaupt keine Lust gehabt haben zu spielen. Lustlos wurde die Setlist runtergerattert bis es Zeit war zu gehen. Nicht nur eine Enttäuschung für Stahlmann Fans, sondern auch für den Rest der Besucher. Ganz anders bei Das Ich. Sie erschienen mit ihren typischen Outfits und wollten ein- fach nur die Masse begeistern. Die altbekannte bewegliche Keyboard- station war natürlich auch dabei. Auch Sänger Stefan Ackermann sah lebendiger aus, als noch vor ein paar Jahren. Da konnte nichts schief gehen. Deshalb gaben sie auf der Bühne alles und nach der vorange- gangenen Pleite wurde dies dank- bar von den Besuchern angenommen. Der harte Elektrosound und die skurrilen Einlagen ließen die Elektroherzen höher schlagen. Natürlich durften Tracks wie „Destillat“ und „Gott ist tot“ nicht fehlen. Elektronisch sollte weiterhin der musikalische Schwerpunkt auf der Mainstage sein. Jetzt hieß es ¡Hola Hocico, damit auch ¡Hola geballter Elektro. Hart, laut und ohne Kompromisse belieferten sie die Menge mit ihren brutalen Beats, heftigen Vocals und gnadenlosen Rhythmen. Genau das wollte die Masse und feierte ihre mexikanischen Schnauzen. Doch auch Tracks wie „Poltergeist“ und „Bite Me“ wurden gefeiert. Wer auf der Mainstag Gitarren, Schlagzeug und Bass vermisste, kam im Theater voll auf seine Kosten. Nach Near Earth Orbit gab es feinsten Horrorpunk auf die Ohren. The Other konnten es sich nicht nehmen lassen einen Abstecher auf das Amphi Festival 2017 zu machen. Sehr zum Wohlgefallen vieler Besucher. In bester Manier konnte gepogt, gerockt und geheadbangt werden. Das Bier flog auf den Boden und es allen einfach herzlich egal. Die Hauptsache war, dass sie Spaß hatten und dieser war massig vorhanden. Bei der nächsten Band mussten die Rockfans sich mit ein wenig Elektro zufrieden geben. Besten Occvlt Post Goth gab es nun von Ordo Rosarius Equilibrio auf die Ohren und so umhüllte eine mystische Atmosphäre das Theater. Die langsamen, dumpfen und düsteren Klänge waren ein ziemlicher Kontrast zu den schnellen Rhythmen der Vorgänger. Sie bedienten sich weniger technischer Hilfsmittel. Als Show dienten mehrere Bildschirme auf denen passende Bilder zu sehen waren. Die Masse erfreute es dennoch. Zu den Liedern „Thelema“, „Black Body“ und „Ultraviolet“ hörten die Fans genau zu und ließen sich von der Musik in den Bann ziehen.

Satten EBM Sound konnten sich die Leute auf dem Schiff holen. Nachdem der Matrose mit den starken Armen die Bühne verließ, kamen ein wenig später Orange Sector hervor. „Orange Sector“ ziehen auch live alle Register und lassen mit ihrer energetischen Show kein Bein stillstehen!, hieß es als Appetithappen auf der Seite und sie sollten damit recht behalten. Kaum stimmten die Herren die ersten Töne an, wurde sich auch schon rhythmisch zu diesen bewegt. Das Tanzbein musste einfach bewegt werden. Vor allem bei Tracks wie „Die Zukunft“ und „Sturm“ blieb kein Bein einfach nur stehen. Urig sollte es auch weiterhin bleiben. Mit 25 Jahren Musikerfahrung sind sie aus der Szene nicht mehr weg zu denken: Winterkälte. Sie prägten den Rhythm’n’Noise Sound noch bis heute. Ihr spezieller Sound ist wirklich nur für Fans dieser Musikrichtung geeignet, wer lieber Rhythmen und Melodien braucht, wird hier schnell geflüchtet sein, aber für diejenigen, die in ihrem Gehörgang Noise zu Musik um- formen, dürfte der Gig ein wahres Fest gewesen sein. Nach Winterkälte wurde es Zeit die Elektrosounds auch vom Schiff zu verbannen und den Besuchern ein wenig Rock zu liefern. LEGEND schlugen ganz andere Töne an als ihre Vorgänger. Ihr harmonischer Rock in Kombination mit weichen Vocals machte aus der Krawallbude ein herrlich träumerisches Deck. Ihr neuer Song „Children Of The Elements“ war der beste Beweis. Trotz des enormen Kontrastes blieben viele Besucher, um nach dem harten Sound ein wenig Harmonie zu genießen. Nachdem sich die Künstler das Mikrofon in die Hand gaben, wurde es Zeit für den letzten Act auf der Orbit Stage. Kirlian Camera erhielten die ruhige Atmosphäre und wiegten die Hörer mit ihren melodischen Klängen in das Ende des Amphi Festivals 2017. Die elektronischen Rhythmen gaben den Besuchern die Chance ein letztes Mal zu tanzen, zumindest zur Livemusik. Die weiche Frauenstimme unterstrich die gefühlvollen Melodien und sorgte für schiere Begeisterung bei den Fans.

Die Theaterstage wechselte nach Ordo Rosarius Equilibrio noch einmal das Genre und bat die Letzte Instanz auf die Bühne. Die charismatischen Herren verzückten das Publikum schon beim Betreten der Bühne. Sie überzeugen vor allem mit ihrer Musik und wollen auch nur diese für sich sprechen lassen. Deshalb stehen sie auf der Bühne und präsentieren ihre Lieder. Diese konnten tausende Menschen ins Theater locken und zusammen feierten Letzte Instanz und ihre Fans eine große Party. Mit ihrem Pop- Rock konnten sie die Menge für sich gewinnen. Diese ruhige und gemütliche Atmosphäre wurde von dem Headliner des Abends mächtig in den Hintern getreten. Denn wo noch eben noch me- lodische Melodien und sanfter Gitarrensound vorherrschten, schmetterten nun die Beats auf einen herein und dazu gab es harte Vocals. Vor allem der minimalistische Elektrosound ließ die Bassboxen knarzen und bot damit ein weniger angenehmes Konzerterlebnis. Doch der Masse schien von The Daniel Myer Project fasziniert zu sein und so lauschten sie aufmerksam jeden einzelnen Ton. Dabei konnte es passieren, dass die Beine rhythmisch hin und her wippten. „Math And Emotion“ wurde im Duett vorge- tragen. Zusammen mit Boris May von der Band Klangstabil. Doch auch hier musste The Daniel Myer Project irgendwann das letzte Lied anstimmen und so war auch auf der Theaterstage das Liveprogramm beendet.

Wer gedacht hat, dass es nach Hocico nicht heftiger gehen könne hat sich geirrt, denn nun sollten Combichrist einen Gig liefern, welche die Masse nicht nur unterhalten, sondern auch zum eskalieren bringen sollte. Lärm, Lärm und nochmal Lärm durchzog sich über das Gelände. Von rockigen bis hin zu harten Elektroklängen boten Combichrist eine Vielfalt an musikalischen Rhythmen, um ihre Fans glücklich zu stimmen. Diese wa- ren auch ziemlich zufrieden. Manch einer, der sie zum ersten Mal hörte, flüchtete lieber in den Beach Club. Andere hingegen blieben interessiert stehen und lauschten aufmerksam zu. Vor allem der Mix aus Elektro und Rock schien den Besuchern zu gefallen. Vor der Bühne war es voll, selbst als es regnete. „My Life Rules“, „Maggots At The Party“ und „Zombie Fistfight“ zeigen die geballte Härte und durften deswegen nicht fehlen. Nachdem die Kleidung langsam nach dem Platzregen trocknete erhellten Apoptygma Berzerk die Besucher mit ihrem rockigen Synthiesound. Durch das Cover „Cambodia“ wurden sie in Deutschland bekannt. Der klangvolle Sound und die harmonischen Melodien waren eine willkommene Abwechslung zu den deftig satten Tönen davor. Die Feier war im vollen Gange und schien nicht mehr weiter ansteigen zu können. Da haben sie aber nicht die Rechnung mit den Norwegern gemacht. Denn für den Schluss hatten sie ihr Cover von „Major Tom“ mitgebracht und auf einmal war jeder Goth, Cyber, Noise Fan und auch die härtesten Rocker Fans der Neuen Deutschen Welle. Im Refrain wurde laut der deutsche Text gesungen und alle hatten sichtlich Spaß in diesen Minuten. Auch wenn Apoptygma Berzerk die Bühne verlassen mussten, blieb der Spaß weiterhin erhalten. Der Checker ist zusammen mit seinen Band- kollegen angereist und beschloss die Party noch einmal richtig in Gang zu bringen. Das war für Eisbrecher na- türlich kein schweres Unterfangen. Mit einem Mix aus den besten Liedern, Pläuschchens mit dem Publikum und einer charismatischen Ausstrahlung machten den Abschluss auf der Main- stage perfekt. Viele Tracks von der „Schock“ Platte fanden den Weg auf die Setlist, aber auch einige Klassiker waren dabei. Was jedoch fehlte war der bekannte und beliebte „Pokémon Rap“. Doch dies war zu verkraften, denn die Stimmung war ohnehin auf dem Höhepunkt. Kein Wunder, dass die Masse es nicht wahr haben wollte, als die Herren die Bühne verließen und somit das Gelände still stand.

Aber auch nach diesem zweiten Tag war nach den Konzerten nicht Schluss. Auf der M.S. Rheinenergie und im Theater konnten die Besucher noch bis in den frühen Morgen das Tanzbein schwingen und das Festival ausklingen lassen. Andere gingen noch einmal kurz shoppen und einige verstreuten sich in alle Richtungen. Das Amphi 2017 war somit Ge- schichte und man darf sich schon auf das Amphi Festival 2018 freuen.

Fazit: Das Amphi Festival 2017 bestach vor allem mit der musikalischen Vielfalt. Jedes Genre aus der Szene wurde bedient und auch speziellere Geschmäcker fanden für sich passende Bands. Nicht nur die Vielfalt war enorm, auch wie die Bands positioniert worden war sehr abwechslungsreich. So hatte jeder die Chance verschiedene Genres auf einer Bühne zu hören. Auch das Problem mit dem entfernten Schiff, konnte prima gelöst werden. Nur im Theater gab es technische Probleme mit den Bassboxen. Gegen die ansteigende Hitze und abfal- lenden Sauerstoff sollte etwas getan werden. Shopping, Essen und Trinken gingen stark auf den Geldbeutel, doch damit niemand zu wenig trank, wurden Wasserhähne angeboten, um sich eine Flasche mit Wasser zu füllen. Die Location spricht jedes Jahr für sich selbst und ist wohl mit Abstand die Location schlecht hin für das Amphi Festival.

Hier findet ihr unsere Bilder vom Amphi Festival 2017: Festivalbilder 2017

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