[:SITD:] – Trauma: Ritual (CD-Review)

[:SITD:]

Die Electro-Erfolgsband [:SITD:] (Shadows in the Dark), die sich im Frühjahr 1996 formierte, feierten im letzten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, wobei Carsten Jacek (Vocals, Lyrics), Thomas „Tom“ Lesczenski (Musik, Programming, Backing-Vocals) und Frank D’Angelo (Keyboards) 2016 keine Werk- schau ihres Schaffens präsentierten, sondern die EP „Brother Death“ veröffentlichten. Eine Jubiläums-Veröffentlichung gab es zum 15-jährigen mit „Icon:Koru“ (2011). Im März 2017 war es nun endlich soweit: [:SITD:] brachten den von vielen Fans bereits sehnsüchtig erwarteten Nachfolger von „Dunkelziffer“ (2014) auf den Markt. Das mittlerweile siebte Studioalbum, welches den Namen „Trauma: Ritual“ trägt, erschien am 24. März 2017 als Doppel-CD über Scanner (Broken Silence).

Der Silberling startet direkt mit „Puls:Schlag“, einem über sieben Minuten langen Stück, das nicht nur in einem gepflegten Pulsschlagtempo als recht eingängige und melodische Club- Hymne daherkommt, sondern in Kooperation zwischen [:SITD:] und dem Gastvokalisten Dennis Schober (Solitary Experiments) entstanden ist. Der Track ist von der Grund- stimmung ziemlich positiv, gar hoffnungs- und sehnsuchtsvoll, was auch an den emotionalen Lyrics liegt. Ein wunderschöner Future-Pop-Titel. Übrigens ist es das allererste Duett mit einem befreundeten Künstler auf einer offiziellen Veröffentlichung von [:SITD:] überhaupt! Mit „Cicatrix“ erhöht sich der Pulsschlag des Takts und es zieht ein wahrlich mächtiges, morbides Gewitter auf, während die kraftvolle Lyrics die Abgründe der menschlichen Seele schonungslos offenlegt. Hier passt einfach alles. Das in sich etwas langsamer gehaltene Stück „Genesis“ überzeugt wie sein Vorgänger mit absolut kraftvollen Beats und einer fast hypnotischen Synth-Melodie. Das Stück bekommt aufgrund des beachtlichen Bandalters von über 20 Jahren eine tiefere Bedeutung: Geht es zurück zu den Anfängen oder wohin will die Band wachsen? Sie wächst definitiv: An Erfahrung, an Sicherheit und bleibt ihrem Stil ganz unverkennbar treu, ohne sich ständig selbst kopieren zu müssen. „Brother Death“. Hier passt die düstere Stimmung zum Grundthema, die aber immer wieder mal durchbrochen wird von positiv anmutenden Einschüben oder Refrains. Absolut interessant! Die ersten vier Titel sind eindrucksvoll und mit viel Tiefe komponiert. „Companion“, beginnt mit gutem, schnellen Rhythmus, bisschen trancemäßig in Klang und Melodie, um dann im Vergleich zu seinen Liedgeschwistern zum Ende ziemlich seicht zu werden – da fehlt irgendwie die Tiefe und wirkt zum Schluss wie abgehoben. Für mich das schwächste Stück auf der CD. Das gute Laune Gefühl von „Companion“ vergeht einem gleich beim Instrumental „Post-Factual Age“, dass mit Vocal-Samples den Zynismus von Kriegstreiberei und Gewalt zeigt und hier ganz eindeutig das Thema der Aufnahme hervorhebt. Ganz eindringlich metallisch untermalt der etwas langsamere Beat die düstere, bedrückende Stimmung der Sprachloops. „Mundlos“ ist ein sehr druckvoller, im Tempo etwas zurückgehaltener Titel, der die Stimmung seines düs- teren Vorgängers weiterführt und noch steigert. Der Track hat sowohl inhaltlich das Thema gut aufgenommen und ist zugleich tanzbar und in der Struktur glasklar. Das ist die Kunst von [:SITD:] niemals Stücke klanglich zu überladen. Einer der besten Stücke auf der CD. Mit „Walls Have Eyes“ zeigen [:SITD:] ihre Interpretation von Electro mit Future-Pop-Elementen, denn der Refrain ist ein melodischer Ohrwurm, der die drückende Stimmung der Strophe aufhebt. „Elegie“ überrascht mit hymnischen Charakter im Refrain, hört man auf die Harmonien, die sich atmosphärisch über den Bass erheben. Top! Das letzte Lied auf der 1. CD ist ein Nach- brenner: „Zenit“. Der Song startet langsam, um dann richtig abzuheben, bevor er dann in einen atmosphärischen Break im freien Schweben stürzt. Zusammen mit den tiefeninspi- rierten Lyrics ein ungemein positiver, kraftvoller Abschluss.

Fazit: [:SITD:] zeigen sich auch auf ihrer neuesten Veröffentlichung „Trauma: Ritual“ absolut zuverlässig in dem, was sie abliefern: tanzbare und auch nur zum Zuhören geeignete Lieder, gesellschaftskritische Texte zu schnellen und auch zurückgenommenen Bassbeats und ganz klare, druckvolle Kompositionen. So verlassen sie immer wieder die Basis mit ihren harten Beats, repetitiven Loops und dem typischen verzerrten Fauchgesang, um in harmonische Sphären zu tauchen mit eingängigen Synth-Kompositionen. Genau das findet sich auf ihrem siebten Studioalbum „Trauma: Ritual“ wieder. Trotz der thematischen Vorgabe ist die Stimmung nicht konsequent nur düster, sondern es ziehen sich immer hoffnungsvolle und positive Sequenzen durch die Stücke. Die stetige Qualität ist wirklich zu würdigen!

Tracklist CD 1:

01 Puls:Schlag feat. Dennis Schober
02 Cicatrix
03 Genesis
04 Brother Death
05 Companion
06 Post-Factual Age
07 Mundlos
08 Walls Have Eyes
09 Elegie
10 Zenit

CD 2: TRAUMA: CULT – Bonus-CD

11 Genesis (Single Version)
12 Puls:Schlag (Club Version) feat. Dennis Schober
13 Incendium (Extended Version)
14 Mundlos (Intent:Outtake Remix)
15 Brother Death (Aesthetic Perfection Remix)
16 Mundlos (Short and Crunch Remix)

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VÖ: 24.3.2017
Genre: EBM / Industrial / Electro / Future Pop
Label: Scanner (Broken Silence).

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