Mr. Hurley & The Pulveraffen – Tortuga (CD-Review)

The Pulveraffen

Ahoy, Ihr Landratten! Wir stechen in See mit der Piratentruppe Mr. Hurley und die Pulveraffen. Feinster karibischer Grog’n’Roll aus dem ‚karibischen Osnabrück‘ entert die Ohren der Republik. Mit dem mittlerweile vierten Studioalbum und nach zahlreichen Auftritten in der ganzen Republik (u.a. Summerbreeze Open Air 2017) wollen die vier Nordlichter jetzt in „Tortuga“ halt machen. So ist der Titel des Langspielers, der tatsächlich 18 Tracks um- fasst und aus einer Mischung kurzer Piratengeschichten und guter Laune verbreitender, mithüpfanregender Songs besteht.

Wir starten die Reise nach Tortuga mit dem Track „Totgelacht“. Gewitter und Donnergrollen führen uns in den Song, bis eine Orgel dramatisch einsetzt und uns schließlich eine tiefe Piratenstimme und eine flotte Gitarre abholen. Schnell wird klar, die Pulveraffen nehmen sich nicht zu ernst und betrachten sich selbst mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Das gepaart mit einer eingängigen Melodie macht Lust auf mehr. Trinkfeste Hobbypiraten sind bei „Achtung, Fertig, Prost“ gefragt. Spätestens im Refrain kann man nicht anders als „Aye, Aye, Aye!“ zu brüllen und noch einmal das Glas zu heben. Der perfekte Song um sein Schicksal des Abends in die Hand des Alkohols zu legen und lange Nächte in Bars zu verbringen. Jetzt starten wir mit dem „Blakes Landgang (Pt. 1)“ vom Kapitän. Eine humorvolle Kurzgeschichte über das, was letzte Nacht passiert sein könnte. Diese besteht aus vier Teilen und wird häppchenweise immer zwischen den Songs fortgesetzt. Mit dem nächsten Track kommen wir in „Tortuga“ an. Wieder dominiert die Akustikgitarre, während die Schönheit der Pirateninsel besungen wird. Mit einem kleinen Wortwitz geht es weiter in „Kanone dich nicht leben“. Die Instrumente geben den Takt für einen klassischen Sirtaki vor und ein eingängiger Refrain lädt zum Mitsingen ein. Die Warnung „Trau keinem Piraten“ beginnt mit Harmonikamusik und langsamen Gesang. Ein, bis auf den Refrain, ruhigerer Track, der ein bisschen für Abwechslung und eine Verschnaufpause sorgt. Ein „Schlechtes Vorbild“ wird im folgenden Song besungen. Das Tempo wird wieder aufgenommen und handelt von dem harten Leben eines Piraten, der einfach nicht als der bedrohliche Mensch wahrgenommen wird, der er gerne sein möchte. Bei „Gib dem Affen Zucker“ muss man zwar an Peter Fox denken, aber bis auf den Titel haben die beiden Songs nichts gemein. Ein schunkelfähiger Song der wieder von der für Piraten schönsten Nebensache der Welt – Rum – handelt. „Das Letzte“ ist noch lange nicht das Letzte – wir sind erst knapp über Halbzeit. Ein ruhiges, aber mit gewissem Tempo versetztes Lied, das zum Mithüpfen einlädt. „Wär ich Gouvanör“ steigert sich langsam aber stetig über den ganzen Song und ist eine ruhige, traurig anmutende Ballade. Ganz andere Töne von den Pulveraffen, als die übliche gute Laune Musik, aber sehr schön. „Mit’n Schwert“ hebt die Stimmung wieder. Auch wenn der Text teilweise doch sehr schwer zu verstehen ist, im Takt klatschen funktioniert hier wunderbar. „Was du kriegen kannst“, erzählt die Geschichte von einem Freibeuter der nur Befehle entgegennimmt und Drecksarbeit leisten muss. So geht es jedem Mal und da muss man durch – und nehmen, was man kriegen kann. Bei „Der Haifisch“ wird mehrstimmig gesungen und weiterhin gute Laune verbreitet. Die Pulveraffen verstehen ihr Handwerk wie kaum andere. Track 17 „Gute Nacht Tortuga“ ist das letzte neue Lied auf dem Langspieler und verabschiedet den Hörer friedlich und ruhig – eine sanfte Gitarre im Hintergrund und ruhiger Gesang. Ein schöner Abschied. Wenn da nicht noch der Bonustrack „Blau wie das Meer“ wäre. Der klassische und altbekannte typische Mr. Hurley und die Pulveraffen Song. Wer hier noch still sitzen kann, hat definitiv irgendwas falsch gemacht. Hier muss man tanzen springen uns singen. Und vor allem – trinken! Dass wir alle blau wie das Meer werden, voll wie der Laderaum und breit so wie die Ärsche von den Weibern auf Tortuga. Und dann muss man noch mehr trinken, dass man blau bleibt wie das Meer, beladen wie ein Bordgeschütz und dichter als der Nebel vor Capoor. Neu interpretiert und vertont definitiv der beste Abschluss für Tortuga.

Fazit: Ein wunderschönes gute Laune Album. Musikalisch und gesanglich absolut perfekt harmonisch aufeinander abgestimmt, dass einen von Sandstränden, Piraten und vor allem Rum träumen lässt. Der intellektuelle Tiefgang fehlt zwar, darf bei Mr. Hurley und die Pulveraffen aber auch nicht übermäßig erwartet werden. Ein Album zum Kopfausschalten und in den Moment leben. Von solcher Musik bräuchten wir mehr, dann könnte man deutlich entspannter durch das Leben gehen. Aye!

Tracklist:

01 Totgelacht
02 Achtung, Fertig, Prost
03 Blakes Landgang (Pt. 1)
04 Tortuga
05 Ich Kanone Dich nicht leben
06 Trau keinem Piraten
07 Schlechtes Vorbild
08 Blakes Landgang (Pt. 2)
09 Gib dem Affen Zucker
10 Das Letzte
11 Wär‘ ich Gouverneur
12 Blakes Landgang (Pt. 3)
13 Mit’n Schwert
14 Was Du kriegen kannst
15 Der Haifisch
16 Blakes Landgang (Pt. 4)
17 Gute Nacht Tortuga
18 Blau wie das Meer (Version 2017)

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VÖ: 25.08.207
Genre: Folk, Piratenmusik
Label: Vertigo Berlin (Universal Music)

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