MajorVoice – A New Chapter (CD-Review)

MajorVoice

Von der Opernbühne in die Restaurantküche und zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten – dieses Mal aber mit harten Gitarren und dem ersten eigenen Rock-Album! Nach seiner EP „Wonderful Life“ serviert der gestandene und nach Neuem suchende Opernsänger Ronald Zeidler alias MajorVoice nun am 24.11.2017 seine erste eigene Platte über NoCut. „A New Chapter“, so der vielversprechende Titel, nimmt den Hörern mit auf eine träumerische Reise durch die stürmische See moderner Rocksongs und klassischer Evergreens, alles getragen und mit eigenem, markantem Stempel versehen durch die wunderschöne und zugleich abgründig tiefe Stimme von MajorVoice.

Einen bombastischen Einstieg wählt MajorVoice mit „Shot In The Silence“. Dies ist der erste und einzige eigene Titel auf dem Album, den Martin Engler von MONO INC. eigens für MajorVoice geschrieben hat. Was soll man dazu sagen, wenn es einem den Atem nimmt? Diese Version ist an dramatischer Theatralik nicht zu überbieten und setzt das zu erwartende Niveau ganz oben an. Es folgt „Stay“ bekannt von der britischen Pop-Band Shakespears Sisters aus dem Jahre 1992. Dies ist als Ballade ein ganz anderes Kaliber als der Opener. Sie beginnt emotional getragen, um ab Mitte das Tempo anzuziehen und sich als druckvolle Darkrock-Ballade zu entwickeln. Wer wollte da nicht bleiben und weiter hören? „Wicked Game“ von Chris Isaak veröffentlicht im Jahr 1989 ist im Original nicht zu toppen. MajorVoice macht es ganz richtig und versucht erst gar nicht, diesen an sich perfekten Titel nachzusingen, sondern entwickelt eine ganz eigene Version davon. Erstmal überraschend in dieser rockigen Version, aber für mich persönlich mit das schönste Stück auf dem Album. Besonders der akustisch unterlegte Part ist umwerfend. Mit „Here With Me“ von der britischen Songwriterin Dido (1999) folgen noch weitere zwei Titel, die bereits auf der EP „Wonderful Life“ ausgekoppelt wurden. Dies wurde stimmungsgemäß sehr symphonisch mit viel Backgroundchor umgesetzt. „Wonderful Life“ — ebenfalls auf der EP — stammt aus der Feder des britischen Musikers Black und erschien 1986. Wer hätte gedacht, dass dieses Lied im Original mit schüchternem Understatement vorgetragen so rocken kann, und dass mit einem Opernsänger? Besonders interessant ist hier der Schlagzeugeinsatz, der am Liedanfang im Untergrund für pulsierende Energie sorgt. Gewiss am interessantesten sind die Übertragungen von ganz unterschiedlichen Genres als Cover wie hier mit „The Great Commandment“ als Synthiepop Titel von der deutschen Band Camouflage aus dem Jahr 1988. Auch dieser ist nur an der Grundstruktur wieder zu erkennen, entpuppt sich der Track als sehr flotte Rocknummer, der auch auf der EP „Wonderful Life“ zu hören ist. Lana Del Reys „Summertime Sadness“ von 2012 ist schon deshalb ungewöhnlich aus dem Munde eines tieftönenden Mannes zu hören, weil es nicht nur stimmlich als auch textlich aus der Sicht einer Frau gesungen wurde. Aber das ist ja kein Hinderungsgrund für eine Neuinterpretation á la MajorVoice und macht es schon allein deshalb sympathisch, dass hier wirklich „grenzüberschreitend“ gearbeitet wurde. „My Sick Mind TV“ ist von MONO INC., mit denen MajorVoice auf die Eisheilige Nacht Tour im Dezember geht, aus dem Album Temple of Torn von 2007. Im Original von dunklen, rockigen Charakter wird dieses nun als Ballade mit Klavierbegleitung vorgetragen. Das ist wundervoll, melancholisch und erzeugt eine berückend intime Stimmung. Aus der Wut wurde Melancholie, ohne dessen Kraft verloren zu haben. Das ist wirklich super gelungen! „Never Let Me Down Again“ von Depeche Mode (1987) als Symphonie Rock interpretiert steht dem Titel ausgesprochen gut, ohne diesem das Rückgrat zu brechen. An diesem Sänger und an diesem Lied kam in den 80ern keiner vorbei: „White Wedding“ von Billy Idol aus dem Jahr 1982. Spannend, wie MajorVoice diese hochenergetische Stimmung des Idols-Stückes hält, ohne in dessen hyperaktive Manier zu verfallen, sondern ganz relaxed das Lied vorträgt. Weniger ist halt doch oft mehr! Abgerundet wird das Werk mit etwas Langsames für das Gemüt: „Drive“ von The Cars von 1984. „Who’s gonna drive you home tonight?“. Der perfekte Rausschmeißer aus dieser Rockoper.

Fazit: Mit etwas Zurückhaltung höre ich „A New Chapter“ und je länger ich es höre, desto tiefer zieht mich die Bass-Stimme hinein in die symphonische Dark-Rock-Sphäre von MajorVoice. Die höheren Stimmlagen aus der Opernwelt hört man öfter auf ihren Grenzgängen in die sogenannte U-Musik, aber einen Bass doch nicht. Bisher nicht! Und das macht das ganze doch ungewöhnlich. Bis auf den ersten Song sind auf dem Album überwiegend Cover von Titeln aus den 80ern und einige wenige jüngeren Datums. Deutlich hört man den Einfluss der „Geburtshelfer“ von MONO INC. heraus. Die Hintergrund- geschichte ist schier unglaublich und märchenhaft zugleich, dass quasi der „Zufall“ den Opernsänger mit Karriereknick als Koch in die Nähe zu den Dark-Rockern MONO INC. geführt hat. So mag die Schicksalhaftigkeit in diesem Album mitschwingen zwischen den Noten und als Hörer und Hörerin mag man sich durch dieses Mysterium musikalisch bezaubern lassen. Bei einem Cover-Album frage ich mich immer, wieso gerade diese Titel ausgewählt wurden. Die meisten Titel waren in ihrer Zeit große Hits und sind noch heute bekannt, sodass ein steter Vergleich zur Coverversion zwangsläufig ist. Den Vergleich muss aber MajorVoice nicht scheuen, weil aus den Covern komplett eigene Versionen ent- standen sind. Im Klangbild des symphonischen Düster-Rocks MONO INC.’s , aber mit der überirdischen Bassstimme von MajorVoice. Der Grund für diese Wahl ist nicht allein die passende „Tonalität“ der Stücke, sondern dass sie Bedeutung haben für den Sänger, der sie mit voller Inbrunst und Emotionalität erklingen lässt. Dies ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Album: eine Rockoper „Full of Wonders!“.

Tracklist:

01. Shot In The Silence
02. Stay
03. Wicked Game
04. Here With Me
05. Wonderful Life
06. The Great Commandment
07. Summertime Sadness
08. My Sick Mind TV
09. Never Let Me Down
10. White Wedding
11. Drive

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VÖ: 24.11.2017
Genre: Rock / Metal
Label: NoCut

MajorVoice live mit Mono Inc. (Eisheilige Nacht 2017)

20.12.2017 Filderstadt, Filharmonie
21.12.2017 CH-Pratteln, Z7
22.12.2017 Gießen, Hessenhallen
23.12.2017 Dresden, Alter Schlachthof
26.12.2017 Bochum, RuhrCongress
27.12.2017 Würzburg, Posthallen
28.12.2017 Bielefeld, Ringlokschuppen
29.12.2017 Bremen, Pier 2
30.12.2017 Potsdam, Metropolis Halle

MajorVoice im Web:

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